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Wenn von der Offenbacher Freimaurer-Loge „Carl und Charlotte zur Treue“ gesprochen wird, wird auch oft auch die Rede sein von ihrem Wohltätigkeitsverein, dem alle Logenmitglieder angehören. Dabei ist der in seiner jetzigen Rechtsform erst im Dezember 1978 gegründet worden. Seine Ursprünge jedoch lassen sich bereits in der Gründungszeit der Loge aufspüren. Die Wurzel ist eine im Februar 1813 begründete „Wohltätigkeitskasse“.

Sie unterstützte bedürftige Mitbürger mit Geldzuwendungen, wehrte mit Fleisch und Brot dem Hunger und mit Holz der Kälte. So befolgten die Gründer das freimaurerische Gebot von Humanität, Toleranz und Barmherzigkeit. 1825 erfolgte eine rechtliche Trennung der Loge von der Wohltätigkeitskasse. Als eigenständiger Verein organisiert, konnte sie nun auch Mitglieder aufnehmen, die nicht der Loge angehörten.

Es kam auch zu zusätzlichen Initiativen mit speziellen Anliegen. 1850 gründeten Logenbrüder einen „Hilfsverein zur Unterstützung entlassener Sträflinge“. 1870 gab der Deutsch-Französische Krieg den Anlass, einen „Verein zur Unterstützung der Hinterbliebenen der im Feld stehenden Vaterlandsverteidiger“ ins Leben zu rufen. Er steuerte die Hilfsbereitschaft vieler Offenbacher Bürger.

Nichtfreimaurer waren auch beteiligt, als sich 1878 auf Initiative der Loge ein Ausschuss bildete, der „arme Schulkinder“ während der Winterzeit mit warmer Fußbekleidung versorgte. Für immerhin 200 Kinder konnte er Schuhe beschaffen. Bei der Hochwasser-Katastrophe von 1883 veranstaltete die Loge eine Lotterie zugunsten der Geschädigten.

Amt für Öffentlichkeitsarbeit - Matthias Müller
Strassenschild Eigenheimstraße © Amt für Öffentlichkeitsarbeit - Matthias Müller

Dass es in Offenbach heute eine Straße mit dem ungewöhnlichen Namen „Eigenheimstraße“ gibt, geht auf die Loge zurück. Es waren Freimaurer, die 1891 den „Verein Eigenheim“ gründeten. Ihr Anliegen war es, die miserablen Wohnverhältnisse zu lindern, in denen viele Arbeiterfamilien damals leben mussten. Der Verein erwarb das Gelände, organisierte die Bebauung und vermochte immerhin 23 Familien aus der Enge der Mietskasernen zu befreien. Zusätzliche Sozialleistungen waren ein Knabenhort, eine Ferienkolonie und eine Einrichtung für berufstätige Mädchen.

Eine Suppenküche für bedürftige Familien eröffnete die Loge im Ersten Weltkrieg. In seiner derzeitigen Satzung verordnet sich der Verein „die Förderung der Mildtätigkeit, die Förderung kultureller, wissenschaftlicher und kirchlicher Zwecke, des Umweltschutzes und der Völkerverständigung“.

Unterstützt werden soziale Organisationen und Einrichtungen, beispielsweise die Jugend-Kunstschule, die Bürgerhilfe „Haus Dietrichsroth“ in Dreieich oder Offenbacher Kindertagesstätten. Die Offenbacher Kinderklinik erhielt die Mittel für die Beschaffung eines Beatmungsgerätes für Säuglinge. Seit Jahren beteiligt sich der Verein zudem an der Ökumenischen Initiative „Soziale Not in Offenbach – Essen und Wärme für Bedürftige“.

Es sind nur Beispiele aus einer weitaus längeren Liste. Der Freimaurerische Wohltätigkeitsverein „Carl und Charlotte zur Treue“ ist Eigentümer des Logen-Grundstücks an der Domstraße. Die Bebauung ist im Erbbaurecht an Außenstehende vergeben, bei denen die Loge die von ihr genutzten Räume mietet. Lothar R. Braun