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Deko im Museum
© Stadt Offenbach
Es darf geklappt, geschoben, gerätselt und gestaunt werden. Denn schon mit einem einfachen Griff verändert sich das Bild, wird aus einem Haufen Unfug treibender Jungs eine brave Schulklasse, wie in dem Jalousienbuch aus dem Reprint der Ausgabe aus dem Schreiberverlag von 1884. Oder verändert sich die Landschaft bei der Reise des Windes („le voyage du vent“), die der japanische Künstler Susumu Shingu in seinem Pop-Up-Buch eingefangen hat.
Mehr als 250 Bücher haben die Ausstellungsmacherinnen für die 63. Internationale Kinderbuchausstellung zusammengetragen; Neuerscheinungen, aber auch Bücher aus der Sammlung des Klingspor Museums, darunter viele mit beweglichen Elementen. Spannend zum Anschauen, Lesen und Schwelgen sind sie alle. Dazu passend haben die Frankfurter Illustratorinnen Kirsten und Zuni von Zubinski aus der Frankfurter Labor Ateliergemeinschaft das Museum in ein begehbares Diorama mit wolkenähnlichen Gebilden und vielen bunten Elementen verwandelt. Weil die beiden Ausstellungsmacherinnen Dr. Dorothee Ader und Stephanie Ehret bei ihrer Auswahl auf das Buch als Gesamtkunstwerk und gesellschaftspolitische Themen gleichermaßen achten und sich zufällig die Möglichkeit der Ausstellung "Wer wenn nicht wir?" ausgewählter Schülerarbeiten gegen Gewalt und Rassismus aus den Jahren 1992-2016 ergab, haben sie diese im Obergeschoss des Hauses untergebracht.
Ziehbuch
"Die Reiseabenteuer des Malers Daumenlang und seines Dieners Damian“ aus dem Jahr 1890 © Stadt Offenbach
Ausstellung
© Stadt Offenbach
Landkarte mit Aufklappflugzeug
© Stadt Offenbach

Von Aufklappbüchern und Ziehbilderbüchern…

Bilderbücher und bewegende Elemente haben eine lange Tradition, bereits im Mittelalter gab es wissenschaftliche Literatur mit erklärenden Elementen. Als Kinderbuch wurden diese erst Ende des 19. Jahrhunderts populär, der Esslinger Schreiberverlag gehörte zu den renommierten Adressen für Spielbilderbücher. Dort erschienen auch die Aufklappbücher des Münchner Autors Lothar Meggendorfer, wie das bereits erwähnte Buch „Nur für brave Kinder“ oder „Die Reiseabenteuer des Malers Daumenlang und seines Dieners Damian“ aus dem Jahr 1890, die Ader und Ehret an den Anfang der Ausstellung platziert haben.
Iran
© Stadt Offenbach
Im Obergeschoss
Studentin Juliane Nakelski, Stephanie Ehret und Dr. Dorothee Ader im Obergeschoss des Klingspor Museums © Stadt Offenbach

…zu Graphic Novels und fremden Welten

Beschäftigten sich die ersten Spielbücher inhaltlich noch mit Lausbubengeschichten, Weihnachten und Exotik, werden in den Kinderwelten des 21. Jahrhunderts durchaus anspruchsvolle Themen behandelt. Um Mobbing und Ausgrenzung geht es in manchen Büchern, Elternkonflikte, Demenz, Umweltzerstörung, aber auch der Kraft der Natur, spielerisch und farbenfroh umgesetzt wie beispielsweise das „Faultier im Pop-Up-Wald“. Kein erhobener Zeigefinger, sondern Augen öffnen und zum Nachdenken und genauer hinschauen-Anreger. Auch in für uns fremde Welten wie jener im Iran. Mit dem in Teheran ansässigen Shabaviz-Verlag sind die Ausstellungsmacherinnen schon länger im Austausch, jetzt zeigen sie Neuerscheinungen im Kabinett des Hauses. In der Ursprungsversion eine bunte Stoffcollage füllt die Geschichte „Der Vorhang ist weg“ jetzt die Wände. Erzählt wird die Geschichte einer Kindheit im Iran, die ähnlich auch in Deutschland sein könnte und doch ganz anders ist.

„Wer wenn nicht wir“

Wer erinnert noch die ausländerfeindlichen Auseinandersetzungen in Rostock, das brennende Haus in Mölln? Bis zu den Morden des NSU und darüber hinaus, eben von 1992 bis 2016, reicht die Zeit, in der die Künstlerin Silvia Izi das Projekt „Schülerbilder gegen Gewalt und Rassismus“ in 6. bis 11. beziehungsweise 12. Klassen durchführte. Eine Auswahl der in diesem Zeitraum entstandenen und teilweise erschreckend zeitlosen Arbeiten sind nun im Obergeschoss des Klingspor Museums zu sehen.
Die Internationale Kinderbuchausstellung „Kinderwelten“ ist bis 17. Februar zu sehen. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm, bereits am 7. Dezember gibt Lena Anlauf beim „Buch des Monats“ einen Einblick in die Programmarbeit des Mannheimer Kunstanstifter- Bilderbuchverlags.