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Lilitempel mit Wasser
© Stadt Offenbach (Foto Matthias Müller)
Die 180. Wiederkehr seines Todestages blieb in Offenbach im Jahr 2005 unbemerkt. Doch an der Mainstraße reift der Anlass, des Geheimrats Friedrich Metzler wieder einmal zu gedenken. Der Bankier war der Bauherr des Badetempels, den die Offenbacher gern „Lilitempel“ nennen, weil er im „Lilipark“ steht, und der nach viel beklagtem Verfall heute wieder genutzt werden kann. Der Badetempel und ein Grabmal auf dem Alten Friedhof bewahren die Erinnerung an diesen „Frankfurter in Offenbach“, der auch „Offenbacher aus Frankfurt“ genannt werden darf.
Friedrich Metzler
Friedrich Metzler © Copyright erloschen

Geboren wurde er freilich weder hier noch dort, sondern in Bordeaux. Dort leitete der Vater eine Niederlassung des Frankfurter Familienunternehmens. Friedrich war das siebte von zwölf Kindern. Als er geboren wurde, gehörte die Familie in Frankfurt bereits zu den wohlhabenden, wirtschaftlich und kulturell tragenden Sippen. Seit 1674 führte sie ein Handelshaus, das neben Spedition und Warenhandel kleine Geldgeschäfte betrieb – unerlässlich in einer Zeit, in der Währungen von einer Landschaft zur nächsten wechselten.

Friedrich war 13, als sein Vater starb und die Familie ihn nach Frankfurt holte, wo die Metzlers freundschaftliche Beziehungen zur Familie Goethe unterhielten. Mit Johann Wolfgang sollte ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden.

1771 wurde er Teilhaber der Firma und begann, ihren Umbau zu einem reinen Bankhaus einzuleiten, dessen alleiniger Leiter er jedoch erst 1792 wurde. Metzler stieg in das Geschäft mit Staatsanleihen ein. Es begann 1779 mit einer Anleihe zugunsten des Kurfürstentums Bayerns. Ihm folgten Kurpfalz als Anleihennehmer, 1795 das Königreich Preußen mit einer Million Gulden. Auch Sachsen-Meiningen und das Haus Nassau. Oranien wurden Kunden des bald mit dem Titel Königlich-preußischer geheimen Kommerzienrats ausgezeichneten Metzler.

Aufsehen erregte er um 1790 mit der Idee, den Geldverkehr durch Bildung einer Notenbank zu erleichtern. Er stand damit allein. Es dauerte noch Jahrzehnte, bis aus der Utopie eine Realität wurde. Bis heute wird das Bankhaus Metzlers Nachkommen betrieben. Es ist eine international tätige Investmentbank; wegen des Sparbuch-Kontos sucht man sie nicht auf.

Offenbach galt zu jener Zeit als eine bevorzugte Wohnanlage mit einer kulturell ambitionierten Bürgerschicht. 1792 erwarb Metzler das in einen großen Garten am Main gebettete Anwesen der Fabrikanten Bernard. Die benötigten ihr haus, in dem 1775 Goethe und Lili zusammen gekommen waren, nicht mehr. Sie hatten inzwischen den Neubau bezogen, den wir als Büsingpalais kennen.

Das Wohnhaus, das der Bankier als Sommerresidenz und Alterssitz erwarb, verschwand, als von 1890 an die Herrnstraße mainwärts verlängert und der Fluss eingedämmt wurde. 1803, nun Witwer, richtete sich Metzler dauerhaft in Offenbach ein. Erführte ein der Geselligkeit geöffnetes Haus. 1813 besuchte ihn dort König von Preußen. Der Freiherr vom Stein kehrte bei ihm ein. Goethe besuchte den Freund 1814 und 1815. Sie alle hatten Gelegenheit, das luxuriöse Badehaus zu besichtigen, das Metzler sich 1798 von dem französischen Architekten Niolas Alexandre de Salins de Montfort ans Mainufer hatte stellen lasse.

In seinem aus Granitfelsen gebildeten Untergeschoss konnte man ins Mainwasser tauchen, aber auch aus einer Wanne mit geheiztem Wasser den Fluss betrachten. Sicht auf den Main, der damals noch bis an das Badehaus reichte, gewährte zudem ein gedeckter Balkon im Erdgeschoss. Den Mittelpunkt bildete ein komfortabler Salon mit Nischen und Parkett-Fußboden. Vergoldeter Stuck wiederholte sich in Spiegelwänden.

Es war Luxus pur, ein Gesprächsstoff für die reichen wie die Armen in der Region, für Neid und neidlose Bewunderung. einfache Bürger, die der neuen Mode des Bades huldigten, konnten das Metzlersche Badehaus aus einem „Volksbad“ beobachten. Für sie gab es schon seit 1781 auf der Höhe der Speyerstraße das Schwimmbad des Johannes Groß.

Friedrich Metzler starb 1825. Sein Grab fand er nicht in Frankfurt, der Stadt, der er zeitweise sogar als Senator gedient hatte, sondern in seinem geliebten Offenbach. Es wurde nach einigen Jahren auf den heutigen „Alten Friedhof“ verlegt, als der bis dahin belegte Friedhof seine neue Bestimmung als Wilhelmsplatz erheilt.

Für seinen Badetempel aber begann eine Periode der Vernachlässigung, bis hin zum Verfall in der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts. Nun aber nahm sich der Investor Volker Hohmann des Montfort-Juwels an, um es privat zu nutzen. Er fügte dem Badetempel einen Seitentrakt an, der den Platz eines 1805 angebauten Gewächshauses einnimmt. Heute, vorbildlich restauriert, ist der Badetempel wieder ein architektonisches Kleinod in Offenbach.