Places of Democracy - Orte der Demokratie
Kunstwerke an Orten der Demokratie in Offenbach,
Ein World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 Projekt des Klingspor Museums und des Hauses der Stadtgeschichte.
Eröffnungsrundgang: 28. Mai,18 Uhr, Treffpunkt: Haus der Stadtgeschichte
Auf dieser Seite
- Das Projekt
- Die Kunstwerke
- Das Bürgerbüro als Ort der Demokratie
- Der Mathildenplatz als Ort der Demokratie
- Das Freiwilligenzentrum als Ort der Demokratie
- Die Zukunftsorte in Offenbach als Orte der Demokratie
- Der Bolzplatz als Ort der Demokratie
- Das Projekt mit der Rudolf-Koch-Schule
- SPEAK UP – Demokratie auf Rädern
- Das Veranstaltungsprogramm
- Der Eröffnungsrundgang
- Familienworkshop auf dem Mathildenplatz ACHTUNG GEÄNDERTE ZEITEN
- Stadtwalks
- Das Frauenbüro als Ort der Demokratie
- EngagierBar
- Demokratie und Wirtschaft
- Design und Demokratie – Finissage Places of democracy
- Die Förderer
Das Projekt
Ein Projekt des WDC 2026, gefördert durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
»Places of democracy« möchte Orten der Demokratie in Offenbach durch ein Kunstwerk Sichtbarkeit verleihen. Die Orte wurden durch einen Open Call an die Bürger*innen Offenbachs im Jahr 2025 ermittelt. Im zweiten Schritt bewarben sich Kunstschaffende in Tandems aus Künstler*in und Gestalter*in mit einem künstlerischen Projektvorschlag zum Thema Demokratie.
Orte und Kunstwerke wurden kuratiert, auf Umsetzbarkeit geprüft und schließlich war es soweit. Die Kunstwerke wurde installiert oder entstanden partizipativ mit Bürgerinnen und Bürgern.
Stadtwalks, Workshops und vertiefende Veranstaltungen rahmen das Projekt.
Gefördert durch: World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (Öffnet in einem neuen Tab), Sparkassen Kulturstiftung Offenbach (Öffnet in einem neuen Tab), Demokratie Leben (Öffnet in einem neuen Tab), Agentur Mitte Offenbach (Öffnet in einem neuen Tab)
Kooperationspartner: Rudolf-Koch Schule (Öffnet in einem neuen Tab), Stadtteilbüro Mathildenviertel (Öffnet in einem neuen Tab), Freiwilligenzentrum Offenbach (Öffnet in einem neuen Tab), Bürgerbüro Offenbach, HFG (Öffnet in einem neuen Tab), IHK (Öffnet in einem neuen Tab), Frauenbüro Offenbach (Öffnet in einem neuen Tab), Lernwerkstatt Offenbach (Öffnet in einem neuen Tab)
Die Kunstwerke
Verschiedene Kunstwerke sind im öffentliche und halböffentlichen Raum entstanden, um die Orte der Demokratie sichtbar zu machen. Genauere Infos zu den Orten und Arbeiten findet ihr in den folgenden Kapiteln.
Zusätzlich zu den physischen Kunstwerken ist digitale Kunst in Wort und Bild entstanden. Die Literatin und Fotokünstlerin Ingrid Walter, die Lyrikerin Katharina Eismann und die Grafik-Designerinnen Petra Baumgardt und Susanne Mantz haben "Wortbilder" geschaffen, bei denen Lyrik und Grafik zusammenkommen und Orte künstlerisch und literarisch visualisieren.
Das Bürgerbüro als Ort der Demokratie
Das Bürgerbüro in Offenbach ist ein Ort, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger früher oder später kommen müssen. Hier treffen Institution und Menschen aufeinander, hier kann alltäglicher demokratischer Umgang entstehen. Als Ort der Kommunalwahlen 2026 war es Anfang März besonders wichtig im demokratischen System der Stadt. Deswegen bot es den perfekten Raum für ein partizipatives Kunstprojekt.
Fahne für Gleichstellung Ein Plädoyer für den Zusammenhalt!
Keine Demokratie ohne Beteiligung. Experimentelle Druckkunst-Aktion im Bürgerbüro Offenbach.
Unter dem Motto ‚Wo erlebst du Demokratie?‘ haben die Designerin Annette Kolibar (Öffnet in einem neuen Tab) und die Aktionskünstlerin Sanja Zivo (Öffnet in einem neuen Tab) eine besondere Mitmachaktion initiiert, bei der Bürgerinnen und Bürger mithilfe von speziellen Schuh-Buchstabenschablonen bunte Wörter, grafische Muster und malerische Strukturen auf einem großformatigen Stoffbanner hinterlassen haben. Die Aktion versteht sich als Plädoyer für Ganzheitlichkeit und eine lebendige Demokratie. „Kein Abdruck ohne Gegendruck. Keine Demokratie ohne Teilhabe, so der Grundgedanke des Projekts.
Das entstandene Gemeinschaftswerk bleibt als dauerhaftes und sichtbares Zeichen für Miteinander und Vielfalt im öffentlichen Raum Offenbachs präsent.
Ergänzend zur Banner-Aktion sind persönliche Botschaften für die Demokratie in Form von Scribble-Porträtzeichnungen entstanden, die aktuell im Bürgerbüro zu sehen sind. Diese können nach dieser Kunstaktion von Teilnehmenden mitgenommen werden. Damit ist die abstrakte Idee der Demokratie durch die Gesichter und Stimmen der Offenbacher greifbar gemacht worden.
Das Wortbild zum Bürgerbüro
Die Stadt in der Tasche:
Bürgerbüro
mit tausend Fächern
über den Dächern
von Offenbach.
Dieser Bau,
zäh wie Leder von Goldpfeil,
trägt Geschichten in sich.
Die Bürokratie
wird leichter,
seit sie einzog
in diesen Bau
an der Kaiserpassage.
Hier scannen sich Bürger,
verorten sich
mit Adresse und Namen,
woher auch immer sie kamen.
Ich selbst hatte mein Büro
in der fünften Etage:
Wörter zur Miete.
Neben Anwälten, Steuerbüros
wuchsen die Texte
zur Tür hinaus.
Erst als mein Pass ablief,
nach der Pandemie,
kam ich zurück,
hinterließ meinen Fingerabdruck,
wie alle anderen,
die Offenbach werden wollen.
Manche sagen,
sie sollen draußen bleiben.
Ich bekam eine neue Meldeadresse
und war wieder Bürgerin.
Der Mathildenplatz als Ort der Demokratie
Der Mathildenplatz ist ein Ort der Begegnung und des Miteinanders. Er ist das Herz des Mathildenviertels und auch der Standort des Stadtteilbüros Mathildenviertel (Öffnet in einem neuen Tab). Durch seine Offenheit und Unterstützung gegenüber allen steht das Stadtteilbüro für aktiv gelebte Willkommenskultur. Das Team hilft Bewohnenden des Viertels in vielen alltäglichen Fragen weiter und bietet Raum für Miteinander, Sport und Kultur. Zudem organisiert es den Runden Tisch Innenstadt, der versucht möglichst viel Mitbestimmung bei Planung und Entwicklung im Stadtteil möglich zu machen.
Durch Tore gehen - zum Neuen werden
Das Kunstprojekt der Künstlerin Judith Ritter (Öffnet in einem neuen Tab) und der Gestalterin Paula Schulenburg (Öffnet in einem neuen Tab) setzt einen Schleier aus Durchgängen in Wege und Blickachsen. Kleine und große, schmale und breite. Sie strukturieren Räume und Erfahrungen. Das Tor steht als zentrales Bild für Übergänge und Wandlung. Es markiert keinen bloßen Durchgang, sondern einen Moment der Entschiedenheit und fordert die Bereitschaft, das Vertraute hinter sich zu lassen. Zugleich ist es Abschluss und Anfang – Ende einer Entwicklung und Zugang zu einer neuen Reifeebene. Es spricht nicht nur den Blick, sondern den Körper an und verlangt Bewegung statt bloßer Beobachtung.
Demokratisches Handeln ist mit solchen Übergängen verbunden. Es erfordert Positionierung, informierte Meinungsbildung und Verantwortung. Demokratie ist kein Zustand, sondern ein fortwährender Reifungsprozess – eine Aufforderung zu Mut, Aufrichtigkeit, Empathie und Zuversicht.
Denn jede Zukunft beginnt an einer Schwelle. Und jede Gemeinschaft wächst mit der Bereitschaft, sie gemeinsam zu überschreiten.
Das Wortbild zum Mathildenplatz
Hier wehen Geschichten über Pflastersteine,
von der Kirche im hellen Neobarock
ruft Annuntiata zum Abendgeläut
der Wein kommt aus Frankreich,
wie einst Glaubensflüchtige und
Gregori schleppt lächelnd Tische heran.
Über Regenbogenstreifen flitzen Kinder,
Altbauten drücken ein Auge zu,
eine Frau schließt klickend ihr Fahrrad ab.
Ein Mann telefoniert laut im Gehen.
Zwischen Steinen und Stimmen
liegt das Herz auf der Straße.
Auf langen Bänken rücken Nationen zusammen
plaudern, lachen und meckern bis spät in die Nacht
irgendwann sind hier alle aus Offenbach
Carola hat ein Lied mitgebracht
Gregori haut laut in die Tasten
auf Papas schwarzem Klavier.
Um Mitternacht erscheint der Geist
von Prinzessin Mathilde
Sie kam einst aus Bayern der Liebe wegen
wie so manch andere, die hier sitzt
spitzt sie die Lippen, Bänke kippen
leer bleibt heute kein Glas und kein Auge trocken.
Dienstags öffnet sich der Platz den Worten —
verorten sich Mikro und Mensch auf der Bühne,
vor dem klimtgelben Vorhang
leuchten Gedichte im Laternenlicht
Man spricht, man lauscht, man lacht,
bis Prinzessin Mathilde leise klatscht.
Mittwochs blättert sie in der Geschichtswerkstatt
wirbelt Staub auf,
bringt alte Zeiten ans Licht,
die man gerne links liegen lässt,
und schenkt ohne zu fragen
reinen Wein ein.
Das Freiwilligenzentrum als Ort der Demokratie
Demokratie entsteht durch Miteinander und Solidarität. Für diese Werte steht das Freiwilligenzentrum (Öffnet in einem neuen Tab) wie kaum eine andere Organisation in Offenbach. Es organisiert und vernetzt Menschen, die sich gesellschaftlich engagieren wollen mit Menschen, die Unterstützung benötigen. Unterschiedliche Projekte decken viele Bereiche des Alltags und der Freizeit ab. Integration- und Gesundheitslots*innen helfen die Probleme des Alltags zu bewältigen, Bildungsprojekte ermöglichen Freude am Lernen, viele andere Projekte geben die Möglichkeit des Zusammenseins, des Austausches und der selbstbestimmten Lebensgestaltung.
Mach Mit
Das Freiwilligenzentrum ist ein Ort des gemeinsamen Gestaltens, einander Helfen und der Unterstützung. Das zeigt sich auch in der Zusammenarbeit der Illustratorin Tatjana Prenzel und dem Typograf:innenduo turbotype von Laura Brunner und Leonie Martin.
Die Idee hinter dem Konzept der Arbeit ist angelehnt an das Leitmotiv „Mach mit“, das sich das Freiwilligenzentrum als Sinnspruch ihrer Arbeit für das Kunstwerk gewünscht hat.
So greifen die Typografie, die schablonenhaft gestaltet wurde, und die Elemente im Scherenschnitt ineinander. Zusätzlich sind auf jeder Platte handgezeichnete Schraffuren zu sehen. Sie verweisen auf das schnelle Skizzieren einer Idee beim gemeinsamen Arbeiten. Dabei beziehen sich alle Motive auf Gemeinschaft und das Zusammenleben in der Stadt.
Tatjana Prenzel, Leonie Martin und Laura Brunner
Das Wortbild zum Freiwilligenzentrum
Von der Magie der Begegnung
… kein Anruf, kein Besuch
ein Kleinbus hat eingeparkt
Wärme und Action gegen den Blues
Marie mit dem Märchenbuch
Vorlesen, davon krieg ich nie genug
Buchstaben verdreht, Kriggel Kraggel
quatschen, Quatsch machen
Mensch ärgere dich nicht …
bist du das auf dem Foto?
Na klar, mein erster Schultag!
Augen lachen
Erinnerung ist ein Schatz!
Wir sind viele, wir sind nett
begleiten dich zum Doc,
keine Angst, kein Schock …
ein Kanon aus zehn Sprachen
Termine, Aktionen, kunterbunte Ideen
bis in die Puppen ausgebrütet
in der Domstraße
mir ist so gemütlich mit dir!
steig ein, wir fliegen mit der Rikscha
durch den Blätterwald
Wiese außer Rand und Band
Begegnung ist nicht zu vertagen
dein Lachen, die Umarmung im Sturm
©Lyrik: Katharina Eismann (Öffnet in einem neuen Tab) · Design: Susanne Mantz (Öffnet in einem neuen Tab)
Die Zukunftsorte in Offenbach als Orte der Demokratie
Das Zukunftskonzept Innenstadt (Öffnet in einem neuen Tab) und seine Zukunftsprojekte in Offenbach als Orte der Demokratie
Offenbachs Innenstadt soll ein lebenswerter Ort werden und bleiben. Dafür braucht es Ideen und Mut zur Neugestaltung. Diesem Thema widmet sich die Agentur Mitte mit dem Zukunftskonzept Innenstadt. Mit Zukunftsprojekten, die an unterschiedlichen Zukunftsorten in der Innenstadt realisiert werden, entsteht Raum für Bildung, Raum für Austausch und Miteinander, Raum für Klimaschutz, Raum für Kunst und Raum für neue Ideen und Projekte. Neues darf mit geringen Barrieren ausprobiert werden.
Der Rathaus-Pavillon ist einer dieser Räume im Werden. Hier entsteht ein so genannter "Multispace", ein Ort an dem Gastronomie, Gewerbe und soziokulturelle Nutzung Hand in Hand gehen sollen. Möglichst viele unterschiedliche Menschen sollen hier zusammenkommen, sich austauschen, zusammen Essen und Trinken und Veranstaltungen besuchen.
Der Rathaus-Pavillon wird aktuell umfangreich saniert und ist dementsprechend eine Baustelle
Das Offenbach Relief
Auf dem Stadthof, der zentrale Platz vor dem Offenbacher Rathaus, entsteht direkt an der Baustelle des Rathaus-Pavillons ein interaktives Kunstwerk der Künstlerin Nadine Kolodziey (Öffnet in einem neuen Tab) und des Gestalters Manuel Tayarani (Öffnet in einem neuen Tab). Genau wie der zukünftige Pavillon bietet es Handlungsräume und Möglichkeiten, die sich durch die Nutzung durch verschiedene Akteur*innen verändern und neu zusammensetzen.
Ein offenes Ökosystem wird geschaffen, das durch Interaktion Bedeutung erzeugt. Materielle Module übernehmen die Rolle digitaler Parameter: Sie können verschoben, neu kombiniert und markiert werden. So wird ein analoges Interface für demokratische Aushandlung etabliert.
Die Arbeit versteht den Stadtraum als lernendes System, in dem historische Formen, zeitgenössische Gestaltung und soziale Praxis ineinandergreifen. Das Relief fungiert als physisches Gegenstück zu Kolodzieys und Tayaranis Interesse an mehr-als-menschlichen und verteilten Handlungsräumen: Entscheidungen entstehen nicht zentral, sondern durch viele Akteur*innen im Gebrauch des Werks.
Form und Gestaltung
Das Relief besteht aus 3D-gedruckten, monofarbenen bis neutralen Fliesen, die in einem modularen Stecksystemzusammengefügt werden. Jede Fliese trägt abstrahierte Motive, die auf vorhandene Figuren, Reliefs und plastische Elemente im Offenbacher Stadtraum Bezug nehmen.
Gestalterische Prinzipien:
• reduzierte Farbigkeit mit gezielten Highlights
• sichtbare Übergänge durch handgesprayte Farbfugen
• klar lesbare modulare Struktur
• Übersetzung historischer Formen in eine zeitgenössische visuelle Sprache
Die ursprünglichen Fugenfarben markieren frühere Anordnungen und bewahren so Spuren kollektiver Entscheidungen.
Inhaltlicher Bezug: Places of Democracy
Das Projekt verbindet:
• historische Referenzen im Stadtbild
• künstlerische Übersetzung
• soziale Nutzung des öffentlichen Raums
Das Relief fungiert als visuelle Kartografie demokratischer Orte — nicht durch Darstellung von Ereignissen, sondern durch die Form kollektiver Handlung selbst.
Das Wortbild zum Rathauspavillon
Beton Pavillon
am Platz der Deutschen Einheit,
hat viel gesehen,
seit ich Anfang der Siebziger
mein Erdbeereis schleckte
Venezia schon da,
mein Haar: zwei Mäuseschwänze.
Beton Pavillon
durchs Schlüsselloch geblickt:
mit Sicherheit denken manche noch
an den Polizeiladen.
Beton Pavillon
nach der Pandemie,
platzt ein Sommerfest herein
zur Freude der Nationen,
die ringsherum hier wohnen,
Falafel auf der weißen Tafel,
Trommelwirbel, Tanz
Lebensfeuer nachts entfacht.
Beton Pavillon
Polizeiläden braucht keiner mehr,
die sicherste Stadt im Land?
Offenbach, dir glaubt keiner
oder doch?
Beton Pavillon
wird laut mit Chor, Lesefest und
Puppenspiel
trotz heißem Asphalt,
warfen wir Töne und Wörter
gegen graue Wände,
bis alles nach draußen schallte.
Beton Pavillon
Offenbacher Einladung,
Dichter reichten sich das Mikro weiter,
lasen von Orten der Vielfalt
in dieser Stadt.
Der Platz der Deutschen Einheit
zwischen Humor und Unbehagen
rahmt Geschichte ein.
Beton Pavillon darf nun selbst
ein Ort der Vielfalt sein.
Das Grau
bleibt draußen.
Der Bolzplatz als Ort der Demokratie
Der Bolzplatz im d’Orville Park ist ein Ort der Demokratie, weil dort jedes Kind unabhängig von einem Verein Fußball spielen kann.
„Besonders findet hier aber das Projekt Bunte Kicker (Jumpers) statt, das sich an Kinder und Jugendliche untersch. Kulturen aus der Innenstadt richtet, die deutlich weniger Chancen haben als andere Kinder. Wir erleben, wie diese Kinder auf dem Bolzplatz Verantwortung üben, zu einem Team werden und als solches Entscheidungen treffen, fair bleiben und auch bei Niederlagen respektvoll mit dem Gegner umgehen. Das ist für mich gelebte Demokratie einer entscheidenden Generation für unser Land und Offenbach.
Zusätzlich erleben wir, wie die Kinder das auf andere Situationen übertragen und sich der Zusammenhalt verändert. Hier ein Bericht eines Grundschülers (9 Jahre) aus der Eichendorffschule, wie sich die AG Bunte Kicker (Jumpers) auf die Pausen und den Schulalltag auswirkt:
‚Seitdem es Bunte Kicker gibt, hat sich Fußballspielen in unserer Schule voll verändert. Wir sind freundlicher, respektvoller und fairer zueinander.‘“
Zitat von
Manuel Littau, Bunte Kicker / Jumpers
Wünschewesen für mehr Demokratie in Offenbach
„Demokratie ist mehr als nur ein schwieriges Wort das irgendwas mit Wahlen zu tun hat. Demokratie heißt, dass wir alle mitgestalten können.“ Das war das Motto im Ferienprogramm des Osterferienprogramms im Haus der Stadtgeschichte und im Klingspor Museum. In diesen Ferienspielen haben Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren spielerisch herausgefunden, was Demokratie bedeutet und Ideen entwickelt, wie sie Offenbach noch schöner machen können.
Was braucht Offenbach, dass sich die Menschen hier so wohl fühlen, dass sie offen ihre Meinung sagen können und das Zusammenleben in der Stadt mitgestalten wollen?
All das haben wir in Gesprächen, Rollenspielen und Bewegungseinheiten herausgearbeitet. Wichtige Informationen und Blickpunkte wurden in den selbst gebunden Skizzenheften festgehalten. Aus dieser Sammlung hat jedes Kind ein eigenes Wünschewesen für Offenbach entwickelt.
Zum Abschluss wurde ein Zug der Demokratie durch die Innenstadt Offenbachs veranstaltet, in dem die Kinder ihre Forderungen für ein besseres Offenbach vor dem Rathaus und dem Zukunftsort Station Mitte kundtun konnten.
Folgende Wünschewesen sind entstanden und am Bolzplatz im d’Orville Park auf Fotos zu sehen.
Schlange für Gleichgewicht
Superheld für Hilfsbereitschaft
Mülltonne für Ordnung, Sauberkeit & Umweltschutz: „Müll gehört in die Mülltonne!“
Drache für Wärme, Energie und Schutz
Ninja-Raupe reinigt die Meere und Flüsse
Wassertropfen wäscht Offenbach und mehr Sauberkeit
Wassertropfen für mehr Regen und Klimaschutz
Die Offen-Box für mehr Offenheit und Erzählen
Münder-Rad für Meinungsfreiheit und freies Sprechen
Blume der Mitbestimmung
Feuer & Flammen für mehr Liebe und weniger Streit
Qualle für Transparenz und Offenheit
SpongeBob Schwammkopf für gutes Essen für eine freundliche Atmosphäre
Falke für Sich-umeinander-kümmern
Wolf als Beschützer
Das drei-schwänzige Krokodil für Artenvielfalt
Der Gestalter Simon Malz (Öffnet in einem neuen Tab) hat die Ferienspiele fotografisch dokumentiert und die Bilder grafisch bearbeitet und für uns alle am Bolzplatz zugänglich gemacht.
Das Wortbild zum Bolzplatz
Fußballglück
der D’Orvillsche Bolzplatz
Gerassel und Gehupe
Stau auf der Mainstraße
in der Schulbank Gezappel
Blätter säuseln gelangweilt
unser Bolzplatz ist wie ausgestorben
wann ist wilde Kickzeit?
Nina Bambina döst im Gezwitscher
aus der Baumkrone hüpft ein Fußball
schon fliegt er über‘n Zaun
Mario hat ihn abgefangens
Vuk flankiert präzise, leider abseits
raunt der Himmel irritiert, es gießt
weiter, dribbeln, tropfnass
der ausgefuchste Marc
schießt wie der Blitz in die Lücke
Tor! Ratzfatz
die Waden befreit
ohne Schild ohne Verein
an der Naht zur Herrnstraße
Luftballonherzen steigen auf
Halbzeit
©Lyrik: Katharina Eisman (Öffnet in einem neuen Tab)n · Design: Susanne Mantz (Öffnet in einem neuen Tab)
Das Projekt mit der Rudolf-Koch-Schule
In einer Projektwoche zum Thema „Nachhaltigkeit“ im Herbst 2025 entdeckten Schüler*innen der 8c der Rudolf-Koch-Schule bekannte Orte der Demokratie in Offenbach.
Gemeinsam stellten wir uns die Frage: Was macht einen Ort der Demokratie für Jugendliche aus? Was braucht Offenbach eigentlich, dass Jugendliche sich hier wohlfühlen und teilhaben wollen am Stadtleben? Die Ergebnisse wurden in selbstgebundenen Skizzenbüchern gesammelt und nach einer Reflexion schließlich mit Modellbaupappe, bunten Papieren, Stoff, Filzstiften … zu Modellen für Offenbach gebaut.
Ein Naturgarten:
Ein „Safe Space“ für alle Menschen. Dort gibt es ein Lagerfeuer zum Reden. Außerdem spendet es Wärme für Erwachsene und Jugendliche. Der Teich dient zum Fischen. Das ist aber nur mit Angelschein erlaubt. Es gibt eine Naturtoilette sowie ein Zelt zum Spielen und Ausruhen.
Ein Familienhaus:
Hier gibt es viele Möbel und einen Park für Kinder mit Sandkasten. Zuhause soll ein demokratischer Ort für offene Gespräche und Bildung durch Fernsehen sein.
Ein Park für eine geschützte und freie Gesellschaft
Dies ist ein Park mit Pavillons, in dem die Besucher*innen Ruhe finden können. Senior*innen und Freund*innen können hier zusammenkommen. Kinder können Spiele mitbringen und miteinander spielen. Jung und Alt treffen sich und können spazieren gehen. Der See gehört zum Anglerverein. Im See darf nur mit Angelschein geangelt werden. Alle kümmern sich gemeinsam um den See und den Park. Der Park wird durch Steuern finanziert und ist somit für alle offen. Alle halten sich an die Regeln.
Ein Zentrum der Ideen für Jugendliche
Im Erdgeschoss gibt es eine kostenlose Cafeteria und Graffiti an den Wänden.
Im ersten Obergeschoss gibt es einen Aufenthaltsbereich mit Fernsehen, Snacks und Spielen. Hier wird gemeinsam entschieden, was geschaut wird. Die Dachterrasse ist eine Oase auf dem Dach. Sie bietet Ruhe zur Entspannung und zum Reden. Es sollen gute Gespräche entstehen.
Die Basis ist das gemeinsame Gestalten und die Freiwilligkeit dabei.
Tung-Tung-Hattan
Das ist ein Stadtviertel, in dem es zwei Döner-Läden gibt.
Die Leute können selbst wählen:
Wer mag chic essen?
Wer mag den Döner auf die Hand?
Eine Dönersorte ist teurer als die andere und finanziert die günstigere mit. Alle Einnahmen fließen in eine Kasse. Man kann unter vielen Menschen wählen, mit wem man Zeit verbringen möchte. Überall gibt es kostenlose Partys – sogar mit Whirlpool. Alle werden gleich behandelt. Egal, wie die Menschen aussehen, was oder wie jemand ist.
Ein Kinder- und Familienpark
In diesem Park gibt es Apfelbäume, einen Fußballplatz, einen Grillplatz, einen Whirlpool und einen Spielplatz. Außerdem werden Bänke und Tische zum Essen und Trinken sowie zum Verweilen bereitgestellt.
Es darf frei entschieden werden, was gemacht wird.
Jede Altersgruppe kann den Park nutzen. Es gibt kostenloses Essen. Es wird von der Stadt zur Verfügung gestellt.
Der Grillmeister wird gewählt und leitet und schlichtet Diskussionen. Er regelt auch, welche Gruppe, wann auf dem Fußballplatz spielen kann.
Durchführende Pädagoginnen:
Paula Schulenburg, Tatjana Prenzel, Monika Jäger, Astrid Jäger
SPEAK UP – Demokratie auf Rädern
Ein Projekt der Hochschule für Gestaltung, welches einen mobilen Ort der Demokratie geschaffen hat.
Ausgangspunkt von SPEAK UP ist Rainald Manthes These, dass der Demokratie zunehmend Orte abhandenkommen, an denen gesellschaftlicher Dialog stattfinden kann. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spannungen braucht es Räume, die Dialog und Meinungsvielfalt sichtbar machen. SPEAK UP bringt das Prinzip der offenen Rede dorthin, wo Dialog oft fehlt. Als mobile Speakers’ Corner schafft das Projekt eine niedrigschwellige Möglichkeit, öffentlich Position zu beziehen und zuzuhören. Es ist einfach handhabbar, lässt sich im Handumdrehen auf- und abbauen und ist dennoch stabil. SPEAK UP entstand im Rahmen des Seminars "Pro und Contra – Design als Debatte" im Sommersemster 2025 an der HfG Offenbach unter der Leitung von Prof. Dr. Tom Bieling. Team: Martin Maurer-Laube, Zachary Mentzos, Devin Can, Hannah Heruday, Simon Schmidt-Meinzer, Paul Berger, Mia Schreiber, Clara Maldener, Susanne Wieland.
Publikation: Maurer-Laube, David Martin, Zachary Mentzos, Tom Bieling (2026): SPEAK UP – Exploring Open Dialogue Spaces as Tools for Democratic Community Empowerment. in Tom Bieling, Wolfgang Jonas & Maria Cecilia Loschiavo dos Santos (Eds.) (2026): Community (&) Design: – Material, Spatial, and Social Encounters. Design Meanings. Milano: Mimesis International, pp. 232–233.
Video: SPEAK UP – Weil Demokratie Platz braucht
https://www.youtube.com/watch?v=N1jk2XdxTKw (Öffnet in einem neuen Tab)
Speak Up wird am Eröffnungsrundganges am 28. Mai in Aktion zu sehen sein.
Das Veranstaltungsprogramm
Der Eröffnungsrundgang
Donnerstag, 28. Mai, 18 Uhr
Treffpunkt: Haus der Stadtgeschichte
Familienworkshop auf dem Mathildenplatz ACHTUNG GEÄNDERTE ZEITEN
Samstag, 13. Juni, 16–18 Uhr
Wünsche für positiven Wandel
Im Workshop „Wünsche für Wandel“ gestalten wir gemeinsam das Schaufenster des Stadtteilbüros mit unseren Hoffnungen, Wünschen und Ideen zu positiven Veränderungen in der Demokratie. Wir erzählen uns Geschichten von Momenten, in denen wir Mut, Zuversicht und Entschlossenheit brauchten, um eine Schwelle zu überschreiten und Neues zu wagen – und auch Unterstützung, Zusammenhalt und Gemeinschaft erfahren konnten. Das Schaufenster ist mit Formen von Torbögen gestaltet, in die wir hinein zeichnen oder schreiben können. Tore stehen symbolisch für Schwellen des Wandels.
Stadtwalks
Donnerstag 23. Juli, 18 Uhr: Stadtwalk zu den Places of democracy, Treffpunkt: Haus der Stadtgeschichte
Freitag 28. August, 18 Uhr: Stadtwalk zu den Places of democracy, Treffpunkt: Klingspor Museum
Das Frauenbüro als Ort der Demokratie
3. September, 9.30 Uhr–14 Uhr
EngagierBar
Mittwoch,9. September,14–16 Uhr
Demokratie und Wirtschaft
Workshop für Auszubildende
IHK, Freitag, 23. Oktober, 12–16.30 Uhr
Design und Demokratie – Finissage Places of democracy
»Impulse und Diskussion«
Donnerstag, 29. Oktober, 18 Uhr
Prof. Dr. Tom Bieling und Studierende der Hochschule für Gestaltung
Erich-Martin-Saal, Haus der Stadtgeschichte