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Eisenbahn mit Schriftzug
© Haus der Stadtgeschichte
Endgültiger Abschied von der Kaiser-Friedrich-Quelle

Im Sommer 2009 ist Offenbach noch einmal erinnert worden an einen Mineralwasser-Brunnen, der zu Väterzeiten große Hoffnungen nährte. Auf dem Betriebsgelände der einstigen Kaiser-Friedrich-Quelle rissen Räumgeräte die Mauern ein. An ihrer Stelle entsteht ein Senioren- und Pflegeheim.
Stadtarchiv Offenbach Urheberrecht erloschen
Kaiser Friedrich Quelle um 1889 © Stadtarchiv Offenbach Urheberrecht erloschen

Seit 1888 war das natron- und lithiumhaltige Wasser aus der Ludwigstraße ein Produkt, mit dem sich Offenbacher Identität verband. Ein Hauptthema der Stadtgespräche wurde der Brunnen sogar schon, bevor das Wasser floss, dem man den Namen des unglücklichen Kaisers Friedrich III. gab. An ihn erinnert noch immer eine Büste an der Ecke Ludwigstraße und Geleitsstraße.

Friedrich hatte den deutschen Thron im März 1888 sterbenskrank bestiegen. Nur 99 Tage später erlag er einem Krebsleiden. Zum zweiten Mal in einem Jahr war ein Kaiser zu begraben. Für den Offenbacher Maschinenfabrikanten Adam Neubecker indes wurde das ein Jahr des Triumphs. Drei Jahre lang hatte ganz Offenbach sich darüber amüsiert, dass er auf seinem Grundstück an der Ludwigstraße scheinbar erfolglos nach Wasser bohrte, um von der städtischen Versorgung unabhängig zu werden.

Als er auch in 200 Meter Tiefe noch nicht fündig geworden war, soll er grimmig geschworen haben: „Ich bohre, bis ich den Kamerunern die Fußsohlen kitzele“. Fündig wurde er dann auf einer Tiefe von 300 Metern. Doch was er dort traf, war ein für seine Zwecke unbrauchbares Mineralwasser. Immerhin, Neubecker verstand es, daraus ein Geschäft zu machen. Er gab dem Wasser den Namen des toten Kaisers und füllte es zum Verkauf in Flaschen ab. Stolz meldete die Offenbacher Zeitung am 8. September 1888: „So viel können wir schon jetzt sagen, dass die Entwicklung für Offenbach einen Wendepunkt bedeutet“.

Verblüfft sah die Stadt sich an der Schwelle zu einem Kurort. Im April 1891 berichtete das in Wien und Berlin erscheinende „Illustrierte Bade-Blatt“: „Im Frühjahr 1889 hat der Versand des Wassers der Kaiser-Friedrich-Quelle begonnen, die seither die höchste Auszeichnung von allen Mineralwässern, das Ehrendiplom und die goldene Medaille, erhalten. Dieser Versand nimmt hoch erfreuliche Dimensionen an, wie auch Offenbach bereits eine stattliche Anzahl von Kurgästen zu verzeichnen hat.“

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Postkarte: Quell-Nymphen in der Kaiser - Friedrich Quelle © Urheberrecht erloschen

Das Fachblatt berichtet von einer „reizenden Trinkhalle“, einem „prächtigen Kurpark“ und den Klängen einer Kurkapelle. Es erkennt einen „Weltruf“ des Offenbacher Wassers und malt die Vision einer „vielbesuchten Kurstadt Offenbach“ aus. Das blieb zwar nur ein kurzer Traum.

Das Wasser jedoch behielt seinen Ruf. Bald konnte man es im Berliner Hotel „Adlon“ ebenso ordern wie in der Ersten Klasse von Übersee-Dampfern. 1936 erhielt es sogar die staatliche Anerkennung als Heilwasser. Kohlensäurefrei konnte man es in Apotheken kaufen.

Schon Jahrzehnte zuvor hatten die Eigentümer gewechselt. Neubeckers Maschinenfabrik war nur noch ein Nachbar des Brunnenbetriebs. Mittlerweile gibt es auch sie nicht mehr. 1982 gingen die Rechte an der Marke Kaiser-Friedrich-Quelle an eine Gesellschaft über, die die Eignerfamilie mit einem Rosbacher Mineralwasser-Unternehmen gebildet hatte. Inzwischen ist die Marke in Bad Vilbel gelandet.

Im Besitz der Eignerfamilie blieb das Grundstück mit den Brunnen, die dann 1996 geschlossen wurden. Am 31. Dezember 2003 erlosch auch die zeitlich befristete wasserrechtliche Genehmigung zum Fördern des Wassers. Und im April 2009 zeigte das Regierungspräsidium Darmstadt im Staatsanzeiger an: „Ein Antrag auf Bewilligung des Wasserrechts liegt nicht vor. Ein berechtigter Grund zur Erhaltung der staatlichen Anerkennung der Kaiser-Friedrich-Quelle als Heilquelle zum Wohle der Allgemeinheit ist nicht mehr gegeben“.

Zu diesem Zeitpunkt war der größte Teil des alten Betriebsgeländes bereits an einen Investor verkauft, der dort ein Seniorenheim betreiben will. Die Kaiserbüste an der Ecke Geleitsstraße aber soll an dieser Stelle erhalten bleiben, versichern die Eigentümer. Sie wird die letzte Erinnerung an einen Offenbacher Traum sein. Von Lothar R. Braun.

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Eigene Waggons brachten das Wasser quer durch Deutschland © Haus der Stadtgeschichte
Logo der Kaiser Friedrich Quelle
Logo der Kaiser Friedrich Quelle © Haus der Stadtgeschichte