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Stadt Offenbach

Experiment Druck. Moderne und zeitgenössische Druckgrafik

14.06.2022

Peter Heckwolf, Herbariusum

Seit 15. Juni  zeigt das Klingspor Museum die Ausstellung „Experiment Druck. Moderne und zeitgenössische Druckgrafik“. Bis 4. September lässt sich zu den Öffnungszeiten des Museums in die Welt des Druckens eintauchen, begleitend zur Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm mit Workshops und im Juli sogar ein Druckfestival. 

Dass Drucken mehr ist als eine Technik der Informationsvermittlung von Texten und Bildern, belegt die Sammlung des Klingspor Museums eindrücklich. Das Museum ist in der Stadt des innovativen Druckens beheimatet. Von hier aus bahnte sich die Lithografie Ende des 18. Jahrhunderts den Weg in die Welt und machte Offenbach zur Wiege der modernen Druckverfahren. Mit der Schriftgießerei der Gebr. Klingspor florierte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein weltweit angesehener Betrieb in Offenbach, der sich um die Neugestaltung der Schrift verdient machte. Die Erzeugnisse der dazugehörigen Hausdruckerei bilden den Kern einer Sammlung an Druckgrafik und Buchkunst im Klingspor Museum, die die Geschichte des künstlerischen Druckens im 20. Jahrhundert, wie kaum eine andere Sammlung, abbildet. 

Die künstlerischen Möglichkeiten, die druckgraphische Verfahren bieten, sind äußerst vielfältig. Zahlreiche Künstler haben die Möglichkeiten technischer Druckverfahren ab dem vergangenen Jahrhundert bis zur Gegenwart für ihre individuellen Ausdrucksmöglichkeiten ausgelotet und das Experiment an Stelle technischer Akkuratesse gesetzt. Die Ausstellung „Experiment Druck“ zeigt eine große Bandbreite von experimentellen Drucken. Antoni Tapies druckte Lithografien mit Sand in der Tusche, um so besondere Strukturen zu erzeugen. Pablo Picasso schuf zarte Lithographien zu einem Text von Tristan Tzara, bei denen er die Farbe teils mit den Fingern auf den Lithostein auftrug. Der niederländische Drucker H.N. Werkman betrieb eine kommerzielle Druckerei, nach deren wirtschaftlichen Niedergang widmete er sich dem Experiment und wurde zu einem wichtigen Avantgardekünstler der 20er Jahre. Neben Walzen- und Schablonendrucken druckte er das gesamte Inventar seiner Werkstatt ab, inklusive Türrahmen. Die Mainzer Künstlerin Sandra Heinz fertigt Drucke von Kleidungsstücken und die Leipziger Druckgrafikern Christina Wildgrube druckt Landschaften mit Linien- und Schmuckmaterial im Bleisatz. Ein Meister des zeitgenössischen Naturselbstdrucks ist Peter Heckwolf. Er hat das Druckverfahren perfektioniert und zeigt, dass sich jedes Material, ob starr oder hauchfein, dafür eignet. Seine Walzendrucke zeigen zarteste Details von Blüten und Blättern. Sogar Spinnennetze dienen ihm als Druckform. Experiment und Prozess stehen im Vordergrund zahlreicher zeitgenössischer Positionen zum Drucken, die in einer Ausstellung zum eigenen Experiment inspirieren. 

Antoni Tàpies, „La clau del foc“

Zur Ausstellung „Experiment Druck. Moderne und zeitgenössische Druckgrafik“ gibt es ein Rahmenprogramm in der Druckwerkstatt im Bernardbau und im öffentlichen Raum, das zahlreiche Möglichkeiten zum eigenen Ausdruck im Experiment Drucken bietet. Auch in der Ausstellung kann an drei Arbeitstischen fortwährend gedruckt und experimentiert werden. 

Im Lesesaal sind experimentelle Drucke ganz eigener Art zu sehen: So sind Arbeiten aus dem langjährig am Klingspor Museum etablierten Workshop „Experimentelle Druckwerkstatt“ mit Corinna Krebber zu sehen, der im Frühjahr 2020 coronabedingt nicht mehr stattfinden konnte. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelten daraufhin ein eigenes Format der Zusammenarbeit und schickten sich gegenseitig angefangene Arbeiten zum Weiterbearbeiten zu. Die so entstandenen Werke sind unter dem Titel „Ansteckend. Stille Post – grafisch erzählt“ während der Öffnungszeiten des Lesesaals und auf Anfrage zu sehen.

Außerdem findet vom 8. bis 10. Juli das 1. Druckfestival Offenbach „Hot Printing“ in und um das Museum statt, bei dem Künstlerinnen, Künstler, Druckerinnen, Drucker und kleine Werkstätten ihre Arbeiten präsentieren und Werke zum Verkauf anbieten. Das Festival wird begleitet von Druckvorführungen, Lesungen und Workshops, außerdem gibt es Musik und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. 

Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten des Museums dienstags, donnerstags und freitags von 13 bis 18 Uhr, mittwochs von 14 bis 19 Uhr sowie an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen zwischen 11 und 18 Uhr besucht werden.

 

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