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Flussansicht Rumpenheimer schloss
© Stadt Offenbach
Von Prinzen, Landgrafen, Königstöchtern und „Ehen zur linken Hand“ war die Rede, als der Historiker Vicente Such-Garcia im Haus der Stadtgeschichte einen Rumpenheimer Nachmittag bestritt. „Das Haus Hessen-Rumpenheim und Europa“ hieß sein Thema. Mit Ahnentafeln und Porträtfotos führte Such-Garcia ins Labyrinth der Hessen-Dynastie, in der die Rumpenheimer zunächst nur eine Nebenlinie waren, bis sie am Ende des 19. Jahrhunderts die Kasseler Hauptlinie ablösten.

Da freilich waren das Kurfürstentum Hessen-Kassel bereits preußisch geworden, und in Schloss Rumpenheim kündigte sich Abenddämmerung an. 1902 ist die landgräfliche Familie in das ererbte Schloss Kronberg im Taunus umgezogen. In Rumpenheim erlosch der höfische Glanz, und nur noch selten wird erwähnt, dass die landgräfliche Familie sich eigentlich Hessen-Kassel-Rumpenheim nennen müsste.

Das ist allerdings auch nicht mehr von Bedeutung. Bevor 1997 die letzte noch lebende Prinzessin der großherzoglichen Familie Hessen-Darmstadt verstarb, hat sie durch Adoption die Häuser Darmstadt und Kassel-Rumpenheim wieder zusammengeführt – fast 500 Jahre nach der Teilung.

Ein auffallender Spross der Familie Hessen-Rumpenheim war Karl Friedrich (1868-1940), ein Schwager des deutschen Kaisers Wilhelm II. Im Oktober 1918 wählte das von Russland unabhängig gewordene Finnland ihn zu seinem König. Fredrik Kaarle sollte er in Helsinki heißen. Dort freilich kam er niemals an. Zwei Monate nach der Wahl und angesichts der deutschen Niederlage erklärte Finnland sich zur Republik. Aus lokaler Sicht hat Friedrich Karl von Hessen-Kassel-Rumpenheim einen weiteren Schönheitsfehler: Er hat nie in Rumpenheim gelebt.

Immerhin aber konnten viele europäische Dynastien durch hessische Gene gestärkt werden. Such-Garcia bescheinigte den Landgrafen und späteren Kurfürsten „eine erfolgreiche Heiratspolitik“. Vor allem in Skandinavien und Italien galten ihre Söhne und Töchter offenbar als begehrenswert. Als ein tragischer Fall ist die Geschichte der Eltern des heutigen Seniors Landgraf Moritz (geb 1926) bekannt. Sein Vater Philipp heiratete 1925 die italienische Königstochter Mafalda. Sie kam 1944 im Konzentrationslager Buchenwald ums Leben.

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Familientage im Rumpenheimer Schloß © Urheberrecht erloschen
Beim Rückgriff ins 19. Jahrhundert beschwor der Referent Bilder von den „Rumpenheimer Familientagen“, zu denen sich regelmäßig Europas Hochadel in dem kleinen Schloss am Main zu treffen pflegte. Irgendwie war ja jeder mit jedem verwandt. Zeitweise wurde Rumpenheim bei diesen Adelstreffen zu einem Zentrum antipreußischer Politik. Das war nach 1866, nachdem Preußen so viele der Herrschaften von ihren Thronen gestoßen hatte. Rumpenheim sah Kronenträger und Entthronte, Könige, Fürsten und Prinzessinnen. Nur Englands Königin Victoria kam nie. Ihr war, so wird gesagt, Rumpenheim nicht komfortabel genug.                                                                                                         Lothar Lothar R. Braun
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