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Vom Fischer...
© Stadt Offenbach
Hall und Soltek
Peter Christian Hall und Museumsleiter Dr. Stefan Soltek in der Ausstellung © Stadt Offenbach
In seiner Sommer-Ausstellung widmet sich das Klingspor Museum dem Illustrator Marcus Behmer (Weimar 1879 – Berlin 1958) und zeigt vom 11. Juli bis 2. September Werke des in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts bedeutenden und in Sammlerkreisen noch immer hoch geschätzten Illustrators. Auswahl und Zustandekommen der Ausstellung jetzt ist vor allem Ergebnis der Begeisterung des ehemaligen Journalisten Peter Christian Hall, der ursprünglich nur ein Essay über Behmer schreiben wollte. Herausgekommen sind nach zweijähriger Sichtung und Erschließung der größten Behmer-Sammlung in öffentlicher Hand mit zahlreichen Unikatarbeiten die Ausstellung und ein fast 500-Seiten starker bebildeter Katalog, der mit Mitteln der Marschner-Stiftung in der Reihe „Offenbacher Studien“ erschienen ist.

Ein in Vergessenheit geratener Ausnahmekünstler

Behmer war bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts ein bekannter und gefragter Künstler, „ein Exzentriker sondersgleichen“, so Hall, „mit einer eigenen künstlerischen Handschrift.“ Ein Autodidakt, dessen Talent in der eigenen Familie weder erkannt noch gefördert wurde und der mit seinen Illustrationen doch schnell zu einem gefragten Buchgestalter und Schriftkünstler wurde. Sein Markenzeichen war der Delphin, der in immer neuen Variationen im Werk auftaucht und häufig Portraitzüge des Künstlers selbst aufweist.

Schon früh bekannte Behmer sich zu seiner Homosexualität, 1905 entschied er sich für einen längeren Italienaufenthalt und lernte dort Luigi Cotino kennen. Aus dieser Zeit stammt die Signatur Marcotino, eine Zusammensetzung des italienischen Markus und dem Nachnamen des Lebensgefährten. Zurück in Deutschland, bezieht er 1910 eine Wohnung in Berlin, die er bis zur Zerstörung im Bombenkrieg 1943 behält. „Von seinem Frühwerk ist daher kaum etwas erhalten“, berichtet Hall.

1936 wird Behmer wegen homosexueller Handlungen verhaftet, während der zweijährigen Haftzeit darf er trotz des Berufsverbotes weitermalen und zeichnen, er wird dort wegen seines Talents bewundert und von Freunden unterstützt. So schickt auch Karl Klingspor, der Behmer 1919 kennen und auch schätzen lernte, Papier und Stifte. „Das“, vermutet Hall, „hat Behmer auch das Leben gerettet, dass er im Gefängnis weiterarbeiten konnte.“ Klingspor galt als äußerst kritischer Sammler, wie sehr er Behmer schätze, zeigt auch die große Anzahl an illustrierten Büchern und Grafiken, die sich heute in der Sammlung des Hauses finden. Nach 1945 konnte er nicht wieder an alte Erfolge anknüpfen, Aufträge blieben aus und der Künstler starb 1958 völlig verarmt in Berlin.

Mehr als eine Ehrengrabrettung

Als Zwölfjähriger wiederum entdeckte Hall bei einem Berlin-Aufenthalt 1953 den Friedhof Heerstraße und rund zwanzig Jahre später unter den Prominentengräbern jenes von Markus Behmer, dessen Illustrationen ihn in der Erstausgabe „Von dem Fischer un syner Frau“ beeindruckt hatten. Für Hall noch immer „eines der schönsten Bücher der Welt“. Wann immer er nach Berlin kam, stattete er dem Grab einen Besuch ab und wurde, nachdem er 2016 einen Hinweis auf die Auflösung des Grabes entdeckte, aktiv, um den Ehrengrabstatus des in Vergessenheit geratenen Künstlers mit einem Essay zu retten. Daraus ergab sich eine aufwändige Recherche und die jetzt eben die inzwischen dritte Ausstellung über Marcus Behmer im Klingspor Museum und einem Katalog mündet.

Behmer neu entdecken –Kuratorenführung am 15.Juli

Am 15. Juli um 15 Uhr führt Peter Christian Hall durch die Ausstellung „Delphine in Offenbach. Die Marcus-Behmer-Sammlung des Klingspor Museums“.  Behmer wurde mit seinen 1903 erschienenen Illustrationen zu Oscar Wildes Salome bekannt. War dieses frühe Werk noch stark von Beardsley beeinflusst, so entwickelte er später einen sehr eigenen künstlerischen Stil, detailreich, oftmals mit ironischen Anspielungen oder aber ins Groteske gehend. Seine Vorliebe galt dem kleinen Format, dabei zeigen seine miniaturhaften Illustrationen eine überbordende Erzählfreude.
Die Führungsgebühr beträgt 1,50 Euro zusätzlich zum Eintritt.

„Die Delphine in Offenbach - Die Marcus-Behmer-Sammlung des Klingspor Museums“: Ausstellung im Klingspor Museum vom 12. Juli – 02. September 2018, jeweils Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 17 Uhr, Mittwoch von 14 bis 19 Uhr sowie Samstag und Sonntag jeweils 11 bis 18 Uhr zu sehen.

Bildinformation (Fotos: alle Stadt Offenbach)

Katalogabbildung, S.211, Radierung, 1936,  aus „Von dem Fischer un syner Frau“, erschienen im Insel-Verlag

Impression aus der Ausstellung

Offenbach am Main, 11. Juli 2018

Impression aus der Ausstellung
© Stadt Offenbach