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Historischer Blick auf die Hochschule für Gestaltung
© Stadt Offenbach
Offenbachs Hochschule für Gestaltung feierte 2007 ein Jubiläumsjahr. 175 Jahre war in jenen Tagen die Geschichte der HfG zurückverfolgen. Als älteste Wurzel ist eine Handwerkerschule zu erkennen, die der Geometer Georg Fink 1832 im Isenburger Schloss eröffnete

Name, Standort und Lehrinhalte haben sich in 175 Jahren mehrfach verändert. Dennoch lassen sich Kontinuitäten ausmachen. Schon Finks Schule hatte Fächer im Lehrplan, die später große Bedeutung gewannen: Bau- und Möbelzeichnen, freies Handzeichnen, Geometrie, Architektur, Mechanik.

1877 ist das Institut mit einer jüngeren „Kunst-lndustrieschule" des örtlichen Gewerbevereins zur „Vereinigten Kunst-Industrie- und Handwerkerschule" verbunden worden. Schwerpunkt wurde die Ausbildung von Musterzeichnern, nach denen die expandierende Industrie hungerte. Als Weichensteller bei der Entwicklung der Schule ist der 1932 verstorbene Professor Karl Brockmann zu nennen, an den ein Straßennamen an der Mühlheimer Straße erinnert. Ihm wird die Einrichtung einer Maschinenbauschule unter dem Dach des Instituts zugeschrieben, das er bis 1920 leitete. Als Brockmann auch Mitbegründer des Geschichtsvereins 1920 in den Ruhestand ging, wurde er mit einem Fackelzug verabschiedet.

Mehrfach hatte die Schule den Standort gewechselt, vom Schloss ins Französische Gässchen, an die Mainstraße und in den Biergrund, als sich 1879 die Chance für einen Neubau bot. Der Überschuss aus einer großherzoglich-hessischen Landesgewerbeausstellung im heutigen Dreieichpark wurde Grundstock für den Schulbau am Mathildenplalz. 1885 konnte das Haus bezogen werden, das heute die Polizei nutzt.

Vier Jahre danach erhielt die Schule abermals einen neuen Namen: ,.Städtische Kunstgewerbe- und gewerbliche Fachschule". Lehrkräfte waren Ingenieure, Bildhauer, Architekten, Maler und Graveure. Der nächste Namenswechsel erfolgte 1908. Die Technischen Lehranstalten" unterrichteten Maschinenbau, Bau- und Kunstgewerbe. Gerade war Architekt Hugo Eberhardt (1874-1959) Direktor geworden, der Gründer des Ledermuseums. Er betrieb eine enge Verzahnung von Schule und Praxis.

1910 hatte er erreicht, dass am Isenburger Schloss nach seinen Entwürfen mit dem Bau eines neuen Gebäudes begonnen wurde. Es brachte die Schule dorthin zurück, wo 1832 alles angefangen hatte. Von der engen Bindung an die Stadtgesellschaft zeugt, dass Lederfabrikant Ludo Mayer die Mittel spendierte, um das Areal frei zu machen. Eberhardt ist es gelungen, hervorragende Künstler ans Haus zu binden. Ihre Ausstrahlung reichte weit über die Region hinaus. Doch 1930, in der Weltwirtschaftskrise begann der Abstieg, Innenarchitektur, Bildhauerei und Dekorationsmalerei wurden an Mainz abgegeben.

1934 ging die Baugewerkschule verloren, 1937 übernahm Darmstadt den Maschinenbau. Das Offenbacher Haus war zur reinen Kunstgewerbeschule geschrumpft. 1339 erfolgte die Umbenennung in ,,Meisterschule für das gewerbliche Handwerk", obwohl dort keine Meister im Handwerksverständnis herangebildet wurden. Gemeint war meisterliches Können. Die nächsten Namen erhielt die Schule 1949: „Werkunstschule Offenbach. Angewandte Malerei, Architektur, Grafik und Produktgestaltung bildeten den Lehrinhalt. Die Architektur ging in den 1960er Jahren verloren. 1970 ist aus der städtischen Werk kunstschuie die staatliche Hochschule für Gestaltung geworden, zu der die Stadt zunächst einen finanziellen Zuschuss leistete. Es gilt als unbestritten, dass ihre Reputation sich dem Ansehen der einstigen Technischen Lehranstalten genähert hat.

Unterrichtet werden Produktgestaltung und Visuelle Kommunikation. Das sind Begriffe, die die Schule des 19. Jahrhunderts nicht kannte. Doch was sie bezeichnen, haben auch die Lehrer von damals gemeint.

Von Lothar R. Braun

veröffentlicht in der Offenbach Post

 

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Auszug aus der Offenbacher Zeitung © Urheberrecht erloschen