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Landkarte mit markierter Waldroute
© Stadt Offenbach

„Ich ging im Walde
so vor mich hin und
nichts zu suchen,
das war mein Sinn.“
Johann Wolfgang von Goethe

Beim Spaziergang die Seele baumeln lassen und Erholung finden von der Hektik des Alltags. Dafür bietet der Wald eine wunderbare Umgebung. Gerade in Offenbach, wo Wald ein Drittel des Stadtgebiets einnimmt. In Offenbach führen viele Wege in den Wald und sie sind selten lang.
Nicht nur für das menschliche Wohlbefinden ist der Wald wichtig. Auch als Umweltfaktor spielt er eine große Rolle. Er trägt als Wasserspeicher zum Hochwasserschutz bei und verhindert die Bodenerosion. Luftverschmutzung wird ausgefiltert und Lärm vermindert. Die 22 Kilometer lange Waldroute verspricht Spaziergängern und Fahrradfahrern interessante naturkundliche und kulturgeschichtliche Entdeckungen. Grüne Markierungspfosten mit dem Logo der Waldroute weisen den Weg zu 25 Sehenswürdigkeiten und lenken den Blick auf kulturhistorische Landschaftselemente und Naturaspekte. Die Route zeigt Zeugnisse Offenbacher Siedlungsgeschichte wie Hügelgräber und Siedlungsplätze, aber auch auf interessante Bäume, Bäche und Täler. Außerdem werden die fünf Waldbereiche erklärt, die die Waldroute von West nach Ost durchquert.
Beginnend am Fuße der Laska-Brücke am Lämmerspieler Weg berührt die Route nacheinander den Lohwald, den Bieberer Wald, den Hess. Staatsforst, den Offenbacher Wald und den Frankfurter Stadtwald. Endpunkt ist in der Nähe des OTC in der Helene-Meyer-Straße.

Sehenswürdigkeiten an der Waldroute Offenbach

1. Frankfurter Stadtwald

Die Waldstücke östlich der A661, Offenbach zugewandt, sind Teil des Frankfurter Stadtwalds. Auf feuchten, nährstoffreichen Böden mit hohem Sandanteil wächst ein artenreicher Mischwald. Die nördlichen 20 Hektar großen Waldabteilungen tragen den Namen "Eichlehen". Die alten, stattlichen Eichen wurden um 1845 gepflanzt. Nicht viel jünger sind einzelne Hainbuchen, Buchen, Eschen, Ulmen, Kiefern und nordamerikanische Weymouths-Kiefer. Zwischen den älteren Bäumen stehen junge Buchen. Der Frankfurter Stadtwald dient ausschließlich dem Klimaschutz und der Erholung.

2. Buchrainweiher

Am Buchrainweiher wurde 1979 eine 11 Zentimeter hohe Merkurstatuette gefunden. Sie könnte eine Opfergabe oder ein Talisman gewesen und zur römischen Zeit im Weiher versenkt worden sein, Der dargestellte Jüngling trägt einen geflügelten Helm, einen Lorbeerkranz und in der Hand wohl einen Geldbeutel: Attribute des Götterboten Merkur. Es war ein populärer römischer Gott, war er doch gleichermaßen zuständig für Handel, Kaufleute, Ertrag und Reichtum wie für Diebe und Betrüger. Die kleine Statue kann im Haus der Stadtgeschichte besichtigt werden.

3. Bombentrichter

Die im Gebiet verstreut liegenden runden Vertiefungen mit einem Durchmesser von bis zu 10 Metern sind Bombentrichter aus dem 2. Weltkrieg. Im Wald südlich von Offenbach wurde wie andernorts außerhalb der Siedlungsflächen eine "Scheinflakstellung" eingerichtet, welche alliierte Bombenverbände ablenken und täuschen sollte. Die große Ansammlung von Bombentrichtern ist der Beweis für einen gewissen Erfolg dieser Verteidigungsstrategie, wenngleich die massiven Zerstörungen in der Stadt nicht verhindert werden konnten.

4. Alter Hegwald

Die mit 104 bekannten Grabhügeln größte vorgeschichtliche Grabhügelgruppe auf Offenbacher Stadtgebiet erstreckt sich von hier aus in nördlicher Richtung entlang der Langschneide im Forstdistrikt "Alter Hegwald". Grabfunde weisen auf die Hallstattzeit (800 bis 450 v. Chr.) hin. Kelten waren wohl die ersten Siedler im Offenbacher Raum (800 bis 50 v. Chr.). Ihre Siedlungen entstanden entlang dem bedeutendsten Fernweg vom Mainzer Rheinübergang über Kelsterbach und Offenbach zum Steinheimer Mainübergang. Zahlreiche Grabhügelgruppen im Frankfurter und Offenbacher Wald und an der Käsmühle kennzeichnen noch heute ihren Verlauf. Die dortigen Laubmischwälder boten sowohl für Hirten- wie für Jägervolk einen günstigen Lebensraum. Der Namensbestandteil "Heg" erklärt sich daher. Einige der Grabhügel haben noch ansehnliche Dimensionen, andere sind dagegen zerstört und abgetragen.

5. Staatswald

Der Staatswald/ Forst Offenbach ist Eigentum des Landes Hessen. Hier wachsen hauptsächlich alte Kiefern, zusammen mit jüngeren Buchen. Vorrangiges Ziel ist eine ökonomisch, ökologisch und sozial ausgewogene, nachhaltige Waldbewirtschaftung. Die Umsetzung ist nicht immer einfach. Häufig stehen die Nutz-, die Schutz- und die Erholungsfunktion des Waldes in Konkurrenz zueinander. Inzwischen wird der Waldaufbau nicht mehr nach vordergründig wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrieben. Der ökologische Wert, besonders der Buche, kann im Ballungsraum Rhein-Main gar nicht hoch genug gewichtet werden. So produziert eine Buche täglich 20 kg Sauerstoff und absorbiert gleichzeitig 20 Kg Kohlendioxid.

6. Wildhof

Das Ausflugslokal Wildhof erreicht man nach circa 3 Km. Als Jagdhaus vor rund 300 Jahren gebaut gehörte es ehemals dem Deutschherrenorden. der umgebende Wald bildete zusammen mit dem Hainbachwald das Jagdrevier. Aus Anlass der Krönung Joseph II. zum deutsch-römischen König im Frankfurter Dom 1764, verweilte Kaiser Franz I. auf dem Wildhof und traf dort den betagten Landgrafen Ludwig von Hessen. Im 2. Weltkrieg befand sich auf dem Weg zum Wildhof östlich der Autobahnbrücke eine Scheinflakstellung. Deren Trasse war angefüllt mit brennbaren Stoffen und Pechfässern, die elektrisch zu zünden waren. Durch Feuer und falsch gesetzte Zielmarkierungen mit Rauchzeichen sollten die alliierten Fliegerverbände irregeführt werden. Sie sollten ihre Bombenlast auf unbewohntem Gebiet abwerfen und die eigentlichen Siedlungsgebiete schonen. Teilflächen der Scheinflak wurden nach dem Krieg mit der Autobahn A3 überbaut.
Stele an der Station Weißes Kreuz
© Stadt Offenbach

7. Weißes Kreuz

In überwiegend katholischen Gegenden sind sie heute noch häufig anzutreffen: Wegkreuze, Steinkreuze und Bildstöcke zeugen von der Frömmigkeit unserer Vorfahren, manchmal auch von Dankbarkeit. Zudem dienten sie Reisenden und Händlern als Wegweiser in einer Zeit, als Wege schlecht und größtenteils nicht befestigt waren. Das weiße Kreuz markierte einst die Kreuzung zweier historischer Straßen: die Verbindung in südöstlicher Richtung von Frankfurt über Heusenstamm nach Aschaffenburg traf hier auf die südwestliche Verbindung von der Mainüberquerung bei Steinheim über Bieber und Sprendlingen bis zum Rheinübergang bei Mainz Weisenau. Das heutige Kreuz wurde 1926 von Offenbacher Wandervereinen gestiftet.

8. Alter Siedlungsplatz

Auf einer Anhöhe hier am Hainbach wird eine Siedlung aus der Eisenzeit vermutet. Die dortigen Laubmischwälder auf tertiären Kalkschichten und rotliegenden Böden boten sowohl für Hirten- wie für Jägervölker einen günstigen Lebensraum. Seitdem zeigen archäologische Funde aus allen Epochen Besiedlung des Gebietes. Dennoch ist es nicht immer möglich, die Spuren früheren Lebens eindeutig zuzuordnen und die Ausdehnung der historischen Siedlungen zu erfassen. Eindeutig ist aber, dass südöstlich vom Stadtteil Bieber die ältesten Besiedlungsplätze des prähistorischen Ortes Bieber liegen.

9. Bäche und Gräben

Die landwirtschaftliche Gliederung der Stadt Offenbach ist viel stärker durch Talräume und Gewässer geprägt als es den Anschein hat. Die meisten sind innerhalb des Stadtgebietes völlig verrohrt. Draußen im Wald hingegen lassen sich die Talräume ablesen. Im Verlauf der Waldroute begegnet man von Weste und Osten dem Buchraingraben, dem Hainbach und der Bieber. Während das Quellgebiet des Buchraingrabens im Frankfurter Stadtwald liegt, entspringt der Hainbach jenseits der Offenbacher Stadtgrenze am Dreiherrenstein in Gravenbruch. Von dort bewegt er sich naturnah und mäandernd in einem eingesenkten Bachbett. Durch die Renaturierung auf großen Streckenabschnitten fließt er heute als naturnaher Bach bis an den Spessartring. Die Bieber entspringt "Am grünen Born", nahe Dreieich und führt über Dietzenbach und Heusenstamm zum gleichnamigen Stadtteil Offenbach-Bieber. Durch die Bieberer Gemarkung an der Käsmühle nimmt der Bach seinen Weg weiter in Richtung Mühlheim und mündet dort in die Rodau.
Reiss-Eiche
© Umweltamt

10. August-Reiß-Eiche

Auf dem Weg über die Brücke erreicht man in der Nähe der Pechschneise die August-Reiß-Eiche. Sie ist mit Gebüsch umwachsen. Der mehrere Meter dicke Stamm mit einem Durchmesser von fast 2 m und einer Höhe von über 40 m verrät den Baum. er gilt als älteste Baum Offenbachs. Die um 1590 gepflanzte stattliche Eiche ist als Naturdenkmal ausgewiesen. Benannt wurde sie nach dem Förster August Reiß, der zwischen 1874 bis 1927 die Forstinspektion der "Fürstlichen Isenburgischen Waldungen" innehatte.

11. AWO-Hainbachtal

Auf dem im Stadtwald befindlichen Gelände betreibt die Offenbacher Arbeitswohlfahrt neben der Gastronomie die gemeinnützigen Werkstätten Hainbachtal, die behinderten Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen. Die Werkstätten wurden in den 1970er Jahren gegründet und stellen Arbeitsangebote in den Bereichen Gastronomie, Einzelhandel, Gärtnerei, Wäscherei, Montage, Schreinerei, u.a. zur Verfügung. Mit mehreren 100 behinderten und nicht-behinderten Mitarbeitern zählen sie zu den größeren mittelständischen Unternehmen in Stadt und Landkreis Offenbach. Aus der im Jahre 1919 als Teil der Arbeiterbewegung entstandenen Arbeitwohlfahrt hat sich im Laufe ihrer Existenz eine moderne Wohlfahrtsorganisation entwickelt, die auf allen Feldern der sozialen Arbeit tätig. In Offenbach kümmern sich über 120 festangestellte und ehrenamtliche Tätige um das Wohlergehen von Offenbacher Bürgern.

12. Hainbachskopf

Die 50 Grabhügel am Hainbachskopf befinden sich beidseitig des Müllerwegs. Die ältesten Gräber dürfte der mittleren Bronzezeit (1600 bis 1300 v. Chr.) zuzuordnen sein. Durch spätere Nachbestattungen kam es oftmals zu erneuten Erhöhung oder seitlichen Aufschüttungen. Grabhügel sind immer ein Hinweis auf menschliche Ansiedlungen.

13. Offenbacher Stadtwald

Der Offenbacher Stadtwald befindet sich im Eigentum der Stadt Offenbach. Er wird seit mehr als 300 Jahren forstwirtschaftlich genutzte und von der Revierförsterei Offenbach betreut. Drei Waldarbeiter kümmern sich vor Ort um den forstwirtschaftlichen Betrieb. Auf den 1258 Hektar großen Waldflächen wachsen mit einem Anteil von 56 Prozent Kiefern. Sie sind an die sandigen, mal feuchten und mal trockenen Standorte im Offenbacher Stadtwald am besten angepasst. Weitere Baumarten sind mit 30 Prozent die Buche und mit 12 Prozent die Eiche. Im Offenbacher Stadtwald spielt die Naherholung eine wichtige Rolle und es gibt Ruhebänke, Wanderwege , Reitwege und Gaststätten.

14. Die Bieber

Die rund 17 Kilometer lange Bieber entspringt bei Dreieich-Götzenhain am Ausläufer des Messeler Hügellands. Mit wertvollen Nass- und Feuchtwiesen ist die Bachaue ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet. Den gleichnamigen Offenbacher Stadtteil durchfließt die Bieber unterirdisch, bevor sie in Mühlheim in die Rodau einmündet. Einem Landwirt fiel 1979 bei m Pflügen eine Ansammlung von Kalksteinen auf, Nach genauer Untersuchung erwiesen sie sich als Teile eines Brandgrabens, in dem Tote nach ihrer Verbrennung bestattet wurden. Das Gräberfeld Struthäcker aus der späten Bronzezeit (1200 -750 v. Chr.) und jüngeren Eisenzeit (450 v. Chr. - Christi Geburt) wurde freigelegt. Eine Besonderheit war der Fund eines gut erhaltenen Amuletts aus der späten Bronzezeit in einer Steinkiste. Dem aus einem Bronzedraht kunstvoll geformten 1,8 mal 4,5 Zentimeter großen Amulett in menschenähnlicher Gestalt wurden glückbringende und gefahrenabwehrende Kräfte zugeschrieben.

15. Erlensteg von Bieber

Geschützt ist das Naturschutzgebiet "Erlensteg von Bieber" wegen seiner wertvollen Feuchtwiesen, den mit Sauergräsern bewachsenen Uferbereichen und wegen den seltenen Waldgesellschaften und Brachen. Das Gebiet ist ein Lebensraum von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. In der offenen, feuchten Wiesenlandschaft wächst beispielsweise das Breitblättrige Knabenkraut, eine lila blühende Orchidee. Im südlichen, bewaldeten Teil wird das Naturschutzgebiet von der Bieber durchflossen. Die sie begleitenden naturnahen Erlenbruchwälder zählen zu den ökologisch wertvollsten Teilen des rund 70 Hektar großen Gebietes, das 1996 unter Naturschutz gestellt wurde.

16. Alte Römerstraße

Der in 50 Meter Entfernung schräg in den Bieberer Wald abgehenden Weg geht auf römischen Ursprung zurück. Im Wald kann man alte Pflastersteine entdecken, deren Herkunft aber noch ungeklärt ist. Zwischen Waldhof und Bieber sind eine "Villa rustica" sowie ein Gräberfeld nachgewiesen. Als "Villa rustica" bezeichnet man ein Landgut im Römischen Reich. Sie lag unweit einer alten Römerstraße und war Mittelpunkt eines landwirtschaftlichen Betriebs. Innerhalb eines ummauerten Hofs lagen meist ein Hauptgebäude und mehreren Wirtschafts- und Nebengebäude. Bewirtschaftet wurden die Gutshöfe von Armeeangehörigen.

17. Bieberer Wald

Der Bieberer Wald gehörte bis zur Eingemeindung im Jahr 1938 zu Bieber. Er erstreckt sich von der Bahnlinie südlich bis an die A3 und ist der Rest eines Waldgürtels, der die Rodungsinsel Bieber jahrhundertlang umgab und von den umgebenden Siedlungen trennte. Der Wald bestand ehemals aus 4/5 Laubwald, vorherrschend Buche und Eiche. Durch die bis 1819 dauernde Zugehörigkeit zur Biebermark, in der die Markgenossen den Wald oft ausnutzten, ohne sich um due Wiederaufforstung zu kümmern, waren die Böden unfruchtbar und verödet. Um 1800 wurde mit dem großflächigen Anbau der schnellwüchsigen Kiefer begonnen, die auf den verwüsteten Markwäldern am besten gedieh und im Vergleich zu Laubhölzern den größeren wirtschaftlichen Erfolg versprach.

18. Waldhof

Der an der Waldroute gelegene Stadtteil Waldhof war bis zur Eingemeindung nach Offenbach 1938 ein Teil der ehemals selbstständigen Gemeinde Bieber. Der Name "Waldhof" geht auf den "Gutshof Waldhof" zurück, den der Frankfurter Bürger Bertarelli 1829 bauen ließ. Der Gutshof war sozusagen ein Hof im Wald. Von dem Hof ist nichts mehr vorhanden, er wurde 1944 zerstört. Das Wohngebiet aus den 1970er Jahren, in dem etwa 4000 Menschen leben, ist noch heute im Norden und Süden in den Wald eingebettet.

19. Mühlheimer Wald

Wie der benachbarte Bieberer Wald war auch der Mühlheimer Wald Teil der Biebermark und zeigte die gleichen Verwüstungen. Bei ihrer Auflösung fielen große Teile an die Stadt Mühlheim. Heute sind 753 Hektar mit Wald bewachsen. Wichtigste Baumart ist auch hier die Kiefer. Nebens einer Bedeutung für die Erholung ist der Mühlheimer Wald wichtig für Boden, Wasser und Luft. Er trägt als Wasserspeicher zum Hochwasserschutz bei und verhindert Bodenerosionen. Luftverunreinigungen werden ausgefiltert und Lärmbelästigungen vermindert.
Flammkuchen und ein Steinkrug mit der Aufschrift "Zur Käsmühle"
© Stadt Offenbach

20. Käsmühle

Die Käsmühle wurde urkundlich erstmalig 1576 erwähnt. Wasser des zur damaligen Zeit angelegten Mühlgrabens trieb die Mühlräder an. Gemahlen wurde Getreide, Hirse wurde geschält. Um 1801 wurde die Mühle um einen so genannten Kollergang zum Quetschen von Leinsaat, Raps und Ölfrüchten erweitert. Dies war wichtig, da es in den umliegenden Orten keine weiteren Ölmühlen gab. Flachs und Leinen waren zur Produktion von Farben und Holzschutzmitteln aus Leinölbasis wichtige Rohstoffe. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde erstmals eine Gastwirtschaft in der Mühle eingerichtet. Sie ist heute ein beliebtes Ausflugslokal. Auf der linken Seite, 50 Meter entfernt von dem grünen Holzpfosten mit der Nummer 20, sind Reste eines historischen Kalkbrennofens gefunden worden. Die Fundamente von zwei Brennöfen und eine große Zahl von Kalksteinbrocken weisen auf diese Produktionsstätte hin. Die Herstellung von Branntkalk aus Kalkstein gehört zu den ältesten technischen Produktionsverfahren. Bei Temperaturen zwischen 900 und 1200 Grad Celsius wurde der Kalkstein zunächst gebrannt und anschließend mit Wasser weiterverarbeitet. Das Ergebnis war ein vielseitiger Baustoff wie zum Beispiel Kalkfarbe, Kalkmörtel oder hydraulischer Kalk. Als Brennstoffe wurden ursprünglich Holz, Torf und Kohle eingesetzt.

21. Rodgauer Landwehr

Auf Reste eines langgezogenen, niedrigen Walls stößt man, wenn man dem schmalen Pfad in den Wald hinein folgt. Alte Eichen deuten auf das kulturhistorisch bedeutende 1435 erstmalig erwähnte Bodendenkmal hin. Im Frühling blühen hier Buschwindröschen und Lerchenspron. Hitsorische Grenzsteine der Landwehr findet man aber nicht mehr. Landwehren wurden bis ins späte Mittelalter hinein zur Abgrenzung der Herrschaftsbereiche beziehungsweise zur Abgrenzung von Feld- und Waldfluren angelegt. Sie verhinderten das ungewollte Eindringen von Mensch und Tier. Die einfachste Anlage bestand aus dichten Hecken. Diese konnten zusätzlich auf einem Wall angelegt sein. Mittels ergänzend angelegter Gräben ergab sich ein kaum zu überwindender Schutzwall. Die Rodgauer oder Kurmainzer Landwehr verläuft von Rodgau kommend an Rembrücken oder Heusenstamm vorbei durch Bieber zum Main zwischen Rumpenheim und Mühlheim.
Wappen der Stadt Offenbach
© Stadt Offenbach

22. An den Eichen

Auch der Offenbacher Stadtteil Waldheim liegt nahe der Waldroute. Die Lage der Siedlung am Wald ist für namensgebend für Waldheim gewesen. 1911 wurde die Landhauskolonie Waldheim gegründet. "An den Eichen" ist ein neuer Stadtteil. Er liegt nur 200 Meter entfernt und ist Zuhause für rund 1200 Menschen. Die Eiche ist ein Symbol der Stadt Offenbach. Das Stadtwappen symbolisiert einen silbernen Eichenbaum mit fünf Eicheln auf blauem Grund. Es nimmt Bezug auf den ehemaligen Reichsforst Dreieich (Drei-Eichen), zu dem Offenbach und das halbe Rhein-Main-Gebiet im Mittelalter gehörten.

23. Alte Grenze

In Blickrichtung, rund 300 Meter entfernt, markieren einige noch übrig gebliebene Schlehen und behauene Steine eine wichtige früherer Grenze. Bis 1866 verlief dort die Grenze zwischen Kurhessen und dem Großherzogtum Hessen. Die auf den Grenzsteinen mit rotem Sandstein gemeißelten Buchstaben "GH" und "KH" stehen für "Großherzogtum Hessen" und "Kurhessen". Zur Unterscheidung von der durch Napoleon zum Großherzogtum Hessen erhobenen vormaligen Landgrafschaft Hessen- Darmstadt wurde die ehemalige Landgrafschaft Hessen-Kassel in der Folge als "Kurhessen" bezeichnet. Das Großherzogtum gilt deshalb als Vorgänger des 1945 gegründeten Bundeslandes Hessen.

24. Schneckenberg

Beim Schneckenberg handelt es sich um eine künstliche Erhöhung, die mit 179 Meter über Normalnull als höchster Punkt Offenbachs gilt. In diesem Gebiet, zu dem auch der Bieberer Berg gehört, gibt es zahlreiche Kalklagerstätten. Hier hat sich in den vielen Jahrzehnten ein kalkreicher Humus gebildet und es wächst ein wärmeliebender Eichenmischwald mit zahlreichen, für diese Gegen seltenen Pflanzenarten und Pilzen. Es ist zu vermuten, dass schon die Römer auf dem Schneckenberg Kalksteine abbauten. Der umfangreichste Kalkabbau geschah von 1947 bis 1962 von der Firma Grix. Dem massiven Auftreten von Weinbergschnecken in den alten Gruben des Kalkwerks hat wohl der Berg seinen Namen zu verdanken. Die 18 Meter tiefe Grube wurde später mit Abfällen verfüllt. Umfangreiche Sanierungsarbeiten wurden 2005 abgeschlossen. Zum Schutz des erreichten Sanierungszustands ist die Fläche abgesperrt.

25. Lohwald

Der 134 Hektar große Lohwald gehörte bis 1942 zu Rumpenheim, das damals nach Offenbach eingemeindet worden war. Im Lohwald treten kalkige Reste alter Meeresablagerungen an die Oberfläche. Von Natur aus wächst auf diesen Stadtorten ein lichter, wärmeliebender Buchenwald. Der Name deutet darauf hin, denn das althochdeutsche Wort "löh" bedeutet "Hain, Lichtung, Gebüsch". Für ein stärkeres Vorkommen von Eichen spricht, dass der Begriff Lo (später "Lohe") auch für die Eichenrinde verwendet wurde. In mittelalterlichen Eichenwäldern wurde die Rinde der Stieleichen abgeschält, um damit Leder zu gerben. Die Lohgerberei war eine Vorstufe zu der in Offenbach verbreiteten Lederwarenherstellung.