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Stadtarchivarin Anjali Pujari
Stadtarchivarin Anjali Pujari zeigt das Vorsatzblatt mit einem Konterfei des jungen Siegfried Guggenheim © Stadt Offenbach
Das Archiv im Offenbacher Haus der Stadtgeschichte konnte dank der großzügigen Schenkung der Bibliothek des Juristischen Seminars der Universität Bonn unlängst ein Buch aus der Anwaltsbibliothek des Offenbacher Ehrenbürgers und Rechtsanwaltes Siegfried Guggenheim neu in seinen Bestand aufnehmen. Bei dem Buch handelt es sich um einen Band des „Zentralblattes für freiwillige Gerichtsbarkeit und Notariat sowie Zwangsversteigerung“ mit den Ausgaben von Juli 1906 bis Juni 1907. Die juristische Fachzeitschrift erschien von 1901 bis 1922 im Leipziger Verlag Dieterich‘sche Verlagsbuchhandlung.
Titel
© Stadt Offenbach

Stadtarchivarin Anjali Pujari freut sich über die wertvolle Ergänzung des Bestands: „Zum ersten Mal besitzt das Stadtarchiv Offenbach ein Buch aus der Arbeitsbibliothek Siegfried Guggenheims. So können wir sein Wirken als Rechtsanwalt und Notar in unserer Stadt aus einer neuen Perspektive dokumentieren“.
Wer das juristische Fachbuch aufschlägt, begegnet auf dem Vorsatzblatt einem Exlibris mit einem Konterfei des jungen Siegfried Guggenheim. Der Rechtsanwalt sitzt an seinem Schreibtisch, vornehm mit Stehkragen und Seidentuch gekleidet und zeigt einen entschlossenen Gesichtsausdruck. Vor ihm liegt ein Exemplar des Bürgerlichen Gesetzbuches. Rechts neben dem Fenster des Arbeitszimmers befindet sich auf einer geschwungenen Säule eine Statuette der Göttin der Gerechtigkeit, Justitia. Der Blick aus dem Fenster zeigt die Westseite des Wormser Dom St. Peter, das mittelalterliche Bauwerk verweist auf Guggenheims Geburtsstadt Worms. Auf der zweiten Seite des Buches ist ein Stempelabdruck der Unterschrift Guggenheims zu sehen.
1900 ließ sich der promovierte Jurist in Offenbach am Main als Rechtsanwalt nieder und engagierte sich hier in zahlreichen Vereinen. 1933 wurde er Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Offenbach und setzte sich unter anderem im „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ für die staatsbürgerlichen Rechte jüdischer Bürgerinnen und Bürger ein. Sein großes Interesse für Buchkunst und die jüdische Tradition brachten auch die Offenbacher Haggadah hervor, ein liturgisches Buch zum Passachfest, das er 1927 im Selbstverlag herausgab. Die künstlerische Gestaltung übernahm Guggenheims Freund Rudolf Koch, der als Schriftkünstler in Offenbach wirkte und ein gläubiger Protestant war. Die Offenbacher Haggadah steht für die jüdische und christliche Verbundenheit in Deutschland vor dem Nationalsozialismus, für die Guggenheim Zeit seines Lebens einstand.

Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde Guggenheims Wirken zunehmend eingeschränkt, im November 1938 deportierte man ihn in das Konzentrationslager Buchenwald. Dort blieb er nur vorübergehend, ihm gelang die Emigration mit seiner Familie einen Monat später in das US-amerikanische Exil. Als Siegfried Guggenheim 1961 starb, fand er seine letzte Ruhestätte seinem Wunsch nach auf dem jüdischen Teil des Alten Friedhofs, da er Offenbach zeitlebens verbunden blieb.
Offenbach am Main, 29. Juni 2018