Bürgermeisterin würdigt das Engagement von Ornithologinnen und Ornithologen
11.08.2025
Er ist klein, unscheinbar und sehr selten in Hessen zu Gast: Der Mornellregenpfeifer gilt in Hessen als kaum nachweisbar. Umso erstaunlicher war die Beobachtung eines rastenden Exemplars im Kreis Offenbach im vergangenen Jahr. Die Sichtung gilt unter Ornithologinnen und Ornithologen als Glücksfall. Der 24 Zentimeter große Vogel brütet von den rauen Küsten Schottlands bis in die weiten Tundren Eurasiens und überwintert von den sonnendurchfluteten Ebenen Nordafrikas bis in die Wüsten des Nahen Ostens. Der Mornellregenpfeifer gilt als Globetrotter der Vogelwelt. Im Gegensatz zu anderen Vogelarten leben Mornellregenpfeifer eine umgekehrte Rollenverteilung vor. Es sind die Weibchen, die mit ihrem prächtigen Federkleid glänzen und die Balz übernehmen, während die Männchen sich ganz der Brut widmen. Die Sichtung des seltenen Gastes ist in der 41. Ausgabe des ornithologischen Jahresberichtes dokumentiert. Der Ornithologe Klaus Fiedler besuchte die Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Sabine Groß im Rathaus und überreichte ihr den aktuellen Band.
Bürgermeisterin Groß würdigte die jahrzehntelange Arbeit der Ornithologinnen und Ornithologen: "Was vor über 40 Jahren als ambitioniertes Projekt begann, hat sich zu einem unschätzbaren Beitrag für unsere Umwelt entwickelt. Die Hingabe unserer Vogelbeobachterinnen und Vogelbeobachter ist beeindruckend. Jede einzelne Beobachtung, jeder erfasste Datenpunkt trägt dazu bei, das komplexe Ökosystem unserer Stadt besser zu verstehen. Diese Berichte sind wie ein Fenster in die Vergangenheit und Gegenwart unserer Natur. Sie zeigen uns beispielsweise, wie Umweltveränderungen das Leben der Vögel beeinflussen können - von Brutverhalten bis hin zur Wahl ihrer Lebensräume.“
Vogelbeobachtungsorte in Offenbach
Die Vogelwelt in Stadt und Kreis Offenbach präsentiert sich so vielfältig wie dynamisch. Zwei Naturschutzgebiete stechen dabei besonders hervor: der Erlensteg von Bieber und die Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben. Letztere ziehen besonders viele Vogelbeobachtende und Forschende an. Dort tummeln sich Stockenten, Haubentaucher und Blässhühner als Brutvögel, während der Teichrohrsänger das Schilf mit seinem Gesang belebt.
Die Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben sind jedoch nicht nur Naturparadies, sondern auch wissenschaftliche Schatzkammer. Seit 60 Jahren werden hier von September bis April während der deutschlandweiten Wasservogelzählungen Daten erhoben. Diese Langzeitstudien offenbaren interessante Trends: So sind die Zahlen der Tauchenten, wie Tafel- und Reiherente, stark rückläufig - ein Phänomen, das mit dem Klimawandel zusammenhängt.
Doch nicht nur an den Gewässern gibt es Spannendes zu entdecken. Wanderfalken brüten in einem Nistkasten am Turm der EVO, während Steinkauz, Waldkauz und Dohle die Stadtteile Bürgel und Rumpenheim beleben. Allerdings zeigen sich auch hier die Auswirkungen des globalen Wandels. Mauersegler, ebenso wie Schwalben, leiden unter dem fortschreitenden Insektensterben. Sich etablierende Vogelarten wie Nil- und Kanadagans sind inzwischen regelmäßig am Main und an den Stadtweihern anzutreffen. Der Klimawandel bringt aber nicht nur Verlierer hervor. Wärmeliebende Arten wie Bienenfresser und Wiedehopf siedeln sich neu im Kreisgebiet an - ein faszinierendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit der Natur.
Im Jahresbericht:
Der aktuelle Jahresbericht des Arbeitskreises in Stadt und Kreis Offenbach dokumentiert in einer verschlankten Version vor allem die Nachweise gefährdeter Arten, seltenen Durchzüglern, Wintergästen sowie einzelnen Brutvorkommen seltener Vögel aus dem Jahr 2024. Die Forschenden werteten dabei rund 13.100 Meldungen zu 83 Arten der Roten Liste Hessens und 68 weiteren Arten aus. Der aktuelle Bericht zeichnet sich durch besondere Schwerpunkte aus: Der Schleiereule, dem überraschend gesichteten Mornellregenpfeifer und den Schwalbenbrutpaaren sind jeweils eigene Kapitel gewidmet. Diese detaillierten Betrachtungen unterstreichen die Vielfalt der lokalen Vogelwelt und die Bedeutung sowohl seltener Gäste als auch heimischer Arten für das ökologische Gleichgewicht der Region.
Während manche Vogelbeobachtungen in Stadt und Kreis Offenbach reine Zufallsfunde sind, basiert ein Großteil der ornithologischen Datenerhebung auf systematischer und langfristiger Forschung. Seit 2004 werden in Stadt und Kreis Offenbach auf drei festgelegten Flächen jährlich Brutvögel bei einem bundesweiten Monitoring häufiger Brutvögel erfasst. Ziel ist es, langfristige Veränderungen in den Beständen häufig vorkommender Vogelarten systematisch zu dokumentieren. Seit 2020 werden die Daten digital per Tablet erfasst.
Die Vogelwelt in Stadt und Kreis Offenbach zeigt sich somit als lebendiges Spiegelbild der voranschreitenden Klimaveränderungen. „Das Engagement der Ornithologinnen und Ornithologen und der vielen Helfer ist daher wichtig, um die Herausforderungen des Klimawandels und des Artenschutzes gezielt anzugehen. Ihr Einsatz hilft uns, fundierte Entscheidungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu treffen“, betont Bürgermeisterin Groß abschließend.
Hintergründe
Die ersten Exemplare des Jahresberichtes aus dem Jahr 1984 wurden noch mit der Schreibmaschine getippt. Auch die Beobachtungen wurden damals noch handschriftlich notiert. Mittlerweile sind die Herausgeber und die Redaktion technisch besser aufgestellt. Seit 2011 gibt es beispielsweise die Möglichkeit, Zufallsbeobachtungen der Vogelwelt auf der Website www.ornitho.de zu melden. Inzwischen ist das auch auf der App „Naturalist“ möglich.
Der NABU Kreisverband Offenbach e.V. und der Offenbacher Arbeitskreis der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. (HGON) veröffentlichen jedes Jahr eine Bestandsaufnahme.
Der aktuelle Jahresbericht ist zum Preis von 10 Euro plus Versandkosten direkt erhältlich:
Peter Erlemann, E-Mail: peter_erlemannwebde sowie bei Dr. Rüdiger Werner, E-Mail: rue.wernertt-onlinede.
Amt für Umwelt und Klima
Stadt Offenbach am Main - Kaiserpalais
Kaiserstraße 39
63065 Offenbach
Hinweise zur Erreichbarkeit
Weitere Hinweise
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