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Stadtcafe Frida Rudolph Haus
© Stadt Offenbach
Die Tagestour „Offenbach zu Fuß“ ist auch ohne Wanderschuhe zu bewältigen: Dass man hier ob der kurzen Wege gut aufs Auto verzichten kann, macht für viele den Reiz der kleinen Großstadt aus.

Wir schlagen vor, die Tour morgens um 10 Uhr am Rathaus, Berliner Straße 100, zu starten. Von dort aus geht´s die Herrnstraße hinauf in Richtung Main. Wir befinden uns nun im Zentrum des Kulturkarrees, wo sich wichtige Kultureinrichtungen der Stadt in enger Nachbarschaft konzentrieren, darunter die Stadtbibliothek und die Kinder- und Jugendbibliothek. Es ist auch das Viertel, wo heute wieder ein Hauch der Offenbacher Glanzzeit im 18. Jahrhundert spürbar wird, als es beispielsweise den jungen Johann Wolfgang Goethe 1775 einen Sommer lang nach Offenbach zog, wo ihn mit der schönen Bankierstochter Anna Elisabeth Schönemann, genannt "Lili", eine leidenschaftliche Romanze verband. Wir passieren das Büsing-Palais, Offenbachs repräsentativstes Gebäude...

Das Büsing-Palais entstand in seiner ursprünglichen Form 1775/76 als dreiflügeliges Stadtpalais der Schnupftabak-Fabrikanten Bernard und d´Orville. Diese Namen stehen sowohl für zwei kulturell bedeutende Familien als auch für Offenbachs wirtschaftliche Prosperität ab dem 18. Jahrhundert.

Gegenüber befindet sich der Bernardbau. Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex wurde von 1892 bis 1896 errichtet und umfasste Verwaltungs- und Fabriketagen der Tabakfabrik, die die Familie Bernard 1733 begründet hatte. Seit 2004 ist hier das Haus der Stadtgeschichte ansässig. Im Museum starten wir unser Tagesprogramm.

Lehrreich: Das d´Orvillesche Puppenhaus – bürgerliches Leben im 18. Jahrhundert

Eines der schönsten Stücke in der Sammlung ist das Offenbacher Puppenhaus der Familie d´Orville. Es gehört zu den prächtigsten Puppenhäusern, die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten geblieben sind. Es wurde 1757 gefertigt, und sein Inventar stammt weitgehend aus dem 18. Jahrhundert. 312 Einzelstücke wurden mit großer Sorgfalt zum Teil aus Silber, Zinn, Elfenbein und Alabaster hergestellt.

Das Puppenhaus fällt nicht nur durch seine prunkvolle Ausstattung, sondern auch durch seine Größe auf. Es ist 2,10 Meter hoch, 1,03 Meter breit und 50 Zentimeter tief. Durch sieben Flügeltüren kann man in vier Etagen den Haushalt eines gutsituierten Bürgers des 18. Jahrhunderts "en miniature" betrachten. Das Puppenhaus wirft auch ein Schlaglicht auf die bürgerliche Kindererziehung im 18. Jahrhundert. Ebenso wie im Adel wurde auch im aufstrebenden Bürgertum Spielzeug gezielt als Erziehungsmittel eingesetzt. Durch die Auswahl wurden die von der Tradition bestimmten Rollen, die die Kinder im zukünftigen Leben einnehmen sollten, festgeschrieben. Puppen und Puppenstuben sollten den Mädchen, Zinnsoldaten, technische Geräte, Schmetterlingsnetz und Hoppepferd den Jungen zur Identitätsfindung dienen.

Puppen und Puppenstuben fungierten als Vermittler zwischen Spiel und Arbeit. Säuglingspflege und Kindererziehung, große Wäsche, Plätten und Bügeln, Nähen und Flicken, Putzmacherei, feine Handarbeiten – all diese für die Führung eines bürgerlichen Haushaltens wichtigen Arbeiten erlernte das kleine Bürgermädchen schon "spielend", ehe es zur wirklichen Arbeit herangezogen wurde. Ohne direkten Unterricht, dennoch unter sachkundiger Anleitung von erwachsenen Frauen oder Mädchen wurde die zukünftige Hausfrauen- und Mutterrolle eingeübt.

Haus der Stadtgeschichte

Zeitreise durch eine wechselvolle Geschichte

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Stadtcafé Frida Rudolph Haus
© Stadt Offenbach

Spielen: Ein Piratenschiff liegt am Stadtcafé vor Anker

Nach dem Besuch des Museums schlendern wir durch den Lili-Park auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Das vielfältige Grün in Grün macht den ruhigen und naturnahen Charakter der Anlage aus. Das Strauchwerk wurde gelichtet, so dass man nun über den Sophie-von-La-Roche-Platz hinweg bis in den Büsing-Park blicken kann. In diese Richtung kommen wir nach wenigen Metern zu dem Spielplatz am Stadtcafé, wo wir eine Mittagsrast einlegen.

Von der Café-Terrasse aus haben Eltern das hohe Piratenschiff gut im Blick, das Kinder bis zehn Jahre zum Klettern und Rutschen einlädt. Für die Jüngeren gibt es eine Nest-Schaukel, ein Karussell und ein Wippauto. Die ovalen Spielinseln sind von Hainbuchenhecken eingefasst. Eine weitere Attraktion sind zwei Pump-Stationen auf dem Sophie-von-La-Roche-Platz, wo Kinder Wasser in Becken einlassen und stauen können.

Die Werkstätten Hainbachtal, eine gemeinnützige Gesellschaft zur Beschäftigung und Integration behinderter Menschen, betreibt das Café im Frieda-Rudolph-Haus am Linsenberg und bietet eine vielseitigen Speisekarte.

Action: Im Waldschwimmbad kann man lange Bahnen ziehen

Am Nachmittag bleibt für die Bewegungshungrigen Zeit für einen Abstecher ins Waldschwimmbad. Wir steigen gegenüber vom Rathaus in die Linie 105 in Richtung Rosenhöhe. Der Bus fährt werktags und samstags um jede volle Stunde und dazwischen im 15-Minuten-Takt, sonntags verkehrt die Linie ab 7.58 Uhr alle 30 Minuten. Nach einer Fahrzeit von 25 Minuten erreichen wir die Haltestelle Waldschwimmbad.

Das Waldschwimmbad wird vom Ersten Offenbacher Schwimmclub, dem EOSC, betrieben. Sportlich ambitionierte Badegäste schätzen die Anlage im Offenbacher Süden, wo man im 50-Meter-Becken so herrlich Bahnen ziehen kann. Viele Stammgäste sorgen für eine familiäre Atmosphäre. Die weitläufige Liegewiese bietet außerdem reichlich Platz zum Sonnenbaden, und für Kinder gibt es neben dem Nichtschwimmerbecken auch kleine Planschbecken mit Wasserspiel und einen Spielplatz.

Schwimmende Kinder
© georg-foto.de, offenbach
Wen es nach dem Schwimmbad-Besuch wieder in die Innenstadt zieht, der kann an der Haltestelle Waldschwimmbad wieder in den Bus steigen, der werktags zwischen 6 und 18 Uhr um vier Minuten nach jeder vollen Stunde und dazwischen im 15-Minuten-Takt fährt. Sonntags fährt die Linie 105 alle halbe Stunde zur 21. und zur 51. Minute.

Erholsam: Im Büsing-Park gibt es viel zu entdecken

Zurück in der Innenstadt steigen wir am Rathaus aus dem Bus und durchqueren schräg gegenüber den Büsing-Park - wer auf das Schwimmen verzichtet hat, mkommt vom Frieda-Rudolph-Haus mit wenigen Schritten hierher. Die Parkanlage, die sich hinter dem Büsing-Palais entlang der Berliner Straße bis zur Kaiserstraße erstreckt, gehörte ursprünglich zum Anwesen der Fabrikantenfamilien Bernard und d’Orville. Das Herrenhaus, das heutige Büsing-Palais, wurde um 1775 erbaut, der dazugehörige Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt. Der Hamburger Kaufmann Adolf Büsing, ein Nachkomme der Familie d´Orville, erwarb das Grundstück 1890. Er ließ um die Jahrhundertwende den mittlerweile verwilderten Park neu gestalten und von 1899 bis 1902 das Herrenhaus von dem Architekten Wilhelm Manchot zu einem prachtvollen Palais im Barockstil umbauen.
Erst durch den Erwerb der Stadt Offenbach und die Nutzung des Palais´ als Rathaus ab 1921 wurde der Park öffentlich zugänglich und trägt seitdem den Namen Büsing-Park.
Auf unserem Weg durch den Park sehen wir auf einer kleinen Anhöhe den Monopteros, einem offenen Rundtempel. Der im Rokokostil errichtete Staffagebau wurde um 1790 erbaut und diente wohl als Bühne für Musikdarbietungen. Im Jahre 2004 ließ die Stadt ihn mit finanzieller Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege sanieren.

Wieder hergerichtet wurde dabei auch das Scheintor an der Grenze zur Kaiserstraße. Errichtet wurde es wohl um 1900 – also etwa in jener Zeit, als auch das Büsing-Palais seine heutige Gestalt erhielt. Das Tor war wohl nie als Eingang gedacht; eher deuten die noch vorhandenen Stützen darauf hin, dass sich in der Nische eine Sitzbank befand, von der aus man geradewegs auf das Büsing-Palais blicken konnte.

Capitoltheater Goethestrasse
© Stadt Offenbach

Sehenswert: Das Capitol Theater an der Goethestraße

Wir verlassen den Büsing-Park in Richtung Kaiserstraße und schlagen den Weg zum Main ein. Unterwegs kommen wir vorbei am Capitol-Theater Ecke Kaiserstraße/Goethestraße. Der imposante Kuppelbau hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Als Synagoge mit Betsaal und Räumen für Unterricht, Verwaltung und öffentliche Veranstaltungen wurde er 1913 bis 1916 erbaut. In dem Bau, der die alte Synagoge in der Großen Marktstraße ablöste, manifestierten die Architekten den gesellschaftlichen Rang eines selbstbewussten und wohlhabenden jüdischen Bürgertums. Bei den Pogromen im November 1938 wurde das Haus nicht völlig zerstört, weil die Nazis es als Kino und Theater zu nutzen gedachten. Dem Umbau nach der Schändung folgte in den 1950er Jahren die Umgestaltung zum städtischen Theater an der Goethestraße. Als eines der exklusivsten Veranstaltungshäuser im Rhein-Main-Gebiet wird das Capitol heute unter anderem für Konzerte und Kongresse genutzt. Das heutige Zentrum der Jüdischen Gemeinde befindet sich übrigens gegenüber an der Kaiserstraße. Kurz vor der Carl-Ulrich Brücke biegen wir links in den Nordring ein. Die Brücke ist benannt nach dem ersten hessischen Staatspräsidenten. Carl Ulrich hatte dieses Amt, das dem des heutigen Ministerpräsidenten vergleichbar ist, von 1919 bis 1928 inne. 1896 war Ulrich als erster SPD-Politiker in das Offenbacher Stadtparlament eingezogen. In seiner Zeit als Stadtverordneter bis 1918 erkämpfte er unter anderem eine Demokratisierung des kommunalen Wahlrechts.

Café Hafen 2: Biergarten mit Hafenpanorama

Am Nordring betreten wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite das frühere Hafengelände. Das Grundstück des Offenbacher Hafens ist derzeit das größte Entwicklungsareal im Rhein-Main-Gebiet in Wasserlage. Direkt am Fluss entsteht derzeit ein neues Quartier. Nur wenige Meter Richtung Frankfurt kehren wir zum Abendessen ein im Café Hafen 2: Stadtranderholung mit Hafenpanorama. Für Kinder gibt es auf der Wiese reichlich Spielmöglichkeiten und außerdem Schafe und Gänse zu bestaunen. Die Speisekarte umfasst kleine leichte Gerichte wie Sandwiches, Salate und Flammkuchen.
Kultur & Tourismus

Kulturzentrum Hafen 2

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