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Stadt Offenbach

Andrea Weinberger, Initiatorin des Kinder- und Jugendparlaments

Andrea Weinberger, 60 Jahre, geborene Offenbacherin und gelernte Buchhändlerin hat das Kinder- und Jugendparlament in Offenbach initiiert.

Sie haben 1997 beim damaligen Stadtverordnetenvorsteher ein Kinder- und Jugendparlament angeregt. Wie entstand die Idee?

Mein Sohn war damals sieben Jahre alt und ich hatte die Zeitschrift „Eltern“ abonniert. Dort las ich im Herbst 1997 einen Artikel über Kinder- und Jugendparlamente in deutschen Städten und dachte, das wäre doch etwas für Offenbach. Daraufhin habe ich den damaligen Stadtverordnetenvorsteher Manfred Wirsing kontaktiert und gefragt, ob er sich das für Offenbach vorstellen könnte und sich dafür engagieren würde. Wir haben dann überlegt, wie ein solches Parlament ausgestattet werden müsste, damit das keine Schaufenster-Veranstaltung wird. Zum Beispiel sollte das Kinder- und Jugendparlament einen eigenen Etat erhalten und in Ausschüssen, in denen es sinnvoll ist, eingebunden werden. Etwa in dem Jugendhilfeausschuss.

Warum waren bzw. sind Sie der Ansicht, dass Kinder und Jugendliche an der Stadtpolitik beteiligt werden sollten? 

Weil sie hier in Offenbach leben und wohnen und genau so ein Bestandteil der Gesellschaft sind wie wir Erwachsene. Kinder und Jugendliche sollten ihre Ansprüche an die Politik einbringen können. Das können sie zum Beispiel über ein Kinder- und Jugendparlament machen. Mit Blick auf die geringe Wahlbeteiligung bei den Stadtverordnetenwahlen ist das zudem eine Möglichkeit, Kinder und Jugendliche für Politik zu interessieren.

Wie kam es dann zur Gründung?

Zunächst haben wir einen Initiativkreis organisiert. Zu diesem gehörten außer dem Stadtverordnetenvorsteher und mir Günter Kopp vom Jugendamt der Stadt; Silke Angor, Schulpsychologin am Staatlichen Schulamt Offenbach; Jürgen Scheuermann, Vertrauenslehrer an der Leibnizschule sowie Mechthild Dänner vom Kinderschutzbund in Offenbach. Später kam noch Carola Glaser vom Jugendbildungswerk hinzu. Aufgabe des Initiativkreises war die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung des Kinder- und Jugendparlaments vorzubereiten. Zum Beispiel haben wir den Beschluss gefasst, dass es im Kinder- und Jugendparlament eine eigene Kinderfraktion geben muss, da die Interessen von Kindern und Jugendlichen sehr unterschiedlich sind. Aber es ging auch darum, wie wir dieses Projekt bekannt machen und wie eine Wahl umsetzbar ist. Um herauszufinden, ob Kinder und Jugendliche in Offenbach das überhaupt wollen, haben wir im März 1998 ein Hearing organisiert.

Wie haben die Kinder und Jugendlichen auf die Idee, ein Kinder- und Jugendparlament zu gründen, reagiert?

Das Interesse war sehr groß. Etwa 200 Kinder und Jugendliche sind zum Hearing gekommen, der Stadtverordnetensaal war berstend voll. Die positive Resonanz hat uns selbst überrascht. Allein die hohe Teilnehmerzahl hat uns das große Interesse der Kinder und Jugendlichen an dem Projekt gezeigt. Wir haben ihnen dann erstmal erklärt, dass wir ein Forum schaffen wollten, um ihren Forderungen und Bedürfnissen Gehör zu verschaffen. Natürlich war den meisten damals noch nicht bewusst, was ein solches Engagement tatsächlich bedeutet. Zum Beispiel strukturiert zu arbeiten und Termine einzuhalten. Auf dem Hearing wurde dann die Gründung beschlossen. Zudem hat sich eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen unserem Initiativkreis angeschlossen und bei der Wahlvorbereitung geholfen. Sie waren auch Botschafter an den Schulen, die für die Wahl geworben haben.

Wie hat der Initiativkreis die Wahl organisiert?

Der Stadtverordnetenvorsteher hat die Schulen angeschrieben und gebeten, die Wahl bei sich zu organisieren. Der Initiativkreis hat aber auch persönlich bei den Schulleitern vorgesprochen. Die Schulen haben dann bei sich für Kandidaten geworben und die Wahl umgesetzt. Fast alle Schulen haben tatsächlich mitgemacht. Im Oktober 1998 fand dann die erste konstituierende Sitzung des Kinder- und Jugendparlaments statt. 

Welche Themen wurden in den Anfangsjahren von den Kindern und Jugendlichen bearbeitet?

Die Kinderfraktion, die von Carola Glaser vom Jugendbildungswerk betreut wurde, hat sich zum Beispiel dem Thema Kinder und Gewalt angenommen. Sie haben dazu eine Ausstellung in der Stadtbücherei organisiert. Später haben sie sich mit ihrem Projekt auf einer bundesweiten Projekt-Ausschreibung des Bundestagspräsidenten beworben und wurden als eine von drei Initiativen in Hessen nach Berlin eingeladen. Die Kinder haben auch einen Kinderstadtplan initiiert und Aktionen gegen Hundekot in der Stadt gemacht. Die Jugendlichen haben sich u.a. für den Bau einer Skaterbahn in der Stadt eingesetzt.

Das Interview wurde im April 2016 geführt.

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