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Carl und Charlotte © Urheberrecht abgelaufen
Die Offenbacher Freimaurer-Loge Carl und Charlotte zur Treue feierte 2013 ihr 200jähriges Bestehen feiert. Im Rückblick auf ihre Geschichte wurde auch der Liederkomponisten Wilhelm Speyer (1790-1878) genannt. In seiner Villa auf dem Grundstück Kaiserstraße 91 verrichtete die junge Loge 15 Jahre lang. von 1813 bis 1828, ihre Tempelarbeit.

Die heute angrenzende Speyerstraße trug damals noch nicht den Namen des berühmten Offenbachers; und seine Villa war auch nur eine von etlichen Heimstätten der Offenbacher Freimaurer. Davor, seit dem Gründungsjahr 1812, nutzte die Loge gemietete Räume im Haus Frankfurter Straße 33, und danach wanderte sie gewissermaßen durch die ganze Stadt.

Bei Speyer werden sich die Brüder wohlgefühlt haben. Er war einer der Ihren. Von ihm ist bekannt, dass er später in Frankfurt den Komponisten Franz Liszt in die dortige Loge „Zur Einigkeit“ einführte. Die Herzen Offenbacher Musikfreunde gehörten ihm spätestens, seit es ihm gelungen war. den großen Geiger Niccolo Paganini ins kleine Offenbach zu einem von Speyer dirigierten Konzert zu locken.

Die Tempelarbeit im Haus Speyer endete, als die Loge Carl und Charlotte zur Treue 1828 ihre Arbeit vorübergehend einstellte. Nach 1841 zogen sich Verhandlungen über Räume im Isenburger Schloss lange hin. Sie scheiterten an den finanziellen Vorstellungen des Eigentümers, des Fürsten von Isenburg in Birstein. Die Brüder waren unterdessen Gäste der Frankfurter Loge „Sokrates zur Standhaftigkeit“, bis sie 1844 ihr Licht im Haus Linsenberg 1 anzünden konnten, immer noch als Mieter. Dabei blieb es fünf Jahre lang. 1855 erfolgte der Umzug in eine Hofreite in der Altstadt.

Freimaurer benötigen abgeschlossene Räume. Ihre Tempelarbeit wollen sie in einer Umgebung verrichten, die der besonderen Art der Zusammenkunft Rechnung trägt. Es wurde deshalb zu einem Freudenfest, als 1856 auf dem Grundstück Luisenstraße 31 das erste eigene Haus bezogen werden konnte. Das war noch nicht das Haus, das ältere Offenbacher in Erinnerung haben, wenn sie von der „alten Loge“ sprechen. Sie entstand erst 1906, als der Erwerb von Nachbargrundstücken einen Neubau ermöglicht hatte.

Als ein scharfer Schnitt erscheint in der Chronik das Jahr 1935. Die NS-Behörden zwangen die Loge zur Auflösung, das Haus verfiel der Beschlagnahme. Nationalsozialistische Organisationen richteten sich darin ein. Als der Nazispuk vorüber war, richtete die amerikanische Armee in der Loge eine Kantine für ihre deutschen Hilfskräfte ein.

Dann aber wurde die Loge an der Luisenstraße zu einem Offenbacher Gesellschaftshaus. Wer dazu alt genug ist, erinnert sich an Abende auf der Kegelbahn, an die Bälle der Tanzschule, an anspruchsvolle Konzerte und an Aufführungen des Theaterclubs „Elmar“, alles räumlich getrennt vom Zentrum der freimaurerischen Rituale. Es endete 1968. Die Stadtverwaltung überraschte mit neuen Auflagen zu Brandschutz, Sicherheit und Baustatik. Ihr Ausmaß überstieg die finanzielle Beweglichkeit der Loge. Sie musste das Anwesen verkaufen. Es wurde dann abgerissen.

Mit dem Erlös konnte das Grundstück Domstraße 66 erworben werden. Das freilich war unbebaut, und abermals waren die Brüder für ihre Treffen auf Hotels und Gaststätten angewiesen. Für die Tempelarbeit indes bot die Weihehalle der Freireligiösen Gemeinde am Schillerplatz einen würdigen Rahmen.

Die Räume, die 1977 an der Domstraße endlich bezogen werden konnten, gehören zu einem Anwesen, das die Loge im Erbbau-Recht an die Agentur für Arbeit vergeben hat. Tempel und Clubraum, eine Bar, ein Saal und kleine Nebenräume bilden dort ein Heim für brüderliche Zusammenkünfte, stehen aber auch für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung.

                                                                                                   Lothar Lothar R. Braun