Sprungmarken
Suche
Suche

Seit 1884 ratterte zwischen Offenbach und Frankfurt die „Knochemühl“ genannte Straßenbahn schon hin und her. 1905 wurde aus der privaten Betreibergesellschaft ein Gemeinschaftsunternehmen der beiden Städte. Es blieb der Schiene verhaftet. Erst seit der zweiten Hälfte der 1920er Jahre stiegen die Offenbacher auch in Omnibusse ein. Und das haben die Bieberer bewirkt. Der Omnibus, heute neben der S-Bahn, das einzige Verkehrsmittel im Offenbacher öffentlichen Nahverkehr, kam gewissermaßen über Bieber in die Stadt.

Bieber war noch eine selbständige Gemeinde, als es 1926 mit der Stadt Offenbach die Einrichtung einer Omnibuslinie über den Bieberer Berg vereinbarte. Dagegen gab es Bedenken, wie das immer so ist bei etwas Neuem. In beiden Kommunen wurde die Frage erörtert, ob das rentierlich betrieben werde könne angesichts der Unvertrautheit von Mittelstadt-Bewohnern mit einer „Großkraftwagenlinie“. „Da steigt doch keiner ein!“ sorgten sich die Skeptiker.

Doch die Leute stiegen freudig ein. Schon ein Jahr nach Eröffnung der „Bieber-Linie“ konnte Offenbachs zweite Buslinie den Betrieb aufnehmen. Sie verband die Kreuzung Waldstraße-Bismarckstraße mit der Stadtgrenze im Westen, damals noch allgemein als „Landesgrenze“ bezeichnet. 1928 verknüpfte man beide Linien zu einem Durchgang von Bieber zur Stadtgrenze. 1933 reckte sich das Netz in der südlichen Waldstraße auch dem neuen Stadtteil Tempelsee entgegen.

Der vor kurzem noch beargwöhnte Bus eroberte sich die Straßen. 1935 übernahm er auch die bis dahin auf der Schiene betriebene Strecke von der Frankfurter Straße zum Hauptbahnhof, nun verlängert bis Buchrainweiher. Besonders beliebt bei den Offenbachern jener Zeit war die Linie A, die an den Wochenenden und Mittwoch-Nachmittagen von der Ecke Bismarck- und Waldstraße zu den Ausflugszielen Gravenbruch, Wildhof und „Neue Linde“ in Heusenstamm führte.

1941 jedoch, mitten im Zweiten Weltkrieg, erlag der Busverkehr fast völlig den Kriegsbedingungen. Als Notbehelf verkehrten mit Stadtgas angetriebene Busse noch zur Sprendlinger Landstraße und dem Neuen Friedhof. Und zunehmend zerschlugen die Bombenangriffe die Struktur des innerstädtischen Nahverkehrs.

Das Finale brachte der Abend des 24. März 1945. „Volkssturm“-Männer bemächtigten sich einiger in den Straßen steckengebliebener Trambahn-Wagen und schleppten sie an die Kreuzung Kaiserstraße-Domstraße. Vor der damaligen Polizeidirektion kippten sie die Fahrzeug-Wracks aus dem Gleis und bauten daraus eine Barrikade, die den amerikanischen Vormarsch stoppen sollte. Umkämpft wurde sie nicht mehr. Am Tag darauf zogen die Amerikaner kampflos ein.

Eine Straßenbahn fuhr in Offenbach erst wieder am 5. Juli 1945. Und der Busverkehr brauchte noch mehr Zeit. Seine Normalisierung ist mit dem Jahr 1948 markiert. Da erhielt das 1941 eingemeindete Rumpenheim eine Busverbindung mit der Innenstadt. Bald darauf jedoch sollte das Obus-Experiment beginnen. Der elektrisch betriebene Oberleitungs-Bus lag im Trend, er galt als fortschrittlich. Offenbach konnte Mittel aus dem Marshallplan nutzen, als es 1951 die erste Obus-Linie Bürgel-Marktplatz-Hauptbahnhof-Goethering einrichtete. Zwei Jahre später fuhren Obusse auch zwischen Bieber und Stadtkrankenhaus. Innerstädtisch sollten künftig nur noch Nebenlinien und Zwischenverbindungen durch Busse mit Verbrennungsmotor bedient werden.

Indes, der Obus erwies sich als ein Problem, das mehr Kosten als Nutzen produzierte. Um 1960 wurde das Steuer herumgerissen. Nun hieß es: „Weg mit dem Obus, weg mit der Straßenbahn“. In Offenbach sollten fortan nur noch Omnibusse mit Verbrennungsmotor verkehren. Über Bord geworfen wurde der Plan, Offenbachs letzte eigene Tram-Linie 27 auf Obuse umzustellen. 1963 übernahm sie der Omnibus. Und als 1967 auf der Straßenbahnlinie 16 der Gemeinschaftsbetrieb mit Frankfurt endete, hatte Offenbach sich endgültig von der Trambahn abgewandt. Heute beginnt und endet die Frankfurter Linie 16 an der Offenbacher Stadtgrenze.

Von Lothar R. Braun

veröffentlicht in der OFFENBACH POST