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Roland Maschinen waren Weltmarktführer
Roland Maschinen waren Weltmarktführer © Stadtarchiv Offenbach
Aktuelle Nachrichten aus aller Welt. Die Tageszeitung liefert sie uns jeden Morgen auf den Frühstückstisch. Diese Aktualität in hoher Auflage wäre nicht möglich ohne das Offset-Druckverfahren. 1904 hatte es in den USA Premiere. Seine technischen Grundlagen und seine Weiterentwicklung bis heute sind ein bedeutendes Stück Offenbacher Wirtschaftsgeschichte – verbunden mit den Namen Alois Senefelder und MAN Roland.

Das Jubiläum

Das Jahr 1904, so heißt es oft, gehört der Wissenschaft und Technik. In diesem Jahr erfindet William Rubel in New Jersey das Offset-Druckverfahren, wobei nicht geklärt ist, ob es sich um eine gezielte oder eher zufällige Entdeckung handelt. 1907 jedenfalls führt Caspar Herrmann das Verfahren in Deutschland ein. Im Alter von 18 Jahren war er in die USA ausgewandert. Ab 1913 treibt er bei einer Firma in Plauen den Bau von Rollen- und Bogenoffsetmaschinen voran.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts galt es, die Texterstellung weiter zu beschleunigen und den Handsatz durch mechanische Verfahren zu ersetzen. In Deutschland formieren sich verschiedene Druckmaschinenhersteller. Unter anderem kommt es 1908 zum Zusammenschluss zweier Maschinenfabriken aus Augsburg und Nürnberg zu MAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG).

Als die MAN 1920 den Offsetmaschinenbau einführen will, kommt Caspar Herrmann als Instrukteur und Fachmann für dieses Verfahren nach Augsburg. Mit seiner Hilfe entsteht 1921 die erste Rollenoffsetmaschine der MAN. Herrmann löst 1931 auch das Problem des Offsetdrucks ohne Feuchtung: Für Druckversuche hierzu kauft er eine Steindruckschnellpresse der Offenbacher Faber & Schleicher AG, die er für seine Zwecke umrüstet.

Die Anfänge

Der 1771 geborene Johann Nepomuk Franz Alois Senefelder schreibt als junger Mann in seiner freien Zeit Theaterstücke. Verleger für seine Arbeiten sind schwer zu finden, der Druck ist teuer. Senefelder entschließt sich, seine Stücke selbst zu vervielfältigen. Nicht der Wunsch, ein neues Druckverfahren zu entwickeln, sondern materielle Not zwingt Senefelder, einen Weg zu suchen, die eigenen Stücke schnell und billig zu drucken.

Er experimentiert mit verschiedenen Möglichkeiten. Nach vielen Versuchen übt er mit einer selbst entwickelten "schwarzen Tinte aus Wachs, Talg, Seife, Kienruß (stammt aus harzigen Bestandteilen der Fichtenrinde) und Regenwasser" die Radiertechnik auf einer glattpolierten Solnhofer Kalkschieferplatte. Diese Steinplatten werden in München häufig zum Belegen der Hausflure verwendet. Durch Zufall entdeckt er, dass die nicht mit seiner Wachstinte bedeckte Steinoberfläche mit Scheidewasser (Salpetersäure) wegzuätzen war. Die hochgeätzte Schrift lässt sich mit einem Buchdruckerballen einschwärzen und auf Papier abdrucken.

1797 zeichnet Senefelder mit Seife auf den geschliffenen Stein, gießt Gummiwasser (Gummi arabicum-Lösung) darüber und schwärzt die Zeichnung mit Ölfarbe ein. Die durch die Seife fettigen Stellen nehmen die Farbe an, der übrige Stein bleibt weiß. Die Lithografie, der chemische Steindruck (Flachdruck) ist erfunden.
Senefelders Erfindung wird erstmals ab 1799 in der Offenbacher "Notenfabrique" von Anton Andre kommerziell mit großem Erfolg genutzt.

Das Offset-Druckverfahren

Offset bedeutet Ausgleich. Beim Offset-Druckverfahren handelt es sich um ein indirektes Flachdruckverfahren. Druckträger ist eine Metallplatte, auf die die Vorlage mittels fotochemischer Beschichtung aufgebracht wird. Der Auflagendruck erfolgt auf einer Ein- oder Mehrfarben-Offset-Bogenmaschine oder einer Offset-Rollenrotationsmaschine. Zuerst wird die Platte auf dem Plattenzylinder befestigt und eingerichtet. Durch Rotation der Zylinder wird die Oberfläche der aufgespannten Druckplatte durch Wischwalzen angefeuchtet und Farbwalzen sorgen für die Einfärbung. Der Druckvorgang beruht, wie bei Senefelders Steindruck, auf dem sich gegenseitig Abstoßen von Fett und Wasser, d.h. die bezeichneten Partien nehmen Farbe an und stoßen Wasser ab, die unbezeichneten Stellen sind angefeuchtet und nehmen keine Farbe auf.

 

Die erste Roland
Die erste Roland © Stadtarchiv Offenbach
Offenbacher Industriegeschichte 1871 gründen Louis Faber und Adolf Schleicher ein "Associationsgeschäft zur Produktion von lithografischen Schnellpressen." Die in Offenbach ansässige Firma entwickelt noch im selben Jahr mit der Albatros (Foto oben) die erste Druckmaschine. 1911 baut die Faber & Schleicher AG die weltweit erste Bogen-Rotationsmaschine für den Offset-Druck: die „ROLAND“. Ihr Name soll später die Marke MAN Roland prägen – und fast zu einem Synonym für Offset werden. Bereits in diesem Modell wird das Prinzip drei gleichgroßer Zylinder verwendet. Dieses System findet man heute in jeder modernen Offsetpresse. 1979 kommt es zur Fusion: Die Roland Offsetmaschinenfabrik Faber & Schleicher, Offenbach, und der Druckmaschinenbereich der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg vereinigen sich zur MAN Roland Druckmaschinen AG, Offenbach/Main. Die Firma gilt heute als weltweit zweitgrößter Hersteller von Drucksystemen und Weltmarktführer im Rollenoffset. In Offenbach, einem der Hauptstandorte des Unternehmens, wird die „Roland 700“ produziert, eine Bogen-Offset-Maschine für Werbe- und Geschäftsdrucksachen sowie Verpackungen. Zum Andenken an den Wegbereiter Zum 200. Geburtstag von Alois Senefelder, dem Erfinder der Lithografie, wird am 6. November 1971 in Offenbach die Internationale Senefelder-Stiftung gegründet. Sie soll das Andenken an den genialen Erfinder wahren, junge Künstler und Techniker fördern, Dokumente, Gegenstände und Lithografien sammeln sowie Ausstellungen organisieren oder unterstützen, die der Technik der Lithografie und ihrer Weiterentwicklung dienen.
Mit freiundlicher Genehmigung von MAN Roland
Bohrmaschinenhalle © Mit freiundlicher Genehmigung von MAN Roland