Bewegung, Sprache, Medienkompetenz: Schuleingangsuntersuchung 2023/2024 zeigt Förderbedarfe auf
03.12.2025
Das Stadtgesundheitsamt hat den jährlichen Gesundheitsbericht zur Schuleingangsuntersuchung für das Schuljahr 2023/2024 vorgelegt. Insgesamt 1.447 Kinder im Vorschulalter wurden von den Ärztinnen im Stadtgesundheitsamt untersucht und ihre Eltern umfassend beraten. Die aktuellen Ergebnisse machen deutlich: Gesundheit, Sprache und Entwicklung von Kindern unterscheiden sich erheblich – je nach Geschlecht, Erstsprache und frühkindlichen Erfahrungen. Besonders betroffen sind Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch.
Bürgermeisterin Sabine Groß begrüßt die differenzierte Darstellung der Kindergesundheit: „Die Schuleingangsuntersuchung liefert uns wichtige Erkenntnisse und zeigt Benachteiligungen in der gesundheitlichen, sprachlichen oder kognitiven Entwicklung auf. So können wir gezielt gegensteuern. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für die gesunde Entwicklung und damit auch für die erfolgreiche Bildungsteilhabe aller Kinder in Offenbach.“
Deutliche Entwicklungsunterschiede bei Gesundheit, Sprache und Motorik
Die Schuleingangsuntersuchung zeigt deutliche Entwicklungsunterschiede bei den Kindern auf:
- Der Anteil von normalgewichtigen Kindern sank in den vergangenen Jahren stetig auf 70 Prozent im Jahr 2024. Der Anteil der Kinder mit Übergewicht oder Adipositas liegt im Durchschnitt bei 14 Prozent, ebenso wie der Anteil der Kinder mit leicht oder starkem Untergewicht.
- Der Anteil der Kinder mit feinmotorischen Schwierigkeiten ist auf 29 Prozent gestiegen, Jungen sind mit 37 Prozent mehr betroffen als Mädchen (22 Prozent). In der Grobmotorik sind 85 Prozent der Kinder unauffällig, auch hier sind deutlich mehr Jungen (17 Prozent) auffällig als Mädchen (9 Prozent).
- Kognitive Fähigkeiten: 79 Prozent der Kinder sind unauffällig hinsichtlich des logisch-schlussfolgernden Denkens, auch hier sind mehr Mädchen unauffällig als Junge. Insgesamt schneiden Kinder mit Deutsch als Erstsprache etwas besser ab (86 Prozent versus 76 Prozent). Bei den Fähigkeiten zum Zählen (72 Prozent insgesamt unauffällig) hingegen ist ein deutlicher Unterschied zwischen Kindern mit Erstsprache Deutsch (12 Prozent auffällig oder grenzwertig) und einer anderen Erstsprache (35 Prozent auffällig oder grenzwertig) auszumachen.
- Die überwiegende Mehrheit der Kinder (76 Prozent) überschreitet die empfohlene tägliche Medienzeit. 41 Prozent der Kinder nutzen digitale Medien mehr als doppelt so lange wie empfohlen. Kinder mit anderer Erstsprache sind hier besonders betroffen (48 Prozent über 60 Minuten täglich, bei deutschsprachigen Kindern 25 Prozent).
- Die überwiegende Zahl der Offenbacher Kinder (69 Prozent) wächst mit einer anderen Muttersprache als Deutsch auf. 12 Prozent der Kinder mit nicht deutscher Erstsprache sprechen fehlerfrei Deutsch. Das ist ein erneuter Rückgang, in der Vorjahresuntersuchung waren es noch 17 Prozent. Der Besuch einer Kindertageseinrichtung wirkt sich positiv auf die Deutschkenntnisse aus: Kinder mit über drei Jahren Kita-Erfahrung weisen in 16 Prozent der Fälle fehlerfreie Deutschkenntnisse auf, bei unter 18 Monaten Kita-Besuch sind es nur 3 Prozent. Auch die Deutschkenntnisse der Hauptbezugsperson stehen in engem Zusammenhang mit denen des Kindes.
- Verbessert hat sich die Vorsorge der Kinder: 70 Prozent haben mittlerweile einen vollständigen Vorsorgestatus, das ist ein deutlicher Anstieg seit 2017 (62 Prozent). Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch haben deutlich häufiger einen lückenhaften oder unbekannten Vorsorgestatus (38,4 Prozent). Der Impfstatus war bei 74 Prozent der Kinder komplett, auch hier lässt sich ein positiver Trend erkennen.
Gezielte Förderung wichtig
Dr. Christiane Faust, Leiterin des Stadtgesundheitsamts betont die Bedeutung frühzeitiger Erkennung von Auffälligkeiten und gezielter Förderung der Kinder: „Die Daten aus der Untersuchung sind ein zentrales präventives Instrument, um weitere Untersuchungen und bei Bedarf auch Hilfsmaßnahmen in die Wege zu leiten. Neben der stärkeren Förderung von Bewegung, Sprache und Medienkompetenz im Alltag der Kinder sollte auch die gezielte Frühintervention in der Kita oder im familiären Umfeld ausgebaut werden“. Dabei seien vor allem passgenaue und kultursensible Angebote für zugewanderte Familien notwendig, um die gesundheitliche Teilhabe der Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch zu verbessern.
Bürgermeisterin Groß ergänzt: „Die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen der letzten Jahre sind auch in den vor kurzen beschlossenen Aktionsplan gegen Kinderarmut eingeflossen, der unter anderem. den Ausbau von niedrigschwelligen Gesundheitscafés für Familien, die Sprachförderung außerhalb der Kita und Elternbildung zum Thema Gesundheit und Mediennutzung vorsieht. Wir sehen aber auch, wie sehr gerade zugewanderte Kinder vom Kitabesuch profitieren, der deutlich zur Chancengerechtigkeit und gesunden Entwicklung der Kinder beiträgt. Wir arbeiten weiter mit Hochdruck daran, Kita-Fachkräfte nach Offenbach zu holen, um die mittlerweile fast 1.000 neu geschaffenen Kitaplätze auch vollständig vergeben zu können.“