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Die Bauten gelten als einzigartiges Zeugnis moderner Betonbautechnik. Errichtet wurden sie zur Landesgewerbeausstellung, die vor genau 125 Jahren, am 2. Juli 1879, eröffnet wurde.
Betonobjekt im Dreieichpark
© Stadt Offenbach

Der Bundesverband der Deutschen Zementindustrie bezeichnet das Ensemble im Offenbacher Dreieichpark als „die ältesten erhaltenen Betonbauten (ohne Stahlbewehrung) in Deutschland“. Für Professor Jörg Reymendt, Prodekan des Fachbereichs Architektur, Bauingenieurswesen und Vermessungswesen an der Fachhochschule Frankfurt am Main, steht zumindest fest, „dass diese Bauwerke wohl zu den ältesten Betonbauwerken in der Neuzeit gehören und unbedingt erhalten werden müssen“. Sie zeigen die Anfänge der Betonbautechnik besonders anschaulich, denn genau zu diesem Zweck wurden sie einst gebaut.

Was in Fachkreisen als Meilenstein der modernen Bautechnik gilt und in historischen Abhandlungen über die Geschichte des Betonbaus auch außerhalb Deutschlands Erwähnung findet, stellt sich vor Ort eher unspektakulär dar. Lediglich ein unscheinbares Schild – angebracht am Fuß der Brücke in etwa 60 Zentimeter Höhe – erklärt dem Betrachter, was er vor sich hat: „Diese Betonbauwerke sind 1879 als Teil der Gewerbeausstellung errichtet worden und gehören zu den ältesten in Deutschland.“

Errichtet wurden die ursprünglich strahlend weißen Bauten von der Offenbacher „Cementfabrik Feege & Gotthardt“. Wilhelm Feege und Wilhelm Sonnet gründeten die Firma 1874 an der Waldstraße, schon ein Jahr später war das Werk betriebsfertig. 1878 trat Sonnet aus der Firma aus, für ihn stieg Maximilian Gotthardt ein. Die Offenbacher Portland-Zementfabrik war damals Teil einer höchst innovativen Branche. Der Portland-Zement war erst 1824 in England zum Patent angemeldet worden.

1855 veröffentlichte der deutsche Ingenieur Max von Pettenkofer aufgrund eigener Analysen die bis dahin geheim gehaltenen Herstellungsverfahren für Portland-Zement und schuf damit die Voraussetzungen für den Beginn der Zementherstellung in Deutschland. 1878 führte das Land Preußen per Ministerialerlass erstmals eine Norm für Portland-Zement in Deutschland ein. In dieser Phase, nämlich ab den 1840er Jahren, begannen auch erste Experimente mit Eiseneinlagen als Armierung. Der Durchbruch gelang ab den 1860er Jahren dem Franzosen Joseph Monier. Er ließ sich den Eisenbeton (heute Stahlbeton) patentieren. In Deutschland war Conrad Freytag 1884 einer der ersten Lizenznehmer der Monierschen Patente. Zu den größeren Projekten aus der Anfangszeit des Eisenbetons zählten ein 400 Meter langer Hauptentwässerungskanal in Offenbach und ein kreuzweise armierter Belag für den Frankfurter „Eisernen Steg“.

Nach Einschätzung von Fachleuten handelt es sich bei den Bauten im Dreieichpark allerdings um unbewehrten Beton, also um Zement ohne Eiseneinlagen. In seiner Grobkörnung ist das Material typisch für seine Entstehungszeit.

Die Bauten waren nicht für die Ewigkeit gedacht. Im Rahmen der Landesgewerbeschau vom 2. Juli bis 6. Oktober 1879 sollten sie vielmehr der Öffentlichkeit sowie potentiellen Investoren die Vielseitigkeit des jungen Baustoffs demonstrieren. Auf der von der Stadt zur Verfügung gestellten, rund 7,5 Hektar großen Ausstellungsfläche zeigten mehr als 800 gewerbliche Aussteller aus Hessen – darunter 238 Firmen aus Offenbach - ihre Erzeugnisse.

Die vereinigten Offenbacher Bauhandwerker hatten einen prachtvollen Holzlangbau mit anschließender Kunsthalle sowie eine Maschinenhalle – insgesamt 6000 Quadratmeter überbaute Fläche - errichtet. In der Dämmerung wurde der Park mittels „elektrischer Apparate“ erleuchtet.