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Nach der umfangreichen Bürgerbeteiligung zum geplanten Umbau des Marktplatzes und der Bieberer Straße in den Jahren 2012 und 2013 ist nun auch der europaweite, städtebauliche Planungswettbewerb zu Ende gegangen. Drei Preise wurden vergeben.

27. November: Den ersten Preis erhielten die Landschaftsarchitekten Hahn Hertling von Hantelmann aus Berlin und das Verkehrsplanungsbüro Obermeyer Planen+Beraten aus München. Der zweite Preis ging an die Landschaftsarchitekten Simons & Hinze aus Berlin zusammen mit dem Verkehrsplanungsbüro Hoffmann-Leichter Ingenieurgesellschaft, Berlin. Den dritten Preis bekam das Büro Greenbox Landschaftsarchitekten aus Stuttgart mit dem Verkehrsplanungsbüro Langenbach, Sigmaringen.

Wettbewerbsaufgabe war: Der Bereich von Marktplatz und Bieberer Straße soll künftig wieder ein einheitlicher und qualitätsvoller städtischer Raum werden. Es sollte eine attraktive Verbindung zwischen der Fußgängerzone im Westen und dem Wilhelmsplatz im Osten des Wettbewerbsgebiets geschaffen werden. Vorschläge und Anregungen aus dem Bürgerbeteiligungsprozess „Marktplatz-Forum“ wurden in die Aufgabenstellung für den Wettbewerb aufgenommen.

1. Preis - Begründung der Jury

Der Entwurf hat sich durch den Vorschlag einer geschwungenen Führung des Fahrverkehrs im Marktplatzbereich ausgezeichnet. Dieser nimmt Bezug auf die historische, leicht schräg verlaufende Ostseite des Platzes. Zugleich bringt diese Entscheidung eine Reihe von gestalterischen und funktionalen Vorzügen mit sich, die durch die Jury sehr positiv bewertet werden. So wirkt die Abkehr von einer geradlinigen Nord-Süd-Ausrichtung der Straße für den motorisierten Individualverkehr (MIV) geschwindigkeitsreduzierend. Gleichzeitig entsteht gegenüber der Einmündung der Bieberer Straße ein deutlich aufgeweiteter Bereich auf der Westseite des Platzes mit einer sehr guten Querungsmöglichkeit zur Bieberer Straße. Das Wasserspiel als Sonderelement in der Blickachse zur Bieberer Straße ist hier richtig platziert.

Die Fahrspuren für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und MIV sind eindeutig ablesbar, ohne dass dadurch die einheitliche Erscheinung des Platzes in Frage gestellt würde. In Bezug auf das sogenannte Alternative Entwurfskonzept für die Verkehrsführung der Stadt Offenbach muss insbesondere das Durchfahrtsverbot nach Süden in die Waldstraße stärker durch die Verkehrsführung und Gestaltung zum Ausdruck kommen.

Während in Nord-Süd-Richtung eine taktile und visuelle Orientierung bereits durch die hellen Fahrbahnränder angelegt ist, müssten die Querungsmöglichkeiten in Ost-West-Richtung noch hervorgehoben werden. Die relativ dichten Baumstellungen im Süden und insbesondere am nördlichen Platzende sollten – auch in Bezug auf die Anforderungen der Feuerwehr – überprüft werden.

In der Bieberer Straße wird der geschwungene Verlauf nördlich des Wilhelmsplatzes sehr positiv bewertet, der zu einem vergrößerten Aufenthaltsbereich mit Möglichkeiten für Außengastronomie an dieser Stelle führt. Im Bereich des Markthauses an der Bieberer Straße könnte die Anlage eines Haltestellenkaps anstelle der Busbucht überlegt werden.

Der Entwurf überzeugt die Jury als insgesamt schlichte und großzügige Lösung mit einem sehr eigenständigen Grundansatz.

2. Preis - Begründung der Jury

Der Entwurf schafft einen fast durchgängigen Platzraum, in dem die Fahrspuren nur in Teilbereichen wie Intarsien enthalten sind. Während die Einkaufsstraßen in Ost-West-Richtung mit eher kleinteiligen Belägen versehen sind, wird der Marktplatz mit großformatigen Betonplatten belegt. Die Fahrflächen werden als flächige Ortbetonplatten vorgeschlagen, deren Fugenbild auf die seitlichen Bereiche Bezug nimmt. Dadurch erhält der durchgängige Belag eine feine Differenzierung. Die sehr großzügige Gestaltung mit wenigen Elementen wird durch die Jury sehr positiv gewertet.

Etwas unentschlossen ist dagegen der Übergang in die Frankfurter Straße. Die Variante mit Bushaltestelle wird zwar textlich erläutert, ist in den Plänen aber nicht dargestellt. Der großzügige Vorbereich vor dem Geschäftshaus Marktplatz Offenbach erscheint sehr positiv, zumal er die Querungsmöglichkeiten und damit die Verbindung zur Bieberer Straße stärkt. Noch offen ist, ob die feine Farbdifferenzierung von Betonbelag und Natursteinpflaster in den vorgeschlagenen warmen Farbtönen in der Bieberer Straße innerhalb des engen wirtschaftlichen Rahmens möglich wäre.

Das Durchfahrtsverbot von der Waldstraße nach Norden wird durch die vorgeschlagene Gestaltung im Sinne des Alternativen Entwurfskonzepts für die Verkehrsführung der Stadt Offenbach unterstützt. Das Geradeausfahrverbot von Süd nach Nord wird durch die Gestaltung jedoch nicht ausreichend betont. Insgesamt bietet der Entwurf einen sehr großzügigen, fast minimalistischen Beitrag, der von der Jury ausdrücklich gewürdigt wird.

3. Preis - Begründung der Jury

Ein Plattenbelag aus im Querverband verlegten Betonplatten überspannt den gesamten Platzbereich. Die Fahrzone ist als halbstarre Deckschicht mit geschliffenem Belag ausgebildet, die in Bezug auf Farbe und Oberfläche mit den Betonplatten harmoniert. Die Verkehrsführung erfolgt geradlinig in Nord-Süd-Richtung. Der Übergang in die Waldstraße / Geleitsstraße ist analog zum Alternativen Entwurfskonzept der Stadt Offenbach gelöst und verspricht eine gute Durchsetzung der erforderlichen Durchfahrts- bzw. Abbiegeverbote.

Zugleich wirkt sich die Verkehrsführung in diesem Bereich eher negativ auf die Querungsmöglichkeit im Übergang zur Bieberer Straße aus. In Bezug hierauf wird auch der schmale Gehweg vor dem Geschäftshaus Marktplatz Offenbach kritisch gesehen.

Parallel zur Verkehrsführung werden auf der Ost- und Westseite des Platzes zwei streifenförmige Aufenthaltszonen angelegt. Hier befinden sich unter den Bäumen Ausstattungselemente wie Bänke, Gastronomieterrassen oder gegebenenfalls die Wartebereiche der Bushaltestelle. Auf der Westseite ist entlang der Verkehrsfläche ein dritter Streifen angeordnet, in dem sich Fahrradabstellplätze sowie ein Taxi- und ein Behindertenstellplatz befinden.

Dieser dritte Streifen bietet einerseits Raum, um notwendige Funktionen außerhalb der Aufenthaltsbereiche unterzubringen. Zudem verhindert er automatisch unberechtigtes Parken in diesen sensiblen Bereichen. Andererseits könnte die Funktionszone mit ihren Nutzungen an dieser Stelle eher eine Barriere darstellen sowie unruhig und störend für das Gesamterscheinungsbild des Platzes wirken. Auch die Vorschläge in Bezug auf die Möblierung werden ambivalent gesehen: Während in den Perspektiven eine eher großzügige, freie Gesamterscheinung dargestellt ist, wird im Grundriss auf der Westseite eine dichte Bespielung angedeutet, die räumlich nicht zu überzeugen vermag.

Anregungen und Kommentare

nehmen wir gerne entgegen unter: Dialogoffenbachde

Ausstellung der Gewinnerentwürfe und Bürgerveranstaltung

Die Wettbewerbsergebnisse werden vom 26. November bis 2. Dezember in den Räumen des Kunstvereins im Einkaufszentrum KOMM (1. OG) gezeigt. Die Ausstellung ist montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Darüber hinaus werden die Wettbewerbsgewinner bei einer Bürgerveranstaltung der Aktiven Innenstadt am Montag, 14. Dezember, ab 18 Uhr im Ostpol (Hermann-Steinhäuser-Straße 43) präsentiert.

Wie geht's weiter?

Alle drei Preisträger des Wettbewerbs nehmen an einem formalisierten Vergabeverfahren teil. Die Platzierung beim Umbau-Wettbewerb fließt in die Bewertung mit ein. Beurteilt werden zudem neben Kriterien wie Wirtschaftlichkeit des Angebots, auch ob etwaige Anregungen und Hinweise des Preisgerichts umgesetzt werden können“. Das Vergabeverfahren wird im Februar 2016 abgeschlossen. Danach beginnt die Durcharbeitung des Entwurfs, der voraussichtlich im November 2016 in den Projektbeschluss der Stadtverordneten mündet.

Kommentar über das Mailformular vom 17.12.2015

Solange der Marktplatz ein riesiger Bus-Umsteige- und Parkplatz bleibt, kann nur eine entsprechende Atmosphäre entstehen. Die Autos sind dann ein Nebenproblem, das über Verengungen etc verringert werden kann. Die Busse sinds, nicht die pkw. Ohne die busse: im norden und im süden eine ampel, die lang fußgängergrün gibt und ruckzuck ist der ganze platz autofrei und fußläufig gut begehbar.

Kommentar über das Mailformular vom 15.02.2016

Warum nur muss der Marktplatz für so viel Geld umgebaut werden. Es geht doch auch sicher eine Nummer kleiner! Nehmen sie Abstand davon den öffentlichen Nahverkehr auszusperren. Es ist ein Trugschluss zu glauben die Leute kommen trotzdem. Ach ja, akzeptieren Sie endlich in Offenbach, dass es viele Leute gibt die nur mit dem KFZ kommen. Oder möchten Sie Herr Schneider (OB) ihre Einkäufe mit dem Fahrrad nach Bieber fahren? Und: Wann wird endlich der Rest der 2. Ebene beseitigt und dieses tolle Waschbeton verkleidete Gebäude. Hier sollten sich unsere Verantwortlichen einmal Gedanken machen! Nun ja, eigentlich könnte man doch diese Aktionen ganz sein lassen. Welche Geschäfte gibt es denn noch auf der "Frankfurter" ? Wenn dann noch, wie man hört, Kaufhof seine Pforten dicht macht....... Lohnt sich dann noch der ganze Aufwand? Viele potenzielle Käufer fahren doch ohnehin schon nach FFM! Also was soll's?

Antwort am 16.02.2016 auf den Kommentar vom 15.02.2016

Vielen Dank für Ihren Beitrag. Die Umgestaltung des Marktplatzes ist ein wichtiger Schritt, um die Offenbacher Innenstadt städtebaulich attraktiver zu gestalten. Es geht darum, die Aufenthaltsqualität für die Passanten zu erhöhen, Barrieren abzubauen und das zentrale Eingangstor der Stadt (S-Bahn Marktplatz) attraktiver zu gestalten. Die angestrebte Gestaltung ist eine Kompromisslösung, die alle Nutzungsanforderungen berücksichtigt und auch das finanziell Machbare für Offenbach darstellt.

Auf die Entwicklung des Einzelhandels hat eine Kommune nur bedingt Einfluss, der sich im Wesentlichen darauf beschränkt, attraktive Rahmenbedingungen für die Ansiedlung und Stärkung des Einzelhandels zu schaffen. Hierbei steht Offenbach im harten Wettbewerb mit anderen Standorten im Rhein-Main-Gebiet, insbesondere auch mit der Stadt Hanau, die ihre Innenstadt mit großen finanziellen Mitteln quasi neu erfunden hat.

Der öffentliche Nahverkehr wird durch die geänderten Verkehrsführungen nach dem Umbau des Marktplatzes nicht beschränkt und der Kfz-Verkehr hat weiterhin die Möglichkeit, die Parkflächen in der Innenstadt (insbesondere die Parkhäuser) anzusteuern. Grundsätzlich ist sich die Stadt der Bedeutung bewusst, allen Verkehrsteilnehmern den notwendigen Raum zur Verfügung zu stellen.

Dass die Zweite Ebene am City-Center nicht komplett zurückgebaut wurde, ist der baulichen Struktur des Gebäudes geschuldet: Die Gastronomiebetriebe im 1. Obergeschoss sind nur über diese Empore zu erreichen. Es liegt im Interesse der Stadt, gemeinsam mit dem Eigentümer der Immobilie langfristig eine städtebaulich attraktivere Lösung für diesen Bereich am Marktplatz zu finden. Hierauf ist die Kommune jedoch auf die Bereitschaft des Eigentümers angewiesen.

Sollten Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an uns.

Mit freundlichen Grüßen,

Fabian El Cheikh
Amtsleiter
Amt für Öffentlichkeitsarbeit