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Sechs Fotografen mit dem Buch
Die Fotografen hinter den "Offenbach Ansichten" v.l.n.r.: Wolfgang Günzel, Paul Belba, Matthias Rückel, René Spalek, Peter Voigt und Hans-Jürgen Herrmann © Onlineredaktion
Baustellen, Brachen, Brandwände, Geschäfte, Menschen, vor allem aber Dokumentation von Veränderung. Denn vieles im Bildband „Offenbach Ansichten“ gehört morgen vielleicht schon wieder der Vergangenheit an: sechs Fotografen haben in den letzten Monaten die Stadt durchstreift und in ihren Facetten ausgelotet. Herausgekommen ist eine Bestandsaufnahme Offenbachs jenseits der Postkartenidylle, ein lebendiges Porträt der Stadt mit allen ihren Ecken und Kanten, ihren Brüchen im Aufbruch.

„Die Idee für einen Bildband gab es schon lange“, berichtet Stefan Gey von der Druckerei Berthold. Eigentlich ein produzierender Betrieb, publiziert das Haus neben dem regelmäßig erscheinenden Offenbach Kalender in unregelmäßigen Abständen Bücher in den „Offenbacher Editionen“. Der jetzt veröffentlichte Bildband gibt auf 168 Seiten unterschiedlichen Positionen Raum und schaut, so Lothar Braun, Offenbacher und Autor, hinter die klassischen Postkartenmotive: „Hier sieht man, wie Offenbach lebt und nicht wie es sich darstellt.“ Eben kein Büsing-Palais, kein Rumpenheimer-Schloss, keine pittoresken Fassaden, weder Renaissance noch Bauhaus, sondern Stadtansichten im hier und heute.

Er habe sich beim Fotografieren vor der eigenen Haustür neu annähern, das Distanzproblem überwinden müssen, berichtet Fotograf René Spalek, der die Stadt schon länger fotografisch dokumentiert. „Stadt, Land….Haus“ nennt er die in zufälliger und spielerischer Manier entstandene Reihe, die die Stadt in wenigen Aufnahmen neu vermisst.
Weniger zufällig, sondern aufgrund der verwendeten analogen Technik wohlüberlegt sind die Bilder von Peter Voigt, der „Undingen am Wegesrand“ nachgegangen ist. Einen Perspektivwechsel macht Matthias Rückel: von oben oder von unten fotografiert eröffnen seine Bilder eine neue Sicht auf die Silhouetten der Stadt.
Einen Schritt weiter geht Paul Belba: der Autodidakt startete 2012 gemeinsam mit Lilian Landesvatter den Offenbach- Blog www.clickonoff.de und hat sich mit der Kamera auf die Suche nach interessanten Geschichten gemacht. Dabei ist er nicht vor Fassaden stehengeblieben, sondern hat die Läden und Geschäfte alteingesessener Familienbetriebe betreten.
Auch Wolfgang Günzel ist mit der Digitalkamera durch die Straßen gezogen, hat Menschen beobachtet und auf den Auslöser gedrückt. Hans-Jürgen Herrmann hingegen machte sich 2013 erneut mit seiner Kamera auf und besuchte die Orte, die er bereits 1994 anlässlich des 40. Großstadtjubiläums Offenbachs aufgenommen hatte. Sofern sie noch vorhanden oder frei zugänglich waren. In den schwarz-weiß Aufnahmen korrespondieren Orte wie die Synagoge, der Lili-Tempel oder die Mülldeponie Grix gestern und heute: „Trotz des relativ geringen Zeitabstandes“, meint Herrmann, „sind die Bilder schon jetzt historisch.“

„Offenbach Ansichten“, 168 Seiten mit 135 Abbildungen, ist erschienen in der Reihe „Offenbacher Editionen“ und zum Preis von 49,00 EURO im Buchhandel erhältlich.