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Stadt Offenbach

Kunststipendien beim Kultur-Neujahrsempfang verliehen

19.01.2026

Severine Henriette Meier ist an der Loire geboren und hat in Gent und Offenbach studiert. Für ihre Arbeit „I don’t care“ erhielt sie jetzt das mit 8.000 Euro dotierte Hauptstipendium. 
Eyi Kim stammt aus Südkorea, hat in Berlin und Offenbach Malerei studiert und erhält für ihr Projekt „Residual Walls“ das mit 4.000 Euro dotierte Förderstipendium

Zwei junge Offenbacher Künstlerinnen sind Trägerinnen des nagelneuen Kunststipendiums „Soul OF Art“. 2025 hat die Stadt Offenbach die beiden Stipendien erstmals ausgeschrieben, um die lokale städtische Kunstszene zu fördern und zu würdigen. Beim diesjährigen Kultur-Neujahrsempfang hat Oberbürgermeister und Kulturdezernent Dr. Felix Schwenke die Trägerinnen der beiden Stipendien ausgezeichnet. Die Genres werden jährlich wechseln; für die Premieren-Auflage wurde die Malerei gewählt. Aus knapp 50 Bewerberinnen und Bewerbern haben sich dabei zwei junge Frauen durchgesetzt. Eyi Kim erhält für ihr Projekt „Residual Walls“ das mit 4.000 Euro dotierte Förderstipendium, Severine Henriette Meier für „I don’t care“ das mit 8.000 Euro dotierte Hauptstipendium. 

Dr. Felix Schwenke gratuliert den beiden Stipendiatinnen: „Die ‚Soul OF Art‘-Stipendien sollen ein klares Signal in die Offenbacher Kunstszene senden. Wir können nicht für alle etwas tun – aber wir wollen etwas tun, das prinzipiell jedem zugutekommen könnte. Deshalb ist ‚Soul OF Art‘ mit wirklich substanziellen Förderungen aufgesetzt worden.“ Mit den beiden ersten Stipendiatinnen zeichne man „zwei außergewöhnlich talentierte Künstlerinnen aus, die sich zeitgemäß und engagiert mit unserer Lebenswelt einerseits und Perspektiven aussagekräftiger Kunst andererseits auseinandersetzen. Dabei betont der Kulturdezernent, für wie relevant er die Kreativszene für den Stadtorganismus Offenbach sieht: „Offenbach lebt von Menschen, die hier kreativ arbeiten und neue Perspektiven einbringen, und ist für viele Künstlerinnen und Künstler der richtige Ort – zum Studieren, für den Start in ein künstlerisches Berufsleben und immer wieder auch zum Bleiben.“ Die große Zahl an Bewerbungen zeige, wie lebendig und attraktiv die Offenbacher Kunstszene sei: „Die Stadt will diese Szene nicht nur fördern, sondern sichtbar würdigen. Dazu leistet das Stipendium einen wichtigen Beitrag.“

Severine Henriette Meier ist an der Loire geboren und hat in Gent und Offenbach studiert. Ihr Studium der Freien Kunst schloss sie 2022 mit einem Diplom an der Hochschule für Gestaltung Offenbach ab. Meier hat ihre Werke bislang in zwei Einzelausstellungen in Frankfurt und Offenbach sowie in Gruppenausstellungen unter anderem in Berlin, Köln, Kiel und Hamburg gezeigt. 2025 erhielt sie den Preis der Künstlerhilfe Frankfurt; außerdem war sie für den Eb-Dietzsch-Kunstpreis für Malerei, den Förderpreis des Bodenseekreises und den Bundespreis für Kunststudierende nominiert. Die Jury begründet die Auszeichnung Severine Henriette Meiers mit der hohen zeitgenössischen Relevanz ihrer Malerei. Ihre Arbeiten greifen vertraute Bildformeln auf, ohne diese zu reproduzieren, und überführen sie in eine eigenständige, zeitgenössische Bildsprache. Neben dem menschlichen Mund treten einzelne Objekte und Gesten als prägnante Bildzeichen auf. Beispielsweise eine hinter dem Rücken verborgene Schere in geballter Faust oder spitz manikürte Fingernägel, die Muttermilch aus der Brust pressen, verweisen auf weiblich konnotierte Care-Arbeit. Der Titel „I don’t care“ stehe dabei eben gerade nicht für Gleichgültigkeit, sondern für die bewusste Verweigerung normativer Zuschreibungen von Care, Körper und Arbeit. In der Weiterentwicklung dieser Position sieht die Jury ein starkes Potenzial zur Stärkung junger aufstrebender Malerei.

Eyi Kim stammt aus Südkorea, hat in Berlin und Offenbach Malerei studiert und ihr Studium 2024 mit einem Diplom an der Hochschule für Gestaltung Offenbach abgeschlossen. Ihre Arbeiten wurden bereits in Hamburg, Paris, Frankfurt, Berlin und Karlsruhe ausgestellt. Kims Projekt „Residual Walls“ setzt sich künstlerisch mit freigelegten Außenfassaden im Stadtbild auseinander. Ihre Malerei bewegt sich auf einem vielseitigen Spektrum. Sie fußt zum einen auf gegenständlichen Alltagsbeobachtungen, arbeitet aber gleichzeitig mit Herangehensweisen, die experimentell sind und durchaus auch ins Abstrakte reichen. Die Jury schätzte an dieser Kombination besonders, dass bei all diesen Aspekten der Ansatz doch stets eben der von Malerei sei. „Frau Kim überzeugt durch ihre besondere Sensibilität für Licht- und Farbstimmungen wie auch die wechselnde Haptik von Oberflächen, etwa in der Wiedergabe von metallischen Eigenschaften oder menschlicher Haut.“

Bis zum 30. November konnten sich professionelle Künstlerinnen und Künstler aus der Sparte „Malerei“ um die Stipendien bewerben. Die eingegangenen Bewerbungen wurden von einer kompetent besetzten Jury beurteilt: Dr. Dorothee Ader (Klingspor Museum), Katja M. Schneider (Haus der Stadtgeschichte), Dr. Ellen Wagner (HfG) sowie aus den Kunstvereinen Nandu Kriesche (BOK), Aileen Treusch (Mañana Bold), Ingrid Walter (Kunst Ort Rumpenheim) und Prof. Bruno Paulot (Kunstverein). Das Hauptstipendium ist für bereits am Markt etablierte Kunstschaffende gedacht. Das Nachwuchsstipendium wendet sich an Kunstschaffende, die unter 30 oder noch weniger als fünf Jahre professionell aktiv sind. 

In der zweiten Jahreshälfte 2026 wird die Ausschreibung der zweiten Förderrunde erfolgen.

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