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Amt für Öffentlichkeitsarbeit Matthias Müller
Dreiherrenstein vor der Polizeiwache Neu Isenburg © Amt für Öffentlichkeitsarbeit Matthias Müller
Man kann an dem Stein vorübergehen, ohne ihn wahrzunehmen. Doch wer ihm Aufmerksamkeit widmet, dem erzählt er von alten Zeiten. Er steht am Rand der Wohnsiedlung Gravenbruch, der Autobahn so nah wie dem Wald, der an der Offenbacher Rosenhöhe beginnt Den Weg von dort zum „Dreiherrnstein“ und dann zum Forsthaus Gravenbruch haben Offenbacher früher gern auf Sonntagsausflügen genommen. Damals, als noch jeder wusste von dem Grenzstein, an dem sich einmal drei herrschaftliche Territorien berührt haben: Ländereien der Grafen Schönborn, der Fürsten Isenburg und des Deutschritter-Ordens.

Bis 1960 war der graue Basalt mit der Jahreszahl 1730 nur noch eine Wegmarke für Ausflügler. Bald darauf aber begannen die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt der Wohnsiedlung Gravenbruch. Das ließ den etwa einen Meter hohen Grenzstein zu einem Hindernis für Lastwagen und Baumaschinen werden. Die Männer vom Bau scherte es wenig, dass der Stein dabei aus dem Boden gerissen und beschädigt wurde. Ein Zeugnis der Regionalgeschichte drohte für alle Zeit vernichtet zu werden.

Manchen mag das bekümmert haben, einen ließ es aufschreien. Georg Hoffmann, damals Leiter des Offenbacher Stadtarchivs, machte auf den absehbaren Verlust aufmerksam. Und er fand Gehör. Der Stein wurde in Sicherheit gebracht. Erste Überlegungen gingen dahin, ihn auf dem zentralen Dreiherrnplatz aufzustellen. Doch die Bodendenkmalpflege des Landes Hessen setzte sich mit der Absicht durch, ihn nach Abschluss der Bauarbeiten wieder an seinen angestammten Platz zu bringen, auf die Dreiländerecke.

 

Amt für Öffentlichkeitsarbeit - Matthias Müller
Dreiherrenstein © Amt für Öffentlichkeitsarbeit - Matthias Müller

Noch lässt sich dort über der Jahreszahl 1730 ein eingemeißeltes Kreuz erkennen. Über seinem Querbalken sind die Buchstaben C und F eingemeißelt. Sie stehen für die „Comturei Frankfurt“ des Deutschritter-Ordens. In seinem Besitz standen der Wald mit Fischteichen und dem noch immer existierenden Wildhof. Verwaltet wurde die Comturei im Deutscherrn-Haus an der Mainfront von Frankfurt-Sachsenhausen.

Nur noch schwach auszumachen ist auf der Gegenseite ein Wappen, das einen Löwen über drei Bergspitzen zeigt, dazu die Buchstaben SB. Hier endete der Besitz des einflussreichen Grafengeschlechts Schönborn, das von1661 bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Heusenstamm ein anmutiges Schloss unterhielt. Ihr Name hatte Klang im Alten Reich und ist noch immer verbunden mit hochrangigen Barockbauten, etwa in Würzburg, Bamberg,und Bruchsal. Für 27800 Gulden hatten sie den Ort Heusenstamm gekauft, einschließlich des „Greyenbruchs“, dessen Name sich mit der Zeit zu Gravenbruch veränderte. Das Heusenstammer Schloss bewohnten Mitglieder der Schönborn-Sippe bis nach dem Zeiten Weltkrieg, dann wurde die Bundespost dort Mieter.

Heute hat die Heusenstammer Stadtverwaltung dort ihren Sitz. Das dritte Zeichen auf dem Grenzstein war ein ovales Wappen mit zwei Querbalken. Dem Familienzeichen der Grafen und späteren Fürsten Isenburg, die lange in Offenbach residierten. Hier stieß ihr Territorium auf Ordensland und Schönborn-Besitz. Als die Isenburger 1816 ihr Fürstentum an Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel abtreten mussten, war allerdings auch der Orden schon kein Nachbar mehr. Kaiser Napoleon hatte ihn 1809 aufgelöst. Ein alter Stein im Wald, nur drei verwitterte Zeichen und so viele Geschichten… Lothar R.Braun