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Stadt Offenbach

Sozialbericht 2020: Situation des Leistungsbezugs unter dem Vorzeichen der Corona-Pandemie

27.12.2021

Wie geht es den Menschen? Was können sie sich leisten, wieviel Geld steht ihnen zur Verfügung und welche Möglichkeiten haben junge Menschen? Der Sozialbericht gibt einige Antworten.

Das Sozialamt hat den Sozialbericht 2020 für die Stadt Offenbach vorgelegt. Er enthält Informationen und Daten aus dem Jahr 2020 und den vergangenen zehn Jahren zur Arbeitslosigkeit, zur Beschäftigung und insbesondere zu der Situation in den sozialen Sicherungssystemen nach den Sozialgesetzbüchern (SGB) II (Grundsicherung für Arbeitssuchende) und XII (Sozialhilfe). Auch Daten zu den Leistungsberechtigten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz werden im Bericht dargestellt. Besondere Themenschwerpunkte sind des Weiteren die Leistungen für Bildung und Teilhabe, die Armut unter Kindern und Jugendlichen sowie die Wohnungslosigkeit.

Sozialdezernent Martin Wilhelm fasst die Ergebnisse des Sozialberichts folgendermaßen zusammen: „Insgesamt zeigt der Sozialbericht eine Entwicklung der sozialen Lage in Offenbach, die aktuell und auch in naher Zukunft eine hohe Aufmerksamkeit erfordert. Die Corona-Pandemie hat bis heute deutlich ihre Spuren in der Wirtschaft und Gesellschaft hinterlassen. Wie sich dies auf die sozialen Sicherungssysteme auswirken wird, lässt sich nicht abschließend beurteilen. Im Rückblick auf das Jahr 2020 und im Vergleich zu den davorliegenden Jahren steht fest, dass es beispielsweise nach den rückläufigen Zahlen bei den Leistungsberechtigten im SGB II in den zurückliegenden Jahren erstmals im Jahr 2020 wieder einen Anstieg gab. Und dies gibt Anlass zur Sorge, vor allem, weil unsere Stadt einen im Vergleich zu anderen hessischen Regionen besonders hohen Problemdruck bei Arbeitslosigkeit und Armut aufweist.“

Ende des Jahres 2020 lebten in Offenbach 140.496 Menschen mit Hauptwohnsitz. Das waren 0,5 Prozent mehr als am Vorjahresende. Der Anteil der Nichtdeutschen stieg hierbei weiter und erreichte 39,6 Prozent. Ein hoher Anteil ist deshalb von Bedeutung, weil Nichtdeutsche auf dem Arbeitsmarkt nachweislich häufig schlechtere Chancen haben als die deutsche Erwerbsbevölkerung.

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung am Wohnort Offenbach sank von Juni 2019 bis Juni 2020 um 0,5 Prozent auf 54.805 Personen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen von Dezember 2019 bis Dezember 2020 von 6.041 auf 7.792. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 8,2 auf 10,3 Prozent.

Im Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) kam es in Offenbach erstmals seit Jahren zu einem Anstieg der Zahl der Bedarfsgemeinschaften und deren leistungsberechtigten Personen von Dezember 2019 bis Dezember 2020. So gab es Ende des Jahres 2020 7.160 Bedarfsgemeinschaften mit 15.310 leistungsberechtigten Personen (nach 6.914 Bedarfsgemeinschaften mit 15.209 Leistungsberechtigten im Dezember 2019). Der Anstieg fußt allein auf einem Anstieg bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (von 10.130 auf 10.523 Personen). Die Zahl der Nichterwerbsfähigen in den Bedarfsgemeinschaften (in der Regel Kinder unter 15 Jahren) sank hingegen ein weiteres Jahr in Folge (von 4.973 auf 4.704 Personen).

Mit plus 3,6 Prozent (Bedarfsgemeinschaften) bzw. plus 0,6 Prozent (alle Personen in Bedarfsgemeinschaften) blieb der Anstieg jedoch im Vergleich zu den meisten hessischen Großstädten und umliegenden Landkreisen moderat (vgl. Abbildung im Downloadbereich).

Die SGB-II-Quote (Anteil aller Leistungsberechtigten im SGB II an der Bevölkerung unter 65 Jahren) lag in Offenbach mit 13,0 Prozent geringfügig höher als im Vorjahr (12,9 Prozent). Die durchschnittliche SGB-II-Quote unter der nichtdeutschen Erwerbsbevölkerung war mit 15,1 Prozent deutlich höher als diejenige der deutschen Erwerbsbevölkerung (11,5 Prozent).

Die Zahl von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren (darunter auch erwerbsfähige) in SGB-II-Bedarfsgemeinschaften ist ein weiteres Jahr in Folge – trotz Wachstums dieser Altersgruppe in der Bevölkerung – gesunken. Im Dezember 2020 waren es 5.581 Personen (gegenüber 5.855 im Dezember 2019), ein Rückgang um 4,7 Prozent. Die SGB-II-Quote dieser Altersgruppe (Anteil der Kinder unter 18 Jahren im SGB II an der entsprechenden Altersgruppe in der Bevölkerung) sank im Dezember 2020 auf 22,6 Prozent. Damit setzte sich der langjährige Rückgang fort (im Dezember 2014 war noch jedes dritte Kind dieser Altersgruppe im SGB-II-Bezug).

Der Anteil von Personen, die Leistungen aus dem SGB II erhielten, weil ihr Arbeitslosengeld I nicht für den Lebensunterhalt reichte („Aufstocker“), stieg binnen eines Jahres bis zum Dezember 2020 um 75,2 Prozent auf 494 Personen. Der Anteil von leistungsberechtigten Personen im SGB II, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen („Ergänzer“), sank hingegen im gleichen Zeitraum um 13,3 Prozent auf 2.459 Personen. Dies entsprach einem Anteil an allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten von 23,4 Prozent.

Eine Betrachtung der Entwicklung auf der Ebene der statistischen Bezirke zeigt, dass die SGB-II-Quote weiterhin besonders in der Innenstadt, dort in den Bezirken Mathildenschule, Wilhelmschule und Hochschule für Gestaltung, mit bis zu 18,6 Prozent überdurchschnittlich hoch war.

Im Bereich des Sozialgesetzbuches XII, das neben der Sozialhilfe vor allem die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit abdeckt, sank die Zahl der Leistungsberechtigten außerhalb von Einrichtungen im Dezember 2020 gegenüber dem Vorjahresende. Dies ist auf den statistischen Effekt zurückzuführen, dass die Leistungsberechtigten nach dem ehemaligen Kapitel 6 SGB XII (Eingliederungshilfe für behinderte Menschen) nicht mehr mitgezählt werden. Dieser Bereich wurde mit dem Bundesteilhabegesetz in das Sozialgesetzbuch Neuntes Buch übergeführt.

Zum Jahresende 2020 waren im Leistungsbereich des SGB XII 3.823 Personen in 3.500 Bedarfsgemeinschaften. Rund 90 Prozent der Personen erhielten nach Kap. 4 SGB XII Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Einen Anstieg bei der Zahl der Leistungsberechtigten gab es vor allem im Leistungsbereich der Grundsicherung wegen Erwerbsminderung (plus 23,2 Prozent), bei den Hilfen zum Lebensunterhalt (Kap. 3 SGB XII, plus 9,0 Prozent) und bei der Pflege innerhalb von Einrichtungen (Kap. 7 SGB XII, plus 10,9 Prozent).

Bei den Leistungen für Bildung und Teilhabe fand in fast allen Transfersystemen im Jahr 2020 eine zum Teil deutlich geringere Inanspruchnahme statt als im Vorjahr. Im Jahr 2020 nahmen 10.560 Personen mindestens eine Leistung für Bildung und Teilhabe in Anspruch (2019: 12.215 Personen). Gründe für den Rückgang waren unter anderem eine weitere Abnahme der Zahl der hauptsächlich nichterwerbfähigen Leistungsberechtigten im SGB II sowie die Folgen der Pandemie, die in weiten Bereichen zu einer vollständigen Einschränkung des Angebots führten.

Bei der Wohnungs- und Obdachlosigkeit haben sich gegenüber dem Vorjahr die Unterkunftszahlen bei allen Unterkunftsarten in der Summe verringert. Bei der Zentralen Vermittlung von Unterkünften, über die die meisten Notfallübernachtungen vermittelt werden, sank die Zahl der vermittelten Übernachtungen im Jahr 2020 um 4,3 Prozent auf knapp 193 Tausend; im Monatsdurchschnitt waren es 525 Leistungsberechtigte aus den Leistungsbereichen des SGB II, SGB XII und dem AsylbLG.

Der aktuelle Sozialbericht steht im Downloadbereich zur Verfügung und unter: 

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