Sprungmarken
Suche
Suche

Kriegsjahr 1944: Dem normalen Wirtschaftsverkehr standen kaum noch Kraftfahrzeuge zur Verfügung. Und was noch fuhr, das wurde nicht mit Benzin angetrieben, sondern von kokelnden Holzgas-Generatoren. In dieser Transportkrise übernahm der öffentliche Personen-Nahverkehr in Frankfurt und Offenbach auch die Beförderung von Obst und Gemüse aus der Großmarkthalle zu den Verteilerstellen. Die Stadt Offenbach beteiligte sich daran seit dem 5. Juli 1944 mit einem Omnibus samt Fahrer und Schaffner.
Den Schaffner brauchte man. Für 80 Pfennig verkaufte er nun die bisherigen Kinderfahrscheine, „gültig für 50 Kilogramm Marktgut oder zwei Personen“. Leergut wurde kostenlos befördert. Wenn der Kraftstoff ausreichte und der Oberbürgermeister eine Sondergenehmigung zuließ, durfte der Bus auch Gemüse direkt beim Erzeuger abholen. Die Stadt wies allerdings darauf hin, dass es für diesen Bus keine Reserven gebe. Wenn er in die Werkstatt musste, fielen die Fahrten aus, aber auch dann, wenn nach Bombenangriffen auf Offenbach Sonderfahrten erforderlich wurden. Ende Juli indes war die Frankfurter Straßenbahn in der Lage, den Gemüsetransport mit ihren Güterzügen allein zu bewältigen. Kohlköpfe für Offenbach kamen nun auf den Schienen der Linie 16 in die Stadt. Die beiden Städte einigten sich darüber, dass nun auch auf den Trambahn-Schienen ein allgemeiner Stückgut-Verkehr aufgenommen werden könne. Viel ist daraus allerdings nicht mehr geworden. Im zunehmenden Luftkrieg über Frankfurt und Offenbach löste sich allmählich die gesamte Infrastruktur auf und mit ihr der Öffentliche Nahverkehr. Von Lothar R. Braun veröffentlicht in der Offenbach Post