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Linking Leather
© hfg Offenbach
Das Deutsche Ledermuseum feiert 2017 sein 100-jähriges Bestehen. Im Jahre 1917 wurde das Museum von Hugo Eberhardt in der einst florierenden Lederstadt Offenbach am Main als Sammlung von historischen Vorbildern für die Ausbildung junger Gestalter, Handwerker und Lederwarenproduzenten gegründet.

Bis heute konnten mehr als 30.000 Objekte aus allen Kulturen und Epochen zusammengetragen werden. Damit ist das Deutsche Ledermuseum das weltweit einzige Museum, das ausschließlich alles rund um das Material Leder und artverwandte Materialen sammelt und präsentiert. In jüngster Zeit werden auch vermehrt alternative Lederersatzstoffe einbezogen.

Buchrücken
Bucheinbände der Kunstgewerbeschule, Detail, Ignatz Wiemeler (Entwurf) und Otto Fratscher (Ausführung) © DLM/C. Perl-Appl

Multimediale und interaktive Ausstellung

Im Jubiläumsjahr präsentiert das DLM bewusst gegensätzlich angelegte Ausstellungen, die auf die Bandbreite des Museums aufmerksam machen sollen, sowie ein umfassendes Rahmenprogramm. Sie laden ein, die Vielfalt des Materials Leder und die Qualität der Sammlungsobjekte neu zu entdecken. Linking Leather – Die Vielfalt des Leders ist eine multimediale, interaktive Installation, die mit modernsten Mitteln der Technik arbeitet. Die Ausstellung im September wird die heraus­ragenden Objekte, über welche das Deutsche Ledermuseum verfügt, – zum Teil noch verborgen in den Magazinen – in den Mittelpunkt stellen.

Besteckfuteral aus Rochenhaus
Besteckfutteral © DLM/C. Perl-Appl

Neuausrichtung des Museums

Beide Ausstellungen zeigen, wie die Neuausrichtung des Museums aussehen soll und welche Vorstellungen es über die Zukunft des Museums gibt. Dabei dreht sich alles, wie könnte es anders sein, um das Thema Leder. Dazu gehört auch, die verschiedenen Sammlungsbereiche – die Angewandte Kunst, die Ethno­­logie und das Deutsche Schuhmuseum – in Präsentationen immer wieder neu zu kombinieren und zu interpretieren, um anhand der Kulturgeschichte des Leders die Menschheitsgeschichte global zu veranschaulichen.

Linking Leather
© DLM/C. Perl-Appl

Ein Jubiläumsjahr mit zwei Ausstellungen und Rahmenprogramm

Linking Leather – Die Vielfalt des Leders vom 17. März bis 22. Oktober 2017

Zum Auftakt präsentiert das Museum ab dem 17. März 2017 die Ausstellung Linking Leather – Die Vielfalt des Leders, eine multimediale, interaktive Installation, die sich ganz dem Material Leder widmet und dieses auf neue Weise erfahrbar macht.

Leder ist einer der ältesten Werkstoffe der Menschheit, der von allen Ethnien, von Urzeiten bis heute zum Schutz und zu unterschiedlichstem Gebrauch wie auch zum Schmücken und Verzieren genutzt wird.

Was sind die bekanntesten Gerbverfahren, und seit wann werden sie angewandt? Welche unter­schiedlichen Arten von Leder gibt es? Welche veganen Lederalternativen werden heute angeboten, und wie steht es in der Lederindustrie um das Thema Umweltschutz? Diese und andere Fragen werden auf spielerisch-interaktive Weise in der Ausstellung aufgegriffen und erklärt. Rindleder, Lamm­leder, Nubuk, Velours oder Lederimitat aus Ananasblättern – der Vielfalt sind kaum Grenzen gesetzt. Lederarten unterscheiden sich nicht nur in ihrem Ausgangsmaterial, der Tierhaut, sondern auch in der Gerbmethode, die eine unterschiedliche Optik und Haptik entstehen lässt.

In der interaktiven Installation haben die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, sich mit der Herkunft und den Charakteristika von Leder vertraut zu machen. Vier multimediale Themeninseln geben Einblick in die Geschichte der Lederherstellung, in die verschiedenen Verarbeitungsmethoden und in eine Vielzahl von Lederarten. An verschiedenen Stationen können über Gestensteuerung Texte und Bilder aufgerufen werden, durch die sich assoziativ weitere Inhalte erschließen. So werden nach und nach verschiedene Lederarten und -techniken in einen größeren Kontext eingebunden und erklärt. Die multimediale Ausstellung mit mehreren Projektionsflächen wird durch das Heran­treten des Besuchers aktiviert. Daneben lädt eine Fühlstation dazu ein, Lederarten zu berühren und in ihrer Vielfalt kennenzulernen.

Die Ausstellung des Deutschen Ledermuseums wurde in enger Kooperation mit Prof. Frank Zebner und den Studierenden des Design Innovation Institute Offenbach, an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach, entwickelt und umgesetzt. Die Zusammenarbeit startete mit dem erfolgreichen interaktiven Lichtprojekt Leder ans Licht! anlässlich der Luminale 2016 in Frankfurt und Offenbach.

„Die Präsentation ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Umwandlung des Deutschen Ledermuseums in ein Museum des 21. Jahrhunderts und dient als Versuchsfeld für die Einbettung modernster Medien bei der zukünftigen Neuausrichtung des Museums. Hier werden zum einen neueste Techniken eingesetzt, zum anderen werden die Besucherinnen und Besucher eingeladen, die verschiedenen Lederarten über alle Sinne zu erleben, um dieses wunderbare Material auf neue Weise kennenzulernen“, so Dr. Inez Florschütz, Direktorin des Deutschen Ledermuseums.

100 Jahre Deutsches Ledermuseum (1917-2017) vom 16. September 2017 bis 30.Dezember 2018

In der zweiten Ausstellung im Jubiläumsjahr stehen herausragende Sammlungsobjekte mit ihrer individuellen Geschichte und Beschaffenheit im Zentrum. In jedes Objekt, gleich welcher Ethnie oder Herkunft, ist die Entstehungszeit und Kulturgeschichte gleichsam eingeschrieben. Daneben entwickeln sich in der Präsentation spannende Dialoge und Querverweise zwischen den Werken:
So trifft beispielsweise das älteste Objekt der Sammlung, ein ägyptisches Gefäß aus Rohhaut, auf das neueste, einen Turnschuh aus recycelten Materialien. Die Hutschachtel von Johann Wolfgang von Goethe wird zusammen mit den Hausschuhen von Ulrike von Levetzow, Goethes letzter (un­erfüllter) Liebe, gezeigt. Im Deutschen Ledermuseum begegnen sie sich jetzt erstmals.

Daneben wird es auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Museums- und Sammlungs­geschichte des DLM geben – etwa eine leere Vitrine, in der über viele Jahre Schrumpf­köpfe indigener Völker gezeigt wurden, mit Hinweisen auf die aktuelle Diskussion über den Umgang mit diesen menschlichen Artefakten. Dies betrifft seit dem Artenschutzübereinkommen etwa auch die veränderte Sicht auf Reptilleder und andere exotische Lederarten. Durch die mit Bedacht aus­gewählten Exponate und eine zeitgemäße Form der Präsentation wird die besondere kultur­geschichtliche Bedeutung von Leder – und heute zunehmend auch der Einbezug von alternativen Lederersatzstoffen – vermittelt, und das ausschließlich über Objekte der Sammlung.