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Stadtcafe mit Spielplatz
© Stadt Offenbach
Es war ein beispielloses Zeichen von Bürgersinn, und ganz Hessen blickte mit Respekt auf Offenbach: Im Jahr 1958 kam in Gang, was man damals den „Offenbacher Marschallplan“ nannte. Sein Ergebnis steht am Rande des Büsingparks. Es ist das heute kaum mehr beachtete „Frieda-Rudolph-Heim“.

Seine Geschichte wirft ein Licht auf gesellschaftlichen Wandel. Sie begann in einer Zeit verbreiteter Altersarmut. An der Gabelsbergerstraße unterhielt die Stadt in den fünfziger Jahren eine Baracke als „Wärmehalle“. Im Winter konnten minderbemittelte Menschen sich dort aufwärmen und an der häuslichen Heizung sparen. In der Regel nutzten das die Bezieher karger Renten.

Seine Geschichte wirft ein Licht auf gesellschaftlichen Wandel. Sie begann in einer Zeit verbreiteter Altersarmut. An der Gabelsbergerstraße unterhielt die Stadt in den fünfziger Jahren eine Baracke als „Wärmehalle“. Im Winter konnten minderbemittelte Menschen sich dort aufwärmen und an der häuslichen Heizung sparen. In der Regel nutzten das die Bezieher karger Renten.

Als die Wärmehalle einem Schulbau weichen musste, begann die Stadtverordnete Frieda Rudolph, damals bekannt als „Engel der Armen“, die Trommel zu rühren. Sie forderte Ersatz. Gehör fand das noch nicht bei der Stadtverwaltung, aber bei den Bürgern. Unversehens gingen in der Redaktion der Offenbach-Post Geldspenden ein zur Finanzierung einer Wärmehalle. Jemand schleppte Pakete mit Nägeln an. Als der Redaktion auch noch ein Sack Zement angekündigt wurde, begriff sie, dass ihr die Sache über den Kopf wachsen würde. Die Spendenaktion, zu der niemand aufgerufen hatte, bedurfte eines Organisators.

Er fand sich im Stadtverordnetenvorsteher Ferdinand Winkel. Er gründete einen Bürgerausschuss. Was außerhalb des Rathauses begonnen hatte, sollte außerhalb bleiben. Doch die Stadt kam in Zugzwang. Im alten „Naumannschen Garten“ stellte sie dem Bürgerausschuss ein Gelände zur Verfügung, das bis dahin vom Gartenamt als umzäunter Lagerplatz genutzt worden war.

Den großen Schwung brachte der Maurerpolier Wilhelm Marschall ins Spiel. Er mobilisierte vierzig Kollegen aus der Gewerkschaft Bau-Steine-Erden, die sich verpflichteten, in ihrer Freizeit unentgeltlich zu bauen. Der „Offenbacher Marschallplan“ war geboren.

Für Entwurf und Bauleitung stellte sich honorarfrei der Architekt Heinz Collin zur Verfügung.. Denn Ferdinand Winkel wollte mehr als nur eine Stube mit Ofen. Ein Clubhaus für die Rentner sollte das werden, ein gepflegter Alten-Treffpunkt für Geselligkeit und Aktivitäten. Winkel formulierte: „Das Heim soll ein Geschenk der noch Arbeitenden an die Betagten sein, die zu ihrer Zeit mehr als das Selbstverständliche zum allgemeinen Fortschritt und zum allgemeinen Wohlstand beigetragen haben“.

Den ersten Spatenstich vollzog Frieda Rudolph am 3. August 1957. Oberbürgermeister Georg Dietrich sagte dabei: „Ich bin stolz, an der Spitze einer Stadt zu stehen, die einen solchen Gemeinschaftsgeist beweist“.

Die Begeisterung wirkte ansteckend. Bei den Bauarbeiten griffen auch Stadtverordnete zur Schaufel. Das Technische Hilfswerk und andere Organisationen packten an. Der OFC Kickers veranstaltete ein Benefizspiel, der Theaterclub Elmar gab eine Benefizaufführung. Zeitungs- und Rundfunkreporter reisten an, um über den „Offenbacher Marschallplan“ zu berichten. Der Hessische Innenminister Heinrich Schneider vermauerte einen Stein und brachte dazu 11.000 Mark mit.

Das addierte schon am 9. September die Spendensumme auf 41.000 Mark. Im Wert von 25.000 Mark war zu diesem Zeitpunkt Baumaterial gestiftet. Tag für Tag brachte die Offenbach-Post Meldungen wie diese vom 2. September 1957: „Eingegangen sind 500 Mark von den Lederwerken Becker in Bürgel, von der Firma Nordlicht die Zusage, alles für die Beleuchtung zu spenden, von Herrn Alfons Hermann Bücher und Bilder für die Ausstattung“.

Am Ende stand ein Bungalow im Wert von 80.000 Mark (ohne Innenausstattung), finanziert mit mehr als 50.000 Mark Bargeldspenden und mit unbezahlter Arbeitsleistung im Wert von etwa 30.000 Mark.
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Eingeweiht und in die Obhut der Stadtverwaltung gegeben wurde das „Rentner-Tagesheim“ am 30. März 1958. Die Betreuung der Gäste übernahm für die nächsten Jahre der Offenbacher Überparteiliche Frauenverband, den Frieda Rudolph (SPD) und nach ihrem Tod Christine Kempf (CDU) leiteten. Das Haus wurde zum Vorbild für die später erbauten Tagesstätten „Else –Hermann-Haus“ am Hessenring , „Emil-Renk-Heim“ in Tempelsee und „Christine-Kempf-Haus“ in Bürgel.

Heute residiert hier das Stadtcafe, ein beliebter Treffpunkt im Park, eine Oase der Ruhe mitten im hektischen Betrieb der City. Geleitet wird das Cafe von der Arbeiterwohlfahrt. 
Das zwischen Büsingpark und Linsenberg hinter Gebüsch versteckte Haus gilt nicht mehr als ausgelastet. Im Rathaus gibt es Überlegungen, es in ein Cafeé, das von Behinderten betrieben wird, umzuwandeln. Schon 1981 ist erwogen worden, es völlig abzureißen.

Lothar R. Braun