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In alten Urkunden ist nachzulesen, dass Karl der Große die Anlage von Apfelgärten (Pomarium), regelrecht anordnete. Im Mittelalter diente der Apfelwein nur für den Hausgebrauch, denn seit der römischen Besatzungszeit wurde hierzulande vornehmlich Wein aus Trauben getrunken. Erst als die Rebanpflanzungen in den Weinbaugebieten in und um Offenbach aufgrund zahlreicher Missernten aufgegeben wurden, bepflanzten die Winzer die ehemaligen Weingärten nach und nach mit Beerensträuchern und Obstbäumen.
Markthaus Besucherin
© Stephan Federer
Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Apfelwein auch öffentlich ausgeschenkt und zwar in den ausgeräumten Wohnstuben der ehemaligen Weinbauern (Häcker). Es entstanden die sogenannten Hecken- und auch erste Gartenwirtschaften. So ein öffentlicher Ausschank musste dann seit 1641 in Frankfurt und Umgebung durch Heraushängen eines Fichtenkranzes mit einem Apfel in der Mitte gekennzeichnet werden. Die Kränze wurden zum unumstößlichen Symbol des Apfelweins in unserer Gegend.

Die Verantwortlichen der Stadt Offenbach sowie Gartenbauvereine und Naturschutzverbände sind auch heute bemüht, neue Streuobstwiesen anzulegen. Zum Beispiel wurden vor 15 Jahren nordwestlich der Käsmühle vor dem Rand des südlichen Lohwaldes einige Reihen alter Obstsorten neu angepflanzt.

Die Apfelweinherstellung

Nach den Zahlen des Hessischen Statistischen Landesamtes gibt es zur Zeit im Kreis Offenbach rund 5500 Apfelbäume in landwirtschaftlichen Betrieben. In Stadt und Kreis Offenbach wird auch heute noch ein gutes "Stöffche" gekeltert.

Einige Wirte stellen ihren Apfelwein nach alten Rezepturen her. Für den Apfelwein werden nur frisch geschüttelte, baumreife Äpfel verwendet. In einer elektrisch betriebenen Mühle werden die Äpfel zunächst zerrieben und anschließend unter der Kelter gepresst. Der ausfließende trübe Saft, der "Süße", wird in einem Bottich gesammelt und von hier aus mit langen Schläuchen in die großen Apfelweinfässer im Keller der Kelterei geleitet.

Ein besonders aromatischer, spritziger Apfelwein entsteht, wenn die Früchte der verschiedenen Anbaugebiete vermischt werden. Nach einer Faustregel ergeben drei Zentner Äpfel 100 Liter Apfelwein. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der Zuckergehalt des Süßen mindestens 45 Grad Öchsle betragen und das fertige Stöffche mindestens fünf Prozent Alkohol besitzen muss. Ein extra guter Apfelwein hat 5,5 Prozent.

Beste Kelterzeit für Apfelwein ist der Oktober. Mit dem "Abpressen" des Süßen wird oft schon im September begonnen. Aus dem Süßen entwickelt sich nach etwa vierzehn Tagen der "Rauscher", der nur eine Lebensdauer von einigen Stunden hat. Danach klärt sich der gärende Most. Nach alter Tradition wird der neue Apfelwein zum erstenmal um Weihnachten herum ausgeschenkt. Dann ist der "Neue" ausgegoren. Sobald im Frühling die Apfelbäume blühen, muss der Apfelwein verstochen, also in andere Fässer umgefüllt werden.

Kulinarisches

In den typischen Apfelweinlokalen rückt man zum "Schoppepetze" auf Holzbänken mit Freunden, Bekannten und auch Fremden an langen Tischen eng zusammen. Traditionsgemäß wird der Apfelwein aus Bembeln eingeschenkt. Er wird stets in gerippten Gläsern serviert.

Und weil der Apfelwein hungrig macht, halten die Apfelweingaststätten typische Spezialitäten wie Rippchen oder Haspel mit Sauerkraut, Ochsenfleisch oder Zunge mit grüner Soße, echte Frankfurter, Fleisch- und Rindswurst sowie "Handkäs mit Musik" oder auch einfach Laugenbrezeln bereit. Eine Konditorei im Stadtteil Rumpenheim bietet Köstlichkeiten aus Äpfeln und Apfelwein an, zum Beispiel Apfelweinbrot oder verschiedene Apfelkuchensorten.