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Lilipark Blick auf den Schneckenberg
© Stadt Offenbach

Der Lili-Park, zwischen Büsing- Palais und Mainstraße gelegen, ist nur noch ein Überrest der berühmten Mainanlagen, die im 18. und 19. Jahrhundert zum großen Teil aus dem gemeinsam genutzten Besitz der Familien Bernard und d’Orville bestanden.

Die ausgedehnten Parkanlagen fielen terrassenförmig zum Main hin ab. 1792 richtete dort der Frankfurter Bankier Friedrich Metzler einen Sommersitz ein und ließ von dem französischen Architekten Salins de Montfort 1798 jenes prachtvolle Bade- und Gartenhaus bauen, das heute unter dem Namen Lili-Tempel bekannt ist.

Das Marmorbad auf Granitblöcken reichte bis an den Main heran und lockte viele prominente Besucher nach Offenbach. Im Untergeschoss befand sich das Bad, im Obergeschoss ein luxuriös ausgestatteter Gesellschaftsraum. Mit dem Bau des Badetempels wurde der Sommersitz im Zeitgeschmack modernisiert.

1892 wurde die Herrnstraße vom Linsenberg bis zum Main verlängert, die Häuser von André, Bernard und d’Orville mitsamt einem historischen Gartenhaus abgerissen und die neue Straße quer durch die klassischen Gärten gelegt.

Erinnerung an Goethes Offenbacher Sommer

Die Bezeichnung Lili-Tempel für den Metzlerschen Badetempel ist eigentlich nicht korrekt, erinnert aber an Goethes „Offenbacher Sommer“ 1775 mit Lili Schönemann, mit der er kurzzeitig verlobt war.

Der Badetempel stand zu dieser Zeit noch nicht. Das Paar soll sich aber in etwa auf dem Gebiet der Gärten aufgehalten haben. Den Namen Lili-Park erhielt die Anlage erst 1932, zum 100. Todestag von Johann Wolfgang Goethe.

Das 250 Quadratmeter große Badehaus wurde durch den Bau des Hochwasserdamms und die Aufschüttung des Mainvorgeländes Ende des 19. Jahrhunderts vom Flussufer getrennt. In diesem Zusammenhang wurde die Mainseite des Parks durch eine Mauer mit Zaun verschlossen und das Wegenetz umgestaltet.

Park und Nachbargrundstück befanden sich seit 1841 im Besitz der Fabrikantenfamilie Krafft, dessen Erben den Besitz, zu dem nun auch eine Reitanlage gehörte, bis 1916 hielten.

Der Zusammenhang zwischen dem Badehaus und dem Fluss ist heute kaum noch erkennbar. In den Besitz der Stadt ging der Metzlersche Badetempel 1951 über. Schon Mitte der 1970er Jahre wurde die Notwendigkeit einer Sanierung des Tempels erkannt, es fehlte jedoch an Geld und der richtigen Idee. Um den Tempel herum sind noch alte gewundene Wege, Teil des einstigen englischen Landschaftsgartens, sichtbar.

Inzwischen ist der Lilitempel von einem privaten Investor saniert und erweitert worden und ist nun gelegentlich zu Kulturveranstaltungen öffentlich zugänglich.

Lili-Park
© Stadt Offenbach

Lesegarten benannt nach erster Bestseller-Autorin

Zwischen Lili-Park und Büsing-Park hat die Stadt 2005 einen so genannten Lesegarten angelegt. Der Name verweist auf die benachbarte Stadtbibliothek im Zentrum des "Kulturkarrees", jenes Stadtviertels, in dem mit Klingspor-Museum, Haus der Stadtgeschichte und Stadtbibliothek die wichtigsten städtischen Kultureinrichtungen gebündelt sind.

Der Lesegarten schafft eine stärkere Verbindung zwischen Lili-Park und Büsing-Park - eine Verbindung, die sich im Rahmen des städtebaulichen Konzepts "Stadt-Park-Fluss" auch auf den benachbarten d´Orville-Park ausdehnen soll. Das Konzept sieht vor, die drei Parkanlagen durch einen Park-Rundweg zu erschließen.

Nach dem Vorbild der historischen Maingärten sollen die Parkanlagen so einen sanften Übergang von der lauten Innenstadt zur lauschigen Flusslandschaft bilden. 2007 wurde der Lesegarten in Sophie-von-La-Roche-Park umbenannt. Dies geschah anlässlich des 200. Todestages der Schriftstellerin, die mehr als 20 Jahre bis zu ihrem Tod in Offenbach lebte.