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Rapswiese im Sonnenschein
© Stadt Offenbach
Versiegelte Böden und dichte Bebauung, ein Hauch von Natur nur dort, wo wilde Gräser und Brombeerhecken über längst vergessenen Industriebrachen wuchern: Ein Ausflug rund um den Offenbacher Süden widerlegt schnell das häufig gehegte Vorurteil, der Gegend östlich von Frankfurt fehlten Landschaft und Grünzüge.

Von der Rodau zum Bieberbach

Beginnen wollen wir den etwa zehn Kilometer langen Streifzug an der S-Bahn-Station Mühlheim. Während der etwa sechsminütigen Fahrt aus Offenbach sehen wir aus dem Fenster kurz vor dem Bahnhof die Brücke über die Rodau. Hierher kehren wir zurück zu dem kleinen Fluss, der in Rödermark-Urberach entspringt und im Lorscher Codex im Jahre 786 erstmals erwähnt wurde. Von den einst zwölf Mühlen an seinem Lauf steht nur noch eine im Ortskern von Mühlheim. Sie kann nur einmal im Jahr zum Deutschen Mühlentag besichtig werden.

Wir folgen dem Fluss, dessen Ufer alleenartig Weidenbäume säumen, Richtung Süden. Dort wo eine Tafel an die erstmals 1576 erwähnte Hildebrandsmühle erinnert, mündet die Bieber in die Rodau. Über den Müllerweg folgen wir der Radwegbeschilderung nach links Richtung Lämmerspiel, um nach wenigen Metern in den Talweg abzubiegen. Schnell wird die Bebauung spärlicher, die Landschaft öffnet sich. Satte Wiesen und ein dicht bewachsenes Ufer prägen das Bild. Die Stadt Mühlheim hat erhebliche Mittel in die Renaturierung der Rodau investiert. Dreihundert Meter nach dem Passieren der Ulmenstraße verlassen wir den Weg nach rechts. Eine kleine Brücke führt über den Fluss. Direkt dahinter laden der Seerosenweiher oder die benachbarte Gaststätte „Zum Forsthaus“ zu einer kleinen Rast ein.

Der Seerosenweiher hat eine Wasserfläche von 2.000 Quadratmetern und ist zwei Meter tief. Einst wurde hier Lehm ausgehoben. Er wird nur durch Niederschläge gespeist und ist ein in sich geschlossenes Ökosystem. Seine Seerosen sind anthrogenen Ursprungs. Dank der Wasserqualität, der Pflanzen und Uferstruktur hat sich der Seerosenweiher zu einem Amphibienlaichgewässer entwickelt. In ihm leben Buntbarsche, die von "Tierfreunden" dort entsorgt wurden. Die heimische Fischfauna wird von einigen Karpfen repräsentiert. Der Blick auf den See lässt sich von vielen Bänken entlang des Ufers genießen. Schutz bietet ein kleiner Pavillon.
Neben der Gaststätte „Forsthaus“, die bereits im Jahr 1928 eröffnet wurde und in der dritten Generation geführt wird, lädt ein Biergarten mit Bäumen zur Rast ein. Das Restaurant bietet Hessische Schmankerln in einem guten Preis-Leistungsverhältnis und ist ab 11 Uhr geöffnet. Dienstag ist Ruhetag.

Nach der Rast führt der Weg vom Seerosenweiher aus direkt in den Mühlheimer Wald. Nach etwa einem Kilometer biegt eine gute befestigte Schneise nach rechts ab. Ein Schild weist Richtung Offenbach. Rasch ist der Bieberbach erreicht. Unter der kleinen Brücke verführt eine kleine Furt, die Füße in dem frischen und sauberen Wasser abzukühlen.

Die Bieber ist nur fünfzehn Kilometer lang. Ihre Quelle liegt in Götzenhain. Die Kaltluft aus der Bachaue sorgt an warmen Tagen für die notwendige Frische in Offenbach. In der Gemarkung Bieber durchfließt der Bach fast nur offenes Wiesen- und Ackerland. Das Tal ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

An der Kreuzung hinter der Brücke zeigt das Schild nach Offenbach. Ab der Käsmühl liegt wieder eine feste Teerdecke. Auf der rechten Seite erstrecken sich kleine Streuobstwiesen. Dort wo die Straße scharf nach rechts abknickt, lohnt barfuß ein Abstecher in die benachbarten Wiesen. Im Jahr 2007 hat die Stadt Offenbach entlang des Flusses begonnen Feuchtwiesen als wertvollen Lebensraum für Wiesenvögel, Libellen, Schmetterlinge und Heuschrecken, Gelbe Schwertlilie, Blutweiderich und das Breitblättrige Knabenkraut anzulegen.

Zurück über die Brücke orientieren wir uns auf der Straße in Richtung Bieber. Nicht nur dieser kleine Stadtteil von Offenbach verdankt seinen Namen dem Bach, sondern auch das Kickers Stadion auf dem Bieberer Berg, dessen Flutlichtmasten am Horizont aufragen. Nachdem die B 448 überquert ist, liegt links ein Friedhof. Auf einer benachbarten Hauswand vor seinem Haupteingang ist in verwitterter Schrift „Miniland“ zu lesen. Ein Blick durch das Tor oder über die Mauer zeigt eine riesige Garteneisenbahnanlage, leider seit Jahren außer Betrieb.

Streifzug durch Bieber

Ein dezenter Streifzug über den Bieberer Friedhof mit seinen vielen Kastanien lohnt. Wir gehen vom Haupteingang geradeaus bis an seine Ostseite, die der Bieberbach begrenzt. Am südöstlichen Ende können wir den Gottesacker durch eine kleine Tür verlassen und fahren über eine Brücke den Bach und quer über die Wiese zur Würzburger Straße. Ihr folgen wir in Richtung Bebauung, unterqueren die S-Bahn und erreichen nach wenigen Metern den Ostendplatz, den Mittelpunkt des kleinen Vorortes.

Ein Bummel durch den Stadtteil, der bis 1938 selbstständig war, empfiehlt sich. Im Ortskern um die St. Nikolaus Kirche stehen noch viele alte Fachwerkhäuser. Die katholische Kirche wurde im Jahr 1936 erbaut. Bereits seit 1270 standen auf dem Grundstück Gotteshäuser. Der Aussichtsturm am nördlichen Ortsrand kann nur an Sonn- und Feiertagen bestiegen werden.

Bieber ist aber auch ein Ort des Gastlichkeit, berühmt für seinen Kartoffelsalat, der nur mit Essig, Öl und Zwiebeln angemacht wird. Der kalkhaltige Boden ist schon immer gut für den Anbau von Äpfeln. Auf den Bieberer Feldern gibt es ausgediente Obstwiesen. So ist der Apfelwein, der noch in zwei Betrieben gekeltert wird, in dem Stadtteil besonders beliebt. Eine örtliche Spezialität sind der „Riwwel-“ und der „Quetschekuche“.

Die meisten Gaststätten mit regionaler Küche und schönen Biergärten öffnen leider erst gegen 16 Uhr. Erreicht die Tour erst zu dieser Zeit Bieber lohnt eine Einkehr beim Ittche Kaiser, Am Rebstock 21, im Wiener Hof, Langener Straße 21, oder im Grünen Baum, Langener Straße 9. Zur Mittagszeit können die Pizzerien Al Camino und Fantasia in der Aschaffenburger Straße empfohlen werden. Der Bieberbau, eine Vereinsgaststätte, hat einen kleinen Garten. Von dem Eissalon im Ortskern sagt man, er sei einer der besten in der Region Rhein-Main.
Wer später eine Rast machen möchte, dem sei ein Einkauf in einer der drei ortsansässigen Metzgereien empfohlen. Hier kommen viele Menschen aus der weiten Umgebung, auch weil die Wurstsemmel noch von Hand gemacht wird. Es sind die Metzgerei Spreng, Oberhofstraße 14, die Metzgerei Schmitt in der Aschaffenburger Straße und die Metzgerei Flegler, Von-Brentano-Straße 10.

Wir verlassen den Bieberer Ortskern über die Oberhofstraße in westliche Richtung. Nach dem Überqueren der Bremer Straße wird der Weg schmal. Bald sehen wir auf der linken Seite die Obermühle, ein rustikales Lokal mit Apfelwein-Charakter. Die Obermühle wurde in den Unterlagen des Zisterzienser-Ordens in Wien bereits 1280 das erste Mal urkundlich erwähnt. Im 30-jährigen Krieg brannte das Mühlengebäude ab, wurde dann wieder aufgebaut und besteht noch so bis heute. Das Lokal, Dienstag ist Ruhetag, öffnet an Werktagen um 17 Uhr, sonntags bereits gegen Mittag. Im Biergarten spendet der nahe Bieberbach abends Kühle. Für Kinder wurde hier ein kleiner Spielplatz angelegt.

Rund um die Obermühle hat die katholische Jugend Bieber sieben Schautafeln aufgestellt, die über die wechselvolle Geschichte der Gemarkung informieren. Zahlreiche Funde aus prähistorischer, römischer und fränkischer Zeit wurden im Umkreis gemacht. Grabungen deuten auf eine kontinuierliche Besiedlung vom ersten Jahrtausend vor Christus bis zur Römerzeit. Eisenschlackeschichten in Verbindung mit Gefäß- und Werkzeugfunden aus der Eisenzeit lassen auf eine Eisenverhüttung zur damaligen Zeit schließen.

Zwischen Bieber und Waldhof ist eine römische Villa Rustica und ein römisches Gräberfeld nachgewiesen. Römische Straßen durchzogen einst den Ort. Auch ein fränkisches Gräberfeld wurde entdeckt. Das Skelett eines etwa 11jährigen Mädchens ist vollständig erhalten und in der Dauerausstellung im Haus der Stadtgeschichte in Offenbach zu sehen. Eine in einem Grab gefundene Münze wurde um das 650 nach Christus geprägt.
Wir biegen auf der Höhe der Obermühle nach rechts von der Oberhofstraße ab und fahren über die verkehrsberuhigte Straße „Im Birkengrund“ und die Langener Straße Richtung Wald. Am Waldeck hat ab dem späten Nachmittag die gleichnamige Gaststätte geöffnet. Schräg gegenüber lädt im Wald eine Hütte zum Picknick ein.

Nach einer Rast geht es weiter auf dem Heusenstammer Weg. Etwa vierhundert Meter nach der Überquerung der Erich-Ollenhauer-Straße biegen wir links ab und durchfahren das so genannte Amerikawäldchen in Richtung Westen. Schnell ist die Obere Grenzstraße erreicht.

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Bieber - Stadtteil mit Geschichte

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Auf der Regionalparkroute bis zum Wetterpark

In der Oberen Grenzstraße beginnt gegenüber dem Wäldchen zwischen Kleingärten und Sportplatz die Regionalparkroute rund um Offenbach. Ihr folgen wir bis fast zu unserem Ziel im Westen der Stadt. Der Weg folgt hier einem alten Bachlauf, der heute aber meist kein Wasser mehr führt. Sein Ufer ist auf Initiative der Stadt renaturiert.

Nach wenigen hundert Metern ist auf der rechten Seite der Satellit im Wetterpark zu sehen. Zeit für ein gemeinsames familiäres Lernerlebnis. Was verraten die Wolken über das Wetter? Welche Form hat ein Regentropfen? Wie schwer ist Luft? Antworten auf diese Fragen lassen sich bei einem Spaziergang finden – durch den Wetterpark Offenbach. Inmitten Naturbelassener Wiesen und junger Baumhaine informieren zwölf Stationen der 2005 eröffneten Ausstellung über das Wetter und die Wetterbeobachtung. Besonders zu empfehlen ist der Aufstieg auf den kleinen Aussichtsturm. Der Blick über Frankfurt bis in den Taunus lohnt die Mühen auf den vielen Treppenstufen. Der Wetterpark, Haupteingang Buchhügelallee 400, ist eine öffentliche Parkanlage und kann täglich von 8 bis 22 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei. Ein Mal monatlich findet eine öffentliche Führung durch den Wetterpark statt.

In der benachbarten Kleingartenanlage lädt die Gaststätte „Zum Wetterpark“ zur Rast ein. Die Wirtschaft hat einen kleinen Biergarten mit Spielplatz. Auf der Speisekarte stehen nur wenige, meist einfache regionale, Gerichte. Das Haus wird aber wegen der guten Qualität zu niedrigen Preisen von vielen Offenbachern gerne besucht.

Die Fahrt führt dann weiter entlang der Regionalparkroute bis zum Hainbach. Er mäandert heute wieder durch Offenbachs Süden: neuer Lebensraum für Auen- und Wasserpflanzen und –tiere, neuer Erholungs- und Erlebnisraum für Jung und Alt. Jahrzehnte lang war der Bach in ein geradliniges Betonbett gezwängt. Die Stadt Offenbach hat ihn daraus befreit und renaturiert. Die Umweltdezernentin, Bürgermeisterin Birgit Simon, erhielt dafür von der Initiative „Grün in der Stadt“ der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) im Jahr 2007 die Auszeichnung „Projekt des Monats Oktober“.

Um der Natur bei der Rückeroberung des Baches auf die Sprünge zu helfen, erfolgte eine Ausweitung des Gewässerbettes, das Anlegen zusätzlicher Seitenläufe und Rückhaltebecken sowie verschiedener Beruhigungszonen, ergänzt durch das Abflachen der Uferböschungen. Schon im ersten Jahr nach der Renaturierung zeigten sich die ersten Pionierpflanzen wie der Gift-Hahnenfuß, die für Fließgewässer typisch sind oder die Rückkehr der Wasseramsel. Weitere typische Fließgewässer- und Auenpflanzen und –tiere werden nach und nach folgen und aus dem südlichen Teil des Hainbaches einwandern. Spaziergänger, Radfahrer und Rastende genießen das Plätschern des Baches und das erholsame Grün und Kinder nutzen ihn im Sommer für ihre Wasserspiele.

Der acht Kilometer lange Hainbach fließt im Stadtwald südlich Offenbachs noch naturnah als typischer Sandbach durch wertvolle Auenbereiche. Wir wollen wenigsten einen Teil dieser Uferlandschaft kennenlernen und folgen dem Gewässer flussaufwärts, vorbei an der Markeiche zum Parkplatz „Nasses Dreieck“ schräg gegenüber der Stadthalle westlich der Waldstraße. Am südwestlichen Ende des Platzes entdecken wir den Bach wieder und folgen durch den Wald seinem Lauf bis zum Zusammenfluss von Hainbach und Wildhofsbach. Der Forst ist Quell für viele kleine Rinnsale, die bei Regen aus allen Richtungen den Hainbach zu speisen scheinen. Auf dem Rückweg können wir mit geübtem Auge den Schäferborn zwischen den Bäumen entdecken, eine kleine eingefasste Quelle, einst ein beliebtes Offenbacher Naherholungsziel.

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Regionalpark RheinMain

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Auf zu den Weihern in Offenbach und Frankfurt

Der Ausflug führt vorbei an der Stadthalle zur Regionalparkroute zurück. Wir folgen dem Pfeil Senefelderstraße“. Dort nach etwa einem Kilometer ist ein Abstecher ins Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe möglich. Vis-a-vis des Bades liegt die Gaststätte Rosengarten. Der Betreiber ist ein Grieche wie an der Speisekarte unschwer zu erkennen ist. Hier genießt der Gast ebenso wie im Vereinslokal der SG Rosenhöhe am östlichen Ende der Sportplätze unter einladenden Kastanien eine ausgezeichnete Küche. Gern besucht wird auch das Vereinslokal des benachbarten BSC.

Zurück auf der Regionalparkroute fahren wir weiter Richtung Westen zwischen Ortsrand Lauterborn und der Kleingartenanlage bis zur Sprendlinger Landstraße. Sie überqueren wir in Höhe von Mc Donalds und fahren vorbei am Etap-Hotel, immer geradeaus bis zur Hergenröderstraße. Hier biegen wir links ab und unterqueren die Autobahn. Hinter der Schnellstraße beginnt der Wald und nach zwei Minuten entdecken wir den Buchrainweiher. Mutige, die das Abenteuer „Großstadt“ nicht scheuen, umfahren diesen See und folgen dem Bachlauf bis zum Maunzenweiher, an dessen nördlichem Ufer das Frankfurter Stadtgebiet beginnt.
Auf Frankfurter Boden freilich lässt sich, aber nur an diesem einen Ort, besser rasten als auf Offenbacher Gemarkung. Der Grund: am benachbarten Buchrainweiher auf Offenbacher Gemarkung trüben die Geräusche der nahen Autobahn das Naturerlebnis. Der Maunzenweiher, gesäumt von Bäumen mit einem kleinen Steg auf dem Wasser, ist Idylle pur. Und mancher Offenbacher mag sich beim Ausruhen hier schon fragen „Womit hat Frankfurt dieses schöne Fleckchen verdient“?

Zurück führt der Ausflug über die Hergenröderstraße immer geradeaus über den Buchrainweg zum Isenburgring. Er ist Teil des Grünzugs, der den südlichen Rand der Offenbacher Innenstadt markiert. Folgen wir der Allee Richtung Bahnlinie, sehen wir auf der rechten Seite das Vereinslokal des Offenbacher Tennisclubs. Auf seiner Terrasse kann bei einem leichten Essen und einem guten Glas Wein oder einem Weizenbier ein erlebnisreicher Tag ausklingen.