Die Ausstellung "Reanimating Cemeteries" bei den KUNSTANSICHTEN 2026
Am Sonntag wird "Reanimating Cemeteries" in einer größeren Ausstellung im Projektraum des B71 zu sehen sein.
Skulpturen aus Künstlerbeton, Wachs und Papier sind das Ergebnis bildhauerischer Weiterbearbeitungen von Grabsteinen auf Frankfurter Friedhöfen. Einige Plastiken beziehen sich auf das Relief der altgriechischen Göttin der Nacht „NYX“ auf dem Patenschaftsgrab von Lisa Niederreiter, das sie seit sieben Jahren pflegt. Die künstlerische Auseinandersetzung betrifft Bildprogramme des Trauerns im Kulturvergleich sowie wiederkehrende ikonische Figürlichkeiten – inspiriert von Aby Warburgs kunstgeschichtlichen Analysen der „Bildfahrzeuge“ und des „Mnemosyneatlas“. Lisa Niederreiter untersucht dabei die Transkulturalität ikonografischer Darstellungen, überblendet und verfremdet sie.
Die Arbeiten zum alten jüdischen Friedhof betreffen Spurensicherungen verlorenen Gedenkens und verlorener Erinnerung. Zeichen von Verwitterung, Moosbeläge, Flechten und Büschel von Pflanzensamen lagern sich in den hergestellten Bildkrusten der Denkmale ein, deren Formen faszinieren und befragt werden. Was bedeuten steinerne Nachbildungen von Amphoren, drapierten Tüchern sowie wiederkehrenden knospenden, blühenden und welkenden Blüten im Kontext von Trauer? Motive flüchtiger Augenblicke, wie ein zufälliger Faltenwurf, werden in Stein verewigt. Die bildhauerisch erzeugten Abdrücke und Abgüsse sind manipuliert, repariert und teils mit anderen Elementen versetzt; so erfahren sie eine Art Reanimierung.
Auf dem Patenschaftsgrab von Lisa Niederreiter ist zudem eine mittellose Künstlerkollegin bestattet, die für den „stillen Abtrag“ (anonyme Beisetzung) vorgesehen war. Die Grabstätte ist im weiteren Sinne auch als „Soziale Plastik“ zu verstehen.
Lisa Niederreiter
Schule und Studien der Kunsterziehung, Bildenden Kunst und Kunsttherapie in München und Salzburg Atelierarbeit mit AIDS Patient*innen, Psychiatrieerfahrenen und Drogengebraucher*innen; Dozentin für Kunst im Sozialen Kontext Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
2004 „roter Faden“ Kunstverein Ebersberg
2004 „Spuren und Zeichen“ (mit Sophie Calle), Kunstfoyer der bayer. Versicherungskammer München
2006 „Irre ist weiblich“, Museum Dr. Guislain Gent (Katalog)
2007 Forum 2007, Burg Vischering Lüdinghausen (Katalog)
2011 10 Jahre Museum Sammlung Prinzhorn. Künstler reagieren auf die Sammlung. Heidelberg (Katalog)
2011 „Inklusiv“: Galerie Schuster. Berlin (Katalog)
2011 „Gestrickt geklebt geknotet Textil und Art Brut“: Kunsthaus Kannen. Münster
2013 „Loss of control II“ Musée Félicien Rops. Namur Belgien (Katalog)
2014 „nackt“ Galerie Söffing Frankfurt
Künstlerische Arbeit im Bereich:
- Malerei/Grafik/Zeichnung
- Bildhauerei
Atelierhaus B71
Hinterhaus, EG
Bettinastr. 71
63067 Offenbach
Öffnungszeiten
Freitag, 29. Mai, 19 - 22 Uhr: Vernissage
Samstag, 30. Mai, 16 - 22 Uhr
Sonntag, 31. Mai, 13 - 19 Uhr