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Spaziergänger im Schlosspark
© Alexander Habermehl / Stadt Offenbach

Wer den Schlosspark in Rumpenheim durchstreift, der kann sich an einem schönen Fleckchen Erde erfreuen. Dabei ist die Anlage, die sich östlich der ehemaligen Sommerresidenz des Landgrafen von Hessen-Kassel erstreckt, weit mehr als das. Sie ist ein Stück Kulturgeschichte, maßgeblich entstanden in den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts, als man Gärten nicht länger wie zur Zeit des französischen Barocks mit Lineal und Heckenschere zurechtstutzen mochte, und stattdessen englische Landschaftsgärten in Mode kamen.

Diesen Charakter des Rumpenheimer Schlossparks wieder stärker zu betonen, ist das Ziel einer Reihe von Maßnahmen unter der Federführung des Referats Stadtgestaltung, Stadtgrün beim Amt für Stadtplanung und Baumanagement Offenbach.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fand der Schlosspark in Rumpenheim sogar die Beachtung des damals berühmtesten Gartentheoretikers Europas. Christian Cay Ludwig Hirschfeld schreibt in seinem fünfbändigen Werk „Theorie der Gartenkunst“ (1779-1785):

„Der kleine Garten hat eine freye Pflanzung von einheimischen und ausländischen Bäumen, worunter sich besonders treffliche Katalpen (Trompetenbäume) befinden, die alle Jahre blühen und reifen Saamen bringen, der glücklich aufgeht, ein Beweis von der Milde dieses Himmelsstrichs. Der Garten verdient wegen seiner heiteren Lage verbessert zu werden. Dazu gehört besonders die Niederreissung der noch übrigen alten Hecken, und die Vertheilung des großen Gebüsches in schönere Gruppen, wodurch zugleich mehr Gänge gewonnen würden.“

Pavillon im Schlosspark
© Alexander Habermehl / Stadt Offenbach
Vieles von dem, was Hirschfeld bei seinem Besuch in Rumpenheim für verbesserungswürdig hielt, sollte in der Folgezeit auch tatsächlich verbessert werden. Inzwischen hat seine Kritik jedoch wieder an Aktualität gewonnen: Kaum etwas ist übrig geblieben von dem einstmals weit verzweigten Netz gewundener Pfade. Sie wenigstens zum Teil wieder herzustellen, ist der Traum von Sigrid Pietzsch, Leiterin des Sachgebiets Stadtgrün. Doch das ist eher ein Fernziel. Denn sicherlich müssten etliche Bäume und Sträucher weichen.

Wege wie verschlungene Lebenspfade

In der Theorie des englischen Landschaftsgartens haben die Wege eine wichtige Funktion: Wie ein Erlebnispfad erschließen sie dem Spaziergänger den Park in seiner ganzen Vielfalt. Die Windungen sind ein Symbol für den verschlungenen Weg, den das menschliche Leben mitunter nimmt.

Hirschfeld hat es so beschrieben:

„In Lusthainen und Gebüschen, in Wildnissen an den Ufern der Gewässer, streift man gerne auf sich krümmenden Pfaden umher, gerne schleicht man auf ihnen in waldigen Tiefen und dunkle Einsiedeleyen hinab, gerne windet man sich auf ihnen zu Anhöhen in der Runde hinauf. Wodurch allmählig eine Vervielfältigung und beständige Abwechselung der Prospecte entsteht. In Gärten von einem kleinern Umfang können gewundene Gänge auch dazu dienen, dass sie einen Schein der Vergrößerung erregen.“

Englische Landschaftsgärten, so die Idee, sollen die Natur in ihrer Idealform widerspiegeln. Eine abwechslungsreiche Gartenarchitektur soll dafür sorgen, dass der Spaziergänger Landschaften von unterschiedlichem Charakter durchwandern kann, die unterschiedliche menschliche Gemütslagen unterstreichen – heiter oder auch melancholisch.

Auch im Rumpenheimer Schlosspark erinnern verschiedene Elemente an dieses Konzept. Sigrid Pietzsch möchte sie wieder stärker herausarbeiten - und daher wurde 2010 ein Umsetzungskonzept erstellt, das ausgewählte Maßnahmen aus dem Parkpflegewerk von 1995 beinhaltet. Die Priorität liegt dabei auf Maßnahmen, die die Besonderheit des Parks herausstellen, den Park für Nutzer besser erschließen und so ein vielfältiges Erleben ermöglichen.

Die ausgewählten Maßnahmen erschließen die topographischen Besonderheiten des Parks, nehmen wichtige Blickbeziehungen auf und stellen einen Teil der Wegestruktur nach historischem Vorbild wieder her. Zudem sollen die Gehölzflächen des Parks entwickelt werden. Vorrangiges Ziel hierbei ist es, der zunehmenden Verarmung der Baumarten entgegen zu wirken und eine gesunde Altersstruktur des derzeit überalterten Bestandes zu erreichen.

Von dem Monopteros aus führt ein Weg in Richtung Main. Dieser Weg markiert noch heute die Grenze jenes Teils, den der landgräfliche Baurat Friedrich Adam Franke einst nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten anlegte. Ihn könnte man als kleineren Bruder des Bergparks Wilhelmshöhe in Kassel bezeichnen, denn tatsächlich waren in Kassel und Rumpenheim zwei Brüder am Werke.

Dazu ein Blick in die Geschichte:

Ursprünglich ein Herrenhaus

1680 lässt der hanauische Kammerpräsident Johann Georg Seiffert von Edelsheim ein Herrenhaus mit Garten errichten. Sechs Jahre zuvor hat er das ehemalige kronbergische Lehen zu Rumpenheim erhalten. Das Herrenhaus bildet später den Mittelteil des Schlosses. 1736 fällt die Grafschaft Hanau-Münzenberg und mit ihr auch Rumpenheim an Hessen-Kassel. Die Regierungsgeschäfte in Hanau führt ab 1763 Landgräfin Marie, Tochter des englischen Königs Georg II. Sie ist die Frau von Friedrich II, der wegen seines katholischen Glaubensbekenntnisses bei seinem Vater, Landgraf Wilhelm VIII von Hessen-Kassel, in Ungnade gefallen ist.

Landgraf Wilhelm VIII übergibt die Grafschaft Hanau-Münzenberg daher direkt an seinen Enkel Wilhelm IX, der zu dieser Zeit aber noch unmündig ist und daher zunächst von seiner Mutter Marie vertreten wird, bevor er 1764 selbst die Regentschaft übernimmt.

Maries zweitgeborener Sohn, Prinz Karl, kauft 1768 das Rumpenheimer Herrenhaus und lässt es durch Anbauten vergrößern. Landgräfin Marie stattet das Schloss im Inneren aus. Bis zu ihrem Tod 1772 dient es ihr als Sommerresidenz. 1781 verkauft Prinz Karl das Schloss dann an seinen jüngeren Bruder, Prinz Friedrich von Hessen-Kassel. Er gilt als der Begründer der Rumpenheimer Landgrafen-Familie.

Friedrich lässt 1787/´88 die Seitenflügel an das Schloss anbauen. Unter ihm beginnt Baurat Franke mit der Gestaltung des englischen Landschaftsgartens. Unterdessen, im Jahre 1785, ist Friedrichs ältester Bruder zum Landgrafen Wilhelm IX von Hessen-Kassel aufgestiegen. Und auch er hat ein Faible für englische Landschaftsgärten. Er lässt das nach ihm benannte Schloss Wilhelmshöhe in Kassel errichten und den Park erweitern, der heute der größte Bergpark Europas ist. Er vollendet damit das Werk, das bereits sein Vater Friedrich begonnen hat.

In Rumpenheim legt Friedrich im ältesten Teil des Schlossgartens einen Nutzgarten mit Sämereien und Baumschule an. Zu diesem ältesten Teil gehört auch das Eichen-Oval, das unter der Regie der Abteilung Stadtgrün wieder hergestellt wurde. Zwar mussten Bäume gefällt werden, doch dafür besteht jetzt wieder freie Sicht aufs Schloss. Und in Zusammenarbeit mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern wurden Krokusse, Schneestolz, Blaustern und historische Rosensorten gepflanzt. Drei Wegebau-Maßnahmen aus dem Umsetzungskonzept möchte Sigrid Pietzsch in naher Zukunft realisieren. Ein noch vorhandener Hügel, der Spaziergängern einen Ausblick auf den Monopteros gewährt, soll besser zugänglich gemacht werden. Ein ehemaliger Hohlweg im Osten des Parks soll wiederhergestellt und die Zarenlinde im Südosten des Parks erschlossen werden.

Der sogenannte Baumsaal wurde 2007 wiederhergestellt. Alten Plänen zufolge, soll er sich entlang der nördlichen Grenze des Parks, oberhalb der Mainaue, erstreckt haben. Der Jordan-Plan geht von etwa 50 Bäumen aus, angeordnet in drei Reihen. Während das Laub eine Art Baldachin formt, muten die Stämme wie die Säulen einer Kathedrale an. Mit schätzungsweise 100.000 Euro überstiegen die Kosten das Jahresbudget des Referats Stadtgrün jedoch erheblich.

Gemeinsam mit der Bürgerinitiative Rumpenheim hat man Sponsoren gewinnen können, die das Projekt mit mehr als 20.000 Euro unterstützt haben. Weitere rund 20.000 Euro hat das Landesamt für Denkmalpflege beigesteuert. 45 Winterlinden wurden im dreireihigen Raster gepflanzt. Drei alte Bäume konnten einbezogen werden. Ein neues Wegenetz wurde angelegt und neuer Rasen eingesät. Bis man jedoch wieder unter einem geschlossenen Blättergewölbe wandeln kann, wird es noch lange dauern.

Rumpenheimer Schloss Wiese
© Alexander Habermehl / Stadt Offenbach

Bürgerinitiative kämpfte für den Erhalt

Ohne die Bürgerinitiative Rumpenheim würde das Schloss heute möglicherweise gar nicht mehr stehen. Anfang der 70er Jahre hatte die Stadt überlegt, das Schloss abzureißen und stattdessen Wohnhochhäuser zu errichten.

Denn nachdem die landgräfliche Familie das Anwesen 1902 verlassen hatte, setzte der allmähliche Verfall ein. Im Zweiten Weltkrieg beschädigten Fliegerbomben zudem den Mittelteil des Schlosses. 1965 gingen Schloss und Park von der Kurhessischen Hausstiftung in den Besitz der Stadt Offenbach über. Rumpenheim war inzwischen (seit 1942) ein Stadtteil Offenbachs. Als der Abriss drohte, setzte sich die neu gegründete Bürgerinitiative Rumpenheim für den Erhalt der Anlage ein.

1985 wurden die Seitenflügel des Schlosses sowie die Marstallgebäude in Privatinitiative zu Eigentumswohnungen ausgebaut und vier Jahre später beschlossen die Offenbacher Stadtverordneten, auch den Mittelteil des Schlosses wieder aufzubauen und den Park nach historischem Vorbild wieder herzurichten. Im Jahr 2000 fand die Stadt einen Investor, der den Mitteltrakt denkmalgerecht w

ieder aufbaute. 2002/´03 wurde die private Wohnanlage fertig gestellt. Die Gestalt des Schlosses entspricht heute wieder der um 1805. Um diese Zeit wurde auch das Mausoleum errichtet, das heute der Verein RUK (Rumpenheim Kultur) für Veranstaltungen nutzt. 2007/2008 wurde die Fassade saniert. Das Referat Stadtgrün hat anschließend die umliegenden Wege und Beete erneuert. Zusätzlich wurde das Ensemble aus Mausoleum und Schlosskirche durch intensivere Beleuchtung besser in Szene gesetzt.

Seine heutige, um zwei Anbauten erweiterte Gestalt, erhielt das Mausoleum 1884. Die Grabstätte der landgräflichen Familie befindet sich inzwischen allerdings hinter der Schlosskirche. Sie wurde bereits 1756 bis ´61 als Rumpenheimer Pfarrkirche gebaut.

Schloss Rumpenheim Westflügel
© Alexander Habermehl / Stadt Offenbach

Einst Treffpunkt des europäischen Hochadels

Veranstaltungen, wie das 2004 erstmals organisierte „landgräfliche Parkfest“ im Rahmen der Reihe „Garten RheinMain“ erinnern an die Blütezeit des Rumpenheimer Schlossparks Mitte des 19. Jahrhunderts, als er zum Treffpunkt des europäischen Hochadels wurde.

Friedrich hatte in seinem Testament verfügt, dass die Anlage von allen Kindern gemeinsam genutzt werden solle. Und so traf sich dort die in ganz Europa verstreute Verwandtschaft. Queen Mary, die Großmutter der englischen Königin Elisabeth II, gehört ebenso zu den Gästen wie König Georg I von Griechenland, der russische Zar Alexander III, der österreichische Kaiser Franz Joseph I oder der preußische Bundestagsgesandte Bismarck.

Der neueste Teil der Anlage entstand um 1858. Der vorhandene Park wurde damals auf die doppelte Fläche erweitert, neue Staffage-Gebäude entstanden – darunter der filigran gebaute türkische Pavillon mit dem charakteristischen Halbmond.

Als Bühne für ein Schauspiel in historischen Kostümen diente der rekonstruierte Pavillon beim landgräflichen Parkfest, von dem die Veranstalter hoffen, dass es in den kommenden Jahren wiederholt und vielleicht sogar ausgebaut werden kann.