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Schriftkunst
© Stadt Offenbach
„Unglaublich konkret das abstrakte Ziel der Kooperation.“ So formuliert Oberbürgermeister und Kulturdezernent Dr. Felix Schwenke, das was seit Herbst 2017 im Klingspor Museum stattfindet und am Mittwoch, 21. Februar, offiziell vorgestellt wurde: Das Klingspor Institut für Schriftgestaltung der Hochschule für Gestaltung Offenbach institutionalisiert, was ohnehin in vielen kleinen Einzelprojekten durchaus Tradition hat und jetzt, freut sich Museumsleiter Dr. Stefan Soltek, „langfristig unabhängig von Personen werden kann.“
Denn ausgetauscht und zusammen gearbeitet haben Museum und Hochschule schon lange, schließlich gibt es über die verbindende Geschichte der Schriftkunst in Offenbach hinaus auch eine inhaltliche Schnittmenge. Der Standort ist also kein Zufall, immerhin genoss Offenbach in den 1920er Jahren schon Weltruf wenn es um Schriftkunst und Gestaltung ging. Mit der Gründung des Instituts manifestiert sich eine Kooperation, von der beide Häuser profitieren können. Von einem sinnvollen Anschluss an die Gegenwart spricht Soltek: „Wir haben einen großen Bestand, tun uns aber schwer, den Schritt ins Digitale zu machen. Jetzt haben wir den Kontakt zu jungen Menschen, die sich auskennen mit den technischen Möglichkeiten.“
Lobe und Schütz
Prof. Sascha Lobe und Marc Schütz © Stadt Offenbach
„Und die“, ergänzt Prof. Sascha Lobe, „auf der Suche nach zeitgemäßen Formen sind.“ Lobe lehrt seit dem Sommersemester 2010 Typografie an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach.
Schriftkunst
© Stadt Offenbach

Warum Schriftgestaltung einen Ort braucht

„Die Sammlung ist eine Riesenressource zur Inspiration“, betont Marc Schütz. Der HfG-Absolvent arbeitet seit seinem Abschluss im Jahr 2001 als Schriftdesigner. Zu seinen Schriften gehört beispielsweise die Neue Kabel auf Basis der 1927 von Rudolf Koch entwickelten Kabel. Eigentlich aus einer Not heraus geboren, denn als der Jahresbericht der HfG 2013 in Kabel gestaltet werden sollte, stieß die alte Schrift bei der Gestaltung des Layouts schnell an ihre Grenzen. Schütz gestaltete daraufhin eine zeitgemäße Variante mit einer umfangreichen Schriftfamilie, die vielfältig einsetzbar ist. Deshalb besteht ein Betätigungsfeld der Studenten in der Digitalisierung und Transformation der Bestände des Klingspor Museums, für Schütz, ein echter Schatz, den es zu bergen gilt.

Renaissance der Schriftkunst

Arial, Helvetica, Times New Roman und etliche tausend weitere Schriften gibt es bereits und noch ist kein Ende der Weiterentwicklung in Sicht. Ganz im Gegenteil verdienen schätzungsweise 20 bis 30.000 Menschen auf der Welt ihr Geld mit der Gestaltung von Schrift. Jüngstes Beispiel die Neugestaltung des Lufthansa-Auftritts, bei dem nicht nur der Kranich, sondern auch die Hausschrift in die Hand genommen wurde. „Das erspart langfristig natürlich enorme Lizenzgebühren“, erklärt Schütz. Wer es sich heute leisten könne, investiere lieber einmal in Grafiker und Schriftgestalter, als ständig Lizenzen zahlen zu müssen.
Gruppenbild
Dr. Stefan Soltek (Leiter des Klingspor Museums), Prof. Sascha Lobe, Laura Brunner(HfG-Studentin), Marc Schütz, Leonie Martin (HfG-Studentin) mit Dr. Felix Schwenke im neu gegründeten Klingspor Institut für Schriftgestaltung der Hochschule für Gestaltung Offenbach © Stadt Offenbach
Der Trend geht zur eigenen Schrift, entsprechend groß ist das Interesse. „Typographie und Schriftgestaltung erleben derzeit eine echte Renaissance“, meint auch Schütz. Damit ergibt sich auch ein potentielles Betätigungsfeld für die zukünftigen Absolventen der Hochschule für Gestaltung; kein Wunder, dass die ersten Workshops im Museum voll waren: „Die waren zwei bis dreifach überbelegt“, berichtet Schütz, obwohl es eine freiwillige Wahl innerhalb des Bereichs Kommunikationsdesign gewesen sei. „Eigenmotivation ist gut für die Qualität“, meint Lobe, „und wer sich an der Schnittstelle von Design und Schrift bewegt, braucht Wissen und Background.“
Studentin mit Typobeispiel
© Stadt Offenbach

Schätze des Museums heben

Die Studenten können in mehrfacher Hinsicht profitieren: Sie haben nicht nur Zugriff auf die Schriftproben, sondern haben mit dem Klingspor Museum Seminar- und Ausstellungsraum zugleich. Bereits am Wochenende 22. bis 25. Februar waren Arbeiten der Studierenden im Dachgeschoss des Klingspor Museum zu sehen, die sich mit dem Bestand des Hauses auseinandersetzen.

Offenbach am Main, 23. Februar 2018