Orange Days erfolgreich umgesetzt: Offenbach setzt Zeichen gegen Gewalt an Frauen
04.12.2025
Mit einem sichtbaren und vielseitigen Programm hat die Stadt Offenbach in der vergangenen Woche die diesjährigen Orange Days eröffnet. Die internationale Kampagne rückt weltweit Gewalt gegen Frauen in den Fokus und lädt dazu ein, hinzusehen, zu handeln und Betroffene zu unterstützen. Die Orange Days 2025 zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig und engagiert Stadt, Vereine, Initiativen und weitere Akteurinnen und Akteure gegen Gewalt an Frauen vorgehen. Mit Kundgebungen, Aktionen, Ausstellungen und einer Filmvorführung werden sowohl die Realität geschlechtsspezifischer Gewalt als auch die Perspektiven, Stimmen und Erfahrungen von Frauen und Mädchen sichtbar.
Der Auftakt am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, am 25. November, begann mit einem starken Signal: Am Rathaus wurden morgens Flaggen gehisst und Banner angebracht, bevor das Rathaus und die Verwaltungsgebäude der Stadt bis 10. Dezember abends in kräftigem Orange leuchten. „Mit der Teilnahme an der weltweiten Aktion „Orange your City“ und den Orange Days senden wir ein deutliches Signal der Solidarität und erinnern daran, dass Gewalt gegen Frauen ein gesellschaftliches Problem und ein dementsprechender Auftrag ist“, sagt Dr. Inga Halwachs, kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte. „Gewalt kennt nicht nur sehr viele verschiedene Formen, sondern passiert in allen sozialen Schichten und Altersklassen. Unser Ziel ist es, Frauen und Mädchen und allen, die sich als solche fühlen, ein sicheres gewaltfreies Leben zu ermöglichen. Daran arbeiten wir gemeinsam mit Verwaltung und Politik über Bildungseinrichtungen bis hin zu Medien und Nachbarschaften.“
Brötchentüten, Sprühkreide und Rathauskundgebung
Ebenfalls am 25. November startete die Bäckertütenaktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“. Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke überreichte in der Bäckerei Beck Brötchen, Baguettes und Kuchen in Tüten, die auf Hilfsangebote und Beratungsstellen aufmerksam machen. „Gewalt gegen Frauen ist und bleibt absolut inakzeptabel“, so der OB. „In Offenbach setzen wir deshalb auf kontinuierliche Prävention und Aufklärung. Die Bäckertüten-Aktion ist ein Baustein davon – niedrigschwellig und sichtbar dort, wo Menschen jeden Tag vorbeikommen.“ Insgesamt vier inhabergeführte Bäckereiunternehmen machen mit, diese sind die Bäckerei/ Konditorei Beck mit ihren drei Filialen, die Bäckerei Kress mit vier, die Cavus Bäckerei beteiligt sich mit sechs Filialen und dabei ist auch das Main-Back & Café. Bei ihnen allen kommen die Backwaren bis 10. Dezember in die „Gewalt kommt nicht in die Tüte“-Tüten. Darüber hinaus waren Mitarbeiterinnen des Frauenbüros und der Arbeitskreis gegen häusliche und sexualisierte Gewalt mit Sprühkreide im gesamten Stadtgebiet unterwegs und hinterließen die Botschaft „Stopp! Gewalt an Frauen“ auf Gehwegen und platzierten das Thema damit im Alltag der vorbeilaufenden Bürgerinnen und Bürger.
„Am Nachmittag versammelten sich auf Einladung des Frauenbüros und des Vereins Frauen helfen Frauen zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer zu einer Kundgebung vor dem Rathaus. Die Beiträge machten eindrucksvoll sichtbar, wie vielfältig die Formen geschlechtsspezifischer Gewalt sind, von häuslicher und sexualisierter Gewalt über Alltagsbelästigungen bis hin zu Femiziden. Vertreterinnen und Vertreter aus Beratung, Zivilgesellschaft und Selbstorganisation schilderten ihre Perspektiven: von Erfahrungen im Unterstützungssystem über die alltäglichen Grenzüberschreitungen junger Frauen bis hin zu der Frage, wie Gewaltprävention und Solidarität im öffentlichen Raum gestärkt werden können. Eine ehemalige Bewohnerin des Frauenhauses brachte die oft fehlende Betroffenenperspektive ein und machte deutlich, wie wichtig Schutzräume und verlässliche Begleitung auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben sind. Die Initiative Femizide erinnerte daran, dass tödliche Gewalt nicht individuelle Tragödien sind, sondern eine strukturelle Dimension und gesellschaftliche Verantwortung sichtbar machen. “Wenn wir über Gewalt reden, denken viele in erster Linie an sichtbare, physische Gewalt. Doch Gewalt hat viele Gesichter, auch jene, die auf den ersten Blick nicht immer erkennbar sind, wie psychische Gewalt oder auch sexualisierte Grenzüberschreitungen in der Sprache“ sagt Luzia Rott, Fachreferentin für die Umsetzung der Istanbul-Konvention beim städtischen Frauenbüro. „Die Orange Days zeigen auch, dass es in Offenbach ein stabiles, gut aufgestelltes und qualifiziertes Netzwerk an Hilfs- und Unterstützungsangeboten für Frauen und Mädchen gibt, das auch weit über einzelne Aktionszeiträume hinaus zuverlässig unterstützt“, sagt Luzia Rott, Fachreferentin für die Umsetzung der Istanbul-Konvention.
Ausstellungen und Filmabend ergänzen das Programm bis 10. Dezember
Das Programm der Orange Days wird in den nächsten Tagen durch weitere Veranstaltungen und Ausstellungen fortgeführt. Im Rahmen einer Kooperation des Frauenbüros der Stadt Offenbach und des DGB Stadt- und Kreisverbands Offenbach wurde der Film „Die Gewerkschafterin – Der Fall Maureen Kearney“ gezeigt. Eine anschließende Podiumsdiskussion machte deutlich, wie sexualisierte Gewalt gezielt als Machtinstrument eingesetzt werden kann, welche Rolle gesellschaftliche Strukturen und das Klima am Arbeitsplatz spielen und wie wichtig Solidarität, Unterstützungssysteme und Empowerment für Betroffene sind. Außerdem wurden Fragen nach Prävention, der Rolle von Gewerkschaften und Hilfsangeboten vor Ort sowie der Stärkung von Frauen in Arbeits- und Ehrenämtern behandelt.
Die Ausstellung des kollektiven Kunstprojekts „VERSEHEN – FASSBAR GEMACHT“ von Julakim ist noch bis zum 10. Dezember in den Parkside Studios zu sehen. Sie macht die Perspektiven von Frauen und Mädchen sichtbar und greift den Gedanken auf, dass weibliche Stimmen und Erfahrungen oft übersehen oder nicht ernst genommen werden. In Workshops haben Frauen und Mädchen Keramikkörper und andere Objekte gestaltet und sie mit eigenen Worten, Zeichen und Erlebnissen versehen. So werden die vielfältigen Perspektiven weiblichen Erlebens greifbar, ein zentraler Aspekt der Orange Days, der die Verbindung von Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und Empowerment unterstreicht.
Die Ausstellung „Femizide stoppen!“ im Rathausfoyer zeigt das Ausmaß geschlechtsspezifischer Tötungsdelikte des Jahres 2024 und ist noch bis zum 10. Dezember während der regulären Rathausöffnungszeiten zu sehen. Jede Kachel der Ausstellung steht für einen Femizid und enthält Datum sowie Hintergrundinformationen zu den Fällen, darunter auch eine Offenbacherin. So werden die betroffenen Frauen und ihre Geschichten sichtbar gemacht. Die Ausstellung macht deutlich, dass Femizide keine Einzelfälle sind. Sie lädt Besuchende ein, innezuhalten, der Opfer zu gedenken und sich der strukturellen Dimension von Gewalt gegen Frauen bewusst zu werden.