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Mainschifffahrt
Mainschifffahrt um 1900 © Stadtarchiv Offenbach
Während heute Hunderte von Pendlern in die S-Bahn nach Frankfurt steigen, um in der Mainmetropole zu arbeiten, waren es vor fast 300 Jahren jüdische und französische Händler, die täglich zu ihren Geschäften nach Frankfurt mussten. Sie, und die wachsende Manufaktur in Offenbach, waren Auslöser für eine Gruppe von Fischern, die Offenbacher Marktschifffahrt zu gründen.

Vor 290 Jahren,1711, brach in der Frankfurter Judengasse eine Feuerbrunst aus. Die Juden suchten eine neue Heimat in Offenbach, mussten aber zu ihren Geschäften nach Frankfurt reisen. Eingewanderte französische Gewerbetreibende suchten ebenfalls einen schnellen Weg, um ihre hochwertigen Waren nach Frankfurt bringen zu können. Der Ruf nach einem Marktschiff , das täglich verkehrt, wurde laut. 1716 kauften sechs Offenbacher Fischer, die zuvor schon nach Bedarf Personen auf der Wasserstraße befördert hatten, gemeinschaftlich einen Kahn, den sie mit einem Tuch überspannten, um Passagiere vor widrigen Wetterverhältnissen zu schützen. Der Kahn fuhr nun täglich nach Frankfurt. Auf dem Rückweg musste der schwer beladenen Kahn von Pferden, den Fechenheimer Leinenreitern", gezogen werden.

Offenbach wuchs weiter und so reichte der Kahn der Fischer bald nicht mehr aus. Einer von ihnen, Carl Anton Gros, kaufte deshalb 1726 ein großes Schiff mit einem Innenraum, Fenster, Türen und Sitzbänken auf mehreren Etagen für die Passagiere. Täglich um sieben Uhr fuhr das große Marktschiff in einer Stunde nach Frankfurt und legte dort für die zweistündige Rückfahrt um 17 Uhr ab.

Das Marktschiff verdrängte kleinere Schiffe und verärgerte die Frankfurter Fischer. "Es schädigt unsere Nahrung" schrieben sie an die Stadt. Da die Obrigkeit zunächst nicht reagierte, lieferten sich die Fischer mit den Marktschiffern Wortgefechte und beleidigten sie, sobald das Schiff den Hafen erreicht hatten. Schließlich verfügte Frankfurt die Schließung der Linie, doch Johann Jacob Gros, Sohn des Besitzers, und seine Kumpanen ignorierten das Verbot. Die Frankfurter ließen das Schiff im Frankfurter Hafen anketten. Darauf kam es zum Prozess vor dem Reichskammergericht Wetzlar und Graf Wolfgang Ernst gab den Offenbachern Recht: Freier Zugang und die sofortige Auslieferung des Schiffes lautete das Urteil, das er am 13. Juli 1731 aussprach. Zudem musste Frankfurt eine Strafe von zehn Mark in Gold an die kaiserliche Kammer und den Graf von Isenburg zahlen.

Den Todesstoß erhielt die Offenbacher Marktschifffahrt nicht durch die Frankfurter. Erst im Jahr 1848 mit der Fertigstellung der Lokalbahn, stellte das Schiff seine Fahrten ein.

Marktschiffahrt

Marktschiffe kamen im Mittelalter auf. Mit der Entwicklung einer Stadtwirtschaft war es möglich, den Überschuss gewerblicher und landwirtschaftlicher Erzeugnisse auf dem Markt zu verkaufen. In dicht besiedelten Gebieten handelten auch Städte untereinander. Waren sie per Wasserweg verbunden, transportierten Fischer die Händler und Waren. Zunächst nur zu Markttagen, später auch täglich für allgemeine Zwecke. Die Marktschiffe bekamen eine festen Fahrplan und wurden als Monopolisten bevorzugt behandelt. Text Ralo