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Stadt Offenbach

Klingspor Museum

stellen bei den KUNSTANSICHTEN 2026 aus.

Die Ausstellung "Powerful Textures. Sprache in Textil‘ 09.05. – 16.08.2026" bei den KUNSTANSICHTEN 2026

Seit 73 Jahren sammelt das Klingspor Museum in Offenbach Buch- und Schriftkunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Mittlerweile ist eine Sammlung von ca. 85.000 Künstlerbüchern, Schriftproben, Kalligrafien, Plakaten, Comics und Schriftteppichen zusammengekommen, die Jahr um Jahr wächst. Gerade die Schriftteppiche bilden einen besonderen Bestand, wie er an kaum einem anderen Ort gesammelt wurde. Die aktuelle Ausstellung widmet sich diesen textilen Schriftarbeiten aus dem Bestand, ergänzt durch Tapisserien und anderen textilen Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler.

In der Textilgeschichte spielen Wandteppiche und textile Arbeiten im Raum häufig eine Rolle in der Vergewisserung von Werten und Identität. Umgeben zu sein von Worten, sich körperlich darin einzuhüllen, kann trösten, anleiten oder vergewissern, womit sich unterschiedliche Funktionen von textiler Schrift andeuten. Außerdem wird textile Arbeit häufig mit weiblicher Arbeit assoziiert, so dass Kunstwerke in Textil in der zeitgenössischen Kunst auch stark in aktivistischen und feministischen Kontexten vorkommen. Schrift in Textil bedeutet immer eine intensive Verbindung zwischen Material und Aussage, zwischen Körper und Raum und im Machen auch zwischen Körper und Geist.

Persönliche Geschichten verweben sich hier mit Politik und Gesellschaftskritik.

Auch ein Stück Offenbacher Geschichte konnte in den Vorbereitungen zur Ausstellung wieder ans Licht geholt werden. Ein großer Teil der Teppiche in der Museumssammlung wurde in der Gobelin-Werkstatt von Gret Mohrhardt und Ingeborg Richter hergestellt, die ab 1954 für viele Jahre in einem Dachgeschossraum in der Mainstraße 149 gearbeitet hat. Beide Frauen waren nach dem Zweiten Weltkrieg alleinstehend und hatten das Bedürfnis und die Notwendigkeit, einen Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder zu verdienen. Um 1952 wählten sie die Textilklasse von Prof. Maria Steudel an der damaligen Werkkunstschule in Offenbach (heutige Hochschule für Gestaltung), um dort Weben, Spinnen und Färben zu lernen und damit ein Handwerk, von dem sie sich ein Auskommen und eine Arbeit versprachen, die sie in ihrer Lebenssituation bewältigen konnten. Die Arbeit dieser Frauen ist heute fast vergessen, obwohl sich deren Teppiche im UNESCO-Sitz in Paris, in Kirchen und Institutionen in den USA und zahlreichen Sammlungen weltweit befinden.

Jahrzehnte zuvor hatte sich bereits am ähnlichen Ort eine Gruppe Schülerinnen und Schüler um den Schriftgestalter Rudolf Koch versammelt, um in der sog. Offenbacher Werkstatt ab 1925 großformatige Schriftteppiche zu sticken, von denen sich heute ebenfalls ein großes Konvolut in der Sammlung des Klingspor Museums befindet.

Die Ausstellung zeigt diese seltene Gattung der Textilkunst, die sich der formalen Umsetzung von Worten in großer Intensität und Hingabe widmet. Die Arbeiten zeugen von dem Glauben an die stärkende Kraft von Worten, in die es sich einzuhüllen lohnt und die mit den eigenen Händen entstehen.

Mit Kunstwerken von

Melina Brass, Daria Gonscharova, Katya Dimova, Maike Dorn, Barbara Habermann, Sandra Heinz, Karlgeorg Hoefer, Eta Ingham-Lawrie, Monika Jäger, Kani Kamil, Rudolf Koch, Eike König, Lise Linnert, Petra Ober, Werner Poeschel, Allan Porter, Helga Portig-Sitka, Herbert Post, Fritz Riedl, Erin M. Riley, Dieter Roth, Hans Schmidt, Vreni Spieser, Johanna Natalie Wintsch, Berthold Wolpe

Künstlerische Arbeit im Bereich:

  • Malerei/Grafik/Zeichnung
  • Fotografie
  • Bildhauerei
  • Elektronische Medien
  • Performance
  • Film/Video
  • Sonstiges

Klingspor Museum

Öffnungszeiten

Freitag, 29. Mai, 19:30 - 22 Uhr (freier Eintritt)
Samstag, 30. Mai, 16 - 22 Uhr
Sonntag, 31. Mai, 13 - 19 Uhr

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