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Neubau Rechenzentrum EVO
© EVO/georg-foto
Nach rund einem Jahr Bauzeit ist das “Main DC”-Rechenzentrum auf dem Campus der Energieversorgung Offenbach AG (EVO) mit einem öffentlich zugänglichen Live-Stream vor 300 Gästen in Betrieb genommen worden. Die ursprünglich geplante Feier war wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Mit dem Data Center nutzt die EVO die Lage ihres Stammsitzes im Herzen des Rhein-Main-Gebiets in unmittelbarer Nähe eines der weltweit wichtigsten Internetknoten (DE-CIX) in Frankfurt. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir machte deutlich, dass IT und Datenverkehr zur entscheidenden wirtschaftlichen Infrastruktur nicht nur im Rhein-Main-Gebiet geworden seien. „Zudem ziehen Rechenzentren andere Unternehmen an, deren Geschäftsmodelle auf digitalen Prozessen aufbauen“, führte Al-Wazir in einem schriftlichen Beitrag aus, da er wegen des teilweisen „Lockdowns“ kurzfristig die Teilnahme am Live-Chat absagen musste. Nach seiner Einschätzung muss moderne IT aber nicht nur leistungsfähig, sondern auch energieeffizient sein. „Das EVO-Rechenzentrum ist auch in dieser Hinsicht auf der Höhe der Zeit." Auch für Offenbachs Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke ist „schnelles Internet heute die wichtigste Lebensader der Wirtschaft“. Ein moderner Standort für Produktion und Dienstleistungen benötige leistungsstarke Datenleitungen und ausreichend Datenspeicher. Auch die Bürger profitierten von schnellem Internet durch ein Plus an Lebensqualität, Komfort und Erreichbarkeit. Nach seiner Einschätzung stellt sich die EVO mit dem neuen Rechenzentrum sehr gut für die Zukunft auf. Gleichzeitig leiste der Versorger einen wichtigen Beitrag für die Stadt, um Offenbach für Unternehmen und deren Mitarbeiter noch attraktiver zu machen. Dr. Schwenke weiter: „Gemeinsam mit der EVO schaffen wir die Grundlagen für die weitere Entwicklung wichtiger Gewerbegebiete im Offenbacher Kaiserlei-Areal und auf dem künftigen Innovationscampus.“ Das neue Rechenzentrum hat eine Grundfläche von 7.800 Quadratmetern; für den Gebäudekomplex ist eine Bruttogeschoßfläche von 22.000 Quadratmeter vorgesehen. Die Räume für die Rechner und Computerserver sind rund 8.000 Quadratmeter groß. Darin finden rund 3.300 Computerracks Platz. Für den wesentlichen Teil der Leistung hat ein sogenannter Ankermieter bereits einen langfristigen Vertrag abgeschlossen. „Wenn unzählige Beschäftigte von einem Tag zum anderen mobil arbeiten, wenn Schülerinnen und Schüler online lernen, wenn Meetings nur noch als Videokonferenzen stattfinden, dann brauchen wir eine leistungsfähige Dateninfrastruktur“, machte der EVO-Vorstandsvorsitzende Dr. Christoph Meier deutlich. Der Bedarf nach IT und Infrastruktur wachse beständig. Längst sei der „Energieriese Internet“ entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung geworden, urteilte der Vorstandschef. Die EVO habe daher bereits im Jahr 2018 beschlossen, sich an diesem Geschäft aktiv zu werden – denn die Verbindung Digitalisierung und Energie liege auf der Hand. Für den Betrieb des Rechenzentrums hat die EVO ein Tochterunternehmen namens „MAIN DC Offenbach GmbH“ ins Leben gerufen und zwei renommierte Partner mit an Bord geholt. Erstens die Vantage Data Centers, die ihre Stärken als international agierender Betreiber von Rechenzentren einbringt. Zweitens die Data Center Group, die für die Planung und den Bau des Rechenzentrums verantwortlich zeichnet. An der neuen Gesellschaft hält die EVO 50 Prozent der Anteile, Vantage 40 Prozent und Data Center Group 10 Prozent. Die Investition in das Rechenzentrum beläuft sich nach Worten des EVO-Chefs auf rund 160 Million Euro. Vantage mit Sitz in Kalifornien habe erst im Februar dieses Jahres angekündigt, sein Geschäft auch auf den europäischen Markt auszuweiten“, berichtete Antoine Boniface, Präsident von Vantage in Europa. Bereits heute könne das Data Center in Offenbach eröffnet werden. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die erste Einrichtung dieser Art erst der Anfang weiteren Wachstums im europäischen Raum sein werde. Laut Ralf Siefen, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Data Center Group, wurde das Großrechenzentrum in Rekordzeit konzipiert und gebaut. Ihm zufolge standen dabei die Hochverfügbarkeit, die Zukunftssicherheit sowie der Einsatz von energie- und betriebskosteneffizienten Technologien im Fokus. Der Vorstandsvorsitzende der Mannheimer MVV Energie AG, Dr. Georg Müller, zugleich Vorsitzender des EVO-Aufsichtsrats, wies im Live-Stream auf den tiefgreifenden Wandel des Energiesystems in Deutschland hin – vom konventionellen hin zum erneuerbaren Zeitalter. Dieser Weg sei unumkehrbar: Die MVV-Gruppe habe dazu in den vergangenen zehn Jahren bereits knapp vier Milliarden Euro in das Energiesystem der Zukunft investiert. „Wir wollen und werden bis spätestens 2050 als Unternehmen komplett klimaneutral sein“, hob Dr. Müller hervor. Zugleich machte der Energie-Manager deutlich, dass die Unternehmen in Corona-Zeiten dank der Digitalisierung trotz der hohen Home-Office-Quoten gut funktionierten. Das gemeinsame Arbeiten mit neuen Systemen, ihr Einsatz in der internen oder externen Kommunikation, bekämen mehr Bedeutung als bisher, führte Dr. Müller aus. Es gebe daher kein Zurück in die Zeit vor Corona. „Diese Türen sind schon zu. Insofern hat diese Krise auch eine gute Seite.“ Während des Live-Chats ließ Dr. Meier keinen Zweifel daran, dass Rechenzentren und das Internet viel Energie verbrauchen. Daher hätten die Partner alles unternommen, um das Rechenzentrum so ökologisch wie möglich zu entwerfen und zu betreiben. „Das erreichen wir durch optimale Kühlung der Server, denn die Kühlung verbraucht die meiste Energie“, wie Dr. Meier weiter ausführte. Insgesamt werde das Data Center einen sogenannten PUE-Wert (power usage effectiveness) von höchstens 1,3 haben. Je geringer dieser Wert sei, desto effektiver arbeite das Rechenzentrum. „Damit liegen wir weit unter dem Durchschnitt in Deutschland. Wir tragen dazu bei, dass die Ausweitung der Rechenzentrums-Fläche nicht in gleichem Ausmaß zu einer Steigerung des Energieverbrauchs führen wird.“ Das Rechenzentrum auf dem EVO-Campus entsteht in unmittelbarer Nähe eines der weltweit wichtigsten Internetknoten (DE-CIX) in Frankfurt. Der Komplex wird zugleich inmitten eines engmaschigen Stromnetzes mit dem EVO-Umspannwerk in seinem Zentrum angesiedelt. Das ergibt in zweifacher Hinsicht Sinn: Zum einen ist damit die schnelle Anbindung des Rechenzentrums an die weltweiten Datenströme sichergestellt. Zum anderen gewährleistet der zentrale Standort die bestmöglich sichere und zuverlässige Versorgung der Datenserver mit der notwendigen elektrischen Energie, was ein eindeutiger Standortvorteil für das Projekt ist. Wie der EVO-Vorstandschef weiter berichtete, benötige Rhein-Main als Zuzugs-Region stetig mehr Energie: „Überall werden Baugebiete ausgewiesen, müssen Straßen gebaut, Kindergärten errichtet und Schulen erweitert werden. Entsprechend steigt auch der Strombedarf.“ Weil ohne Energie kein weiteres Wachstum möglich sei, investiere die EVO allein bis zum Jahr 2022 rund 35 Millionen Euro in den Ausbau des Hochspannungsnetzes. An dieses Netz sei jede Kommune in Stadt und Kreis Offenbach angeschlossen. Die Bauarbeiten für das Rechenzentrum auf dem EVO-Campus verliefen trotz der Corona-Krise reibungslos und im Zeitplan. Doch bevor die ersten Datenströme fließen konnten, musste eine Reihe von Herausforderungen gemeistert werden. Denn der sandige Boden auf dem Gelände des Rechenzentrums musste zunächst gefestigt werden. Dafür sind exakt 1924 bis zu fünf Meter lange Betonsäulen im Untergrund versenkt worden, die für die entsprechende Stabilität der Bodenplatte sorgen. Allein für die mächtige Bodenplatte wurden 380 Kubikmeter Beton benötigt. Trotz der weltweiten Corona-Pandemie sind die Arbeiten ohne größere Unterbrechungen verlaufen. Die Lieferketten funktionierten weiter und ein ausgefeiltes Hygienekonzept sorgte für die Sicherheit der rund 200 Bauarbeiter, Handwerker und Techniker auf der Baustelle.
OFFENBACH, 30. Oktober 2020