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Zwei Radfahrerinnen sitzen auf einer Bank am Mainufer
© Jessica Schäfer
Seit über tausend Jahren leben die Menschen in Offenbach von und mit dem Main. Einst Hauptverkehrsader und Umschlagplatz für Waren wie Holz und Mineralölprodukte, hat sich der Mensch den Main als Lebensraum zurückerobert. Wo neuer attraktiver Wohn- und Wirtschaftsraum am Wasser entsteht, hat sich in den vergangenen Jahren das Flussufer zu einer in der Region einzigartigen Naherholungslandschaft entwickelt.

Welche Möglichkeiten das Leben am Fluss beispielsweise während der Sommerferien bietet, haben das Amt für Öffentlichkeitsarbeit und die Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe (SOH) in der diesjährigen Ausgabe des Prospekts „Offenbach Main Zuhause“ herausgearbeitet. Es ist in den vergangenen Wochen an Offenbacher, Fechenheimer, Mühlheimer und Hanauer Haushalte verteilt worden. Familien etwa bietet die Uferpromenade von „Offenbach am Meer“ zahlreiche Aufenthaltsmöglichkeiten, ohne Geld ausgeben zu müssen. Aber auch gastronomische Angebote vom Hafen 2 bis zur Eisdiele im Stadtteil Bürgel sind aufgelistet. Darüber hinaus wird auf das Kultur- und Sportangebot der Vereine auf Fechenheimer wie Offenbacher Seite verwiesen.

„Immer wieder sind Tagesgäste auch aus Frankfurt erstaunt, wie schön und gemütlich das Offenbacher Mainufer ist“, berichten Fabian El Cheikh und Regina Preis. Beide verantworten die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt und der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe (SOH). „Für uns war das der Anlass, nicht nur die Offenbacher, sondern auch die Menschen in den Nachbarkommunen, die am Main liegen, auf die Aufenthaltsqualität in Offenbach hinzuweisen.“

Umschlagplatz für Güter und wirtschaftliches Rückgrat

Der Prospekt wirft zunächst einen Blick in die Vergangenheit: Im 18. Jahrhundert schlugen die Wellen des Mains noch bis ans Isenburger Schloss. Die Herrnstraße endete an herrschaftlichen Maingärten, die bis hinab zum Ufer reichten. Der junge Goethe, frisch verliebt in Lili Schönemann, beschrieb den Fluss fasziniert als eine sanft dahin fließende, lebhafte Welt der Flöße, Kähne und Schiffe. Ob Fischer, Färber oder Gerber, Kalk- oder Ziegelbrenner: Sie alle haben jahrhundertelang vom Main gelebt. Sein Wasser diente ihnen für Produktion und Transport. Der Fluss war die Lebensader der Stadt und ihr wirtschaftliches Rückgrat. An seinem Ufer wurde noch gebadet oder im Gartenlokal eingekehrt. Lange Jahre war der „Mainquai“ wichtiger Güterumschlagplatz. Und noch bis weit ins 20. Jahrhundert stillten große Gerbereibetriebe und Chemiewerke ihren Wasserbedarf aus dem Fluss. Der Main war Schifffahrtsstraße und Landesgrenze, sein Wasser ebenso Lebens- und Produktionsmittel wie auch zerstörerische Flut, die bis in die Innenstadt drang. Der Deichbau Ende des 19. Jahrhunderts bot erstmals Schutz. Die neue Carl-Ulrich-Brücke verband das hessische Offenbach mit dem preußischen Fechenheim. Und die Anfang des 20. Jahrhunderts abgeschlossene Kanalisierung machte aus dem Main eine moderne Wasserstraße. Zeitgleich wurde der Offenbacher Hafen eröffnet.
Hafentreppe mit Blick auf das neue Hafenviertel.
Hafentreppe mit Blick auf das neue Hafenviertel. © Jessica Schäfer

Wandlung zum urbanen Naherholungsgebiet

Doch das Idyll der grünen Uferlandschaft war verschwunden. Isenburger Schloss und Metzlerscher Badetempel („Lili-Tempel“) waren jetzt weit weg von den Uferklippen gerückt. Hinter dem hohen Deich und der neuen Mainstraße geriet der Fluss aus der öffentlichen Wahrnehmung. Erst Ende des 20. Jahrhunderts besann sich die Stadt wieder auf ihren Main, erkannte das hohe Entwicklungspotenzial des Flussufers und seine Bedeutung für die urbane Lebensqualität. Viele Industriebetriebe sind zu dieser Zeit bereits geschlossen und auch der Hafen, dessen Lagertanks jahrzehntelang das westliche Mainufer prägten, liegt brach. An diesem Tiefpunkt wirtschaftlicher Strukturkrise und sozialen Umbruchs beginnen die Stadt Offenbach und ihre Stadtwerke Unternehmensgruppe, den Fluss wieder in den städtischen Raum und damit in das öffentliche Bewusstsein zurückzuholen. Den wichtigsten Impuls setzt dabei die Entwicklung des früher unzugänglichen Industriehafens zu einem neuen urbanen Viertel. Unmittelbar am Wasser vereint der Hafen Offenbach Wohnen und Arbeiten, Kultur, Bildung und Naherholung.

Mainufer und Beckenrand sind öffentlich zugänglich. Erste attraktive Freiflächen wie die Hafentreppe laden samt Gastronomie zum Aufenthalt ein. Weitere werden schon bald folgen. Das neue Hafenviertel gibt auch dem benachbarten Nordend neuen Schwung. Zusammen mit dem geplanten Neubau der Hochschule für Gestaltung entwickelt sich an der Nahtstelle zwischen Hafen und Gründerzeitviertel ein neues Zentrum für Künstler und Designer.
Der Hafen markiert damit einen Wendepunkt der Stadtentwicklung hin zum Dienstleistungszentrum und zur Kreativstadt. Perspektivisch gilt das ebenfalls für das gesamte Mainufer. Die industrielle Nutzung ist Vergangenheit. Jetzt heißt es: Leben, Arbeiten und Entspannen am Fluss. Naherholung und Aufenthaltsqualität werden zu wichtigen Faktoren des schnell wachsenden Wohn- und Gewerbestandortes Offenbach.

Eine der schönsten Flusslandschaften der Region
Inzwischen zählt die bereits in vielen Abschnitten neu gestaltete Flusslandschaft zwischen der Frankfurter Stadtgrenze am Kaiserlei und dem Bürgel-Rumpenheimer Mainbogen zu den schönsten der Region. Der Main ist zur Visitenkarte des neuen Offenbach geworden.

Von seiner schönsten Seite zeigt sich dieses grüne Rückgrat der Stadt östlich der neuen Carl-Ulrich-Brücke. In Höhe der Innenstadt lässt das Mainvorgelände Raum für Kultur, Spiel und Sport. Hier, im Mainuferpark, wo früher noch die Hafenbahn entlangfuhr, zeigt sich Offenbach von seiner schönsten Seite: naturnah und doch urban, lebendig, multikulturell und doch ein wenig in sich gekehrt. Ein inzwischen auch touristisches Ziel, bequem erreichbar über den gut ausgebauten Mainradweg. Nur ein Stück flussaufwärts, im Mainbogen bei Bürgel und Rumpenheim, weitet sich das Flussufer zu einer im dicht besiedelten Ballungsraum kaum vermuteten Auenlandschaft. Inmitten dieses Naherholungsgebiets öffnet sich der Schultheisweiher mit seiner artenreichen Flora und Fauna. Der beliebte Badesee ist gleichermaßen Refugium für Mensch und Tier.

Das Leben am Fluss ist gemeinsam mit dem Masterplan auch Schwerpunktthema des gemeinsamen Zeltes von Stadt und SOH auf dem Mainuferfest am 3./4. September. Dort und im Amt für Öffentlichkeitsarbeit (Berliner Straße 60, Telefon: 069 8065-2846) erhalten Interessierte die aktuelle sowie vorherige Ausgaben von „Offenbach Main Zuhause“.

28.07.2016