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Stadt Offenbach

Mit Scout auf neuen Wegen: Projekt gegen Schulabbruch zeigt erste Erfolge

Ausnahmsweise die Schule zu schwänzen, ist eine Sache – sich deren Anforderungen und Lerninhalten komplett zu entziehen, hat eine andere Tragweite. An diese Schulverweigerer, die für die Lehrstätten nicht mehr erreichbar sind, richtet sich das Projekt Scout.

Ziel ist es, den Jugendlichen eine erfolgreiche Rückkehr in die Schule zu ermöglichen - indem sie eine Zeitlang nicht mehr in ihre Klassen gehen, sondern von Mitarbeitern des Offenbacher Jugendamts betreut werden. Das Projekt im Rahmen des Modellprogramms „Jugend stärken: Aktiv in der Region“ zeigt nun erste Erfolge, sodass es 2014 fortgeführt und erweitert wird.

Mit Scout geht Offenbach neue und ungewöhnliche Wege: Wir nutzen die Ressourcen bei Jugendamt und Schulen, um Jugendlichen mit schweren schulischen Misserfolgen zu helfen und ihrem Schulabbruch vorzubeugen“, sagt Bürgermeister Peter Schneider.

Das Projekt startete im März 2013 mit zehn Schülerinnen und Schülern des 7. und 8. Jahrgangs an der Bach- und der Ernst-Reuter-Schule. „Diese Jugendlichen, die aus dem System zu fallen drohten, wurden für einige Monate von zwei Mitarbeitern der Fachstelle Jugendhilfe-Schule des Jugendamtes im Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum Sandgasse beschult“, berichtet Roberto Priore, der Projektverantwortliche dieser Fachstelle. Unterstützt wurden sie von Kollegen der Medien-Etage und des Jugendkulturbüros. „Außerdem gibt es einen ganz engen Kontakt zu der Schule, zu Lehren und Eltern.“

Dass Heranwachsende ihrer Schulpflicht in einer offenen Kinder- und Jugendeinrichtung nachgehen, sei „weit über Offenbach hinaus einmalig“, meint Patrick Probst, Leiter des KJK Sandgasse. Letztlich bleibe alles Lernen ein Angebot, das aber in der Regel im KJK genutzt werde. Denn mit Scout erleben die Jugendlichen ein alternatives pädagogisches Umfeld, als Gegenerfahrung zur aktuellen, mitunter völlig eingefahrenen Schulsituation. Oft kommen sie nachmittags oder abends freiwillig wieder, um die Projektmitarbeiter zu treffen.

Alternative pädagogische Angebote und Gespräche schaffen Vertrauensbasis

In unterschiedlichsten Angeboten, von Musik und Medienarbeit bis hin zu Sport und Tierpflege, lernen die 14- bis 15-Jährigen an Aufgaben „dran zu bleiben“. Sie setzen sich mit sich selbst auseinander, sie fassen Vertrauen, sie beginnen Beziehungen aufzubauen. „Und sie merken: Ich kann ja doch etwas lernen“, resümiert Sabine Henning, Schulleiterin der Ernst-Reuter-Schule. Von den vier Jugendlichen der ERS, die sich am Projekt beteiligten, kehrten zwei zum Schuljahr 2013/14 wieder zurück. Das klingt wenig, doch profitieren nicht nur sie selbst von der positiven Entwicklung: „Denn wenn sich Einzelne total verweigern, wirkt sich das auf die gesamte Klasse aus, es beeinträchtigt andere Schüler und die Lehrer“, weiß Sabine Henning.

Bis Jugendliche an diesen Punkt kommen, muss schon einiges passieren, berichtet Projektmitarbeiter Frank Wiehe: „Alle haben massive, ganz persönliche Probleme – daher funktionieren Gruppenangebote für sie auch nur bedingt.“ Zunächst gelte es, durch Gespräche eine Vertrauensbasis zu schaffen, dann könne man neue Anregungen auf verschiedenen Ebenen geben. An ihren intellektuellen Fähigkeiten scheiterten die Betroffenen in aller Regel nicht.

Nach circa zweieinhalb Monaten Projektlaufzeit (abzüglich der Ferien) sind nun drei der zehn Teilnehmer an ihre Schulen zurückgekehrt. „Für diese kurze Dauer ist das eine hohe Quote“, freut sich Priore. Und so wird das bis Ende 2013 mit Drittmitteln aus der Initiative „Jugend stärken: Aktiv in der Region“ finanzierte Projekt Scout auch im kommenden Jahr fortgeführt, dann mit kommunalen Mitteln. Als Bestandteil des Konzepts „Jugendhilfe an Schulen“ steht das Angebot den Schülerinnen und Schülern aller sechs Haupt- und Realschulen sowie den Gesamtschulen offen.

Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, da sind sich alle Beteiligten einig. „Aber wenn die Jugendlichen wieder das Gefühl bekommen, jemandem wichtig zu sein, ist schon viel erreicht“, so Bürgermeister Schneider.

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