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© Messe Offenbach
Die Offenbacher Messegesellschaft stand 2000 in einem Jubiläumsjahr. Gefeiert wurde im August. Auf Termingenauigkeit muss aber nicht geachtet werden, denn die Messe kann als Geburtstag mehrere Daten nennen. Eins davon ist der 11. März 1950, an dem der Notar Dr. Karl Kanka die Gründung der Messegesellschaft beurkundete.

Als Sprecher der Gründer sagen vor seinem Schreibtisch der Handelskammer-Präsident und Bankier Friedrich Hengst, der IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gustav Filtzer und der Obermeister der Feintäschner-Innung, Ferdinand Wagler. Zu ihrem Präsidenten wählte die Gesellschaft den Offenbacher Oberbürgermeister Dr. Hans KIüber. Der erste Geschäftsführer hieß Georg Balder.

Doch als die Gesellschaft ordentlich nach Recht und Gesetz gegründet wurde, hatte die Messe bereits zwei Veranstaltungen hinter sich. Denn eigentlich beginnt ihre Geschichte im Oktober 1949, mit einer Ausstellung „Lederwarenindustrie und Marshallplan" im Theater an der Goethestraße.

Ausstellungsvorbereitungen 1949
Ausstellungsvorbereitungen 1949 © Stadtarchiv Offenbach

Wenige Wochen nach der Wahl des ersten Deutschen Bundestags sollte dies sowohl eine Leistungsschau werden als auch Dankbarkeit anzeigen für das Europäische Wiederaufbauprogramm ERP der Amerikaner. Mit dem Marshallplan hatte es auch der im Krieg niedergeworfenen Offenbacher Wirtschaft bereits erkennbar unter die Arme gegriffen.

In engen Kojen füllten 55 Aussteller die Räume und Korridore des Theaters. Die Bühne teilten sich zwei bedeutende, die Firmen Karl Seeger und F. Michaelis. Die feierliche Eröffnung fand im Sitzungssaal der Stadtverordneten statt, der zu einem Schulgebäude, dem Theater gegenüber, gehörte. Wichtigster Redner war der ERP-Sonderbeauftragte für Deutschlands Westhälfte, ein Amerikaner namens Colisson.

Lederwaren 1949
Lederwaren 1949 © Stadtarchiv Offenbach

Die Ausstellung wurde zum Erfolg. Sie war noch im Gange, als die Veranstalter erkannten, dass dies keine Eintagsfliege bleiben dürfe. Tatsächlich konnten sie schon drei Monate später, am 28. Januar 1950, die erste „Offenbacher Lederwaren-Fachmesse" eröffnen, diesmal mit Feierstunde im Capitol-Kino an der Frankfurter Straße.

Nun waren bereits 155 Aussteller unterzubringen, darunter die ersten vier Ausländer. Dafür reichte das Theater nicht mehr aus. Die Firmen belegten auch den Stadtverordneten-Saal, die dem Theater benachbarte TVO-Turnhalle und die Aula der Werkkunstschule, der heutigen Hochschule für Gestaltung.

Man lebte in einer Zeit des Improvisierens. Jahre des Mangels hatten es gelehrt, sich zu behelfen. Noch immer säumten Trümmer die Offenbacher Straßen. Aber nun ging die Entwicklung der Messe so stürmisch voran, dass sie als Beispiel für das Wirtschaftswunder taugt.

Bereits zur dritten Messe im September 1950 mit 318 Ausstellern stand an der Kaiserstraße die erste MessehaIle. Dort hatte das Deutsche Ledermuseum bis 1938 in einer alten Villa seinen Standort. Noch immer indes mussten die Turnhalle und die Werkkunstschule in Anspruch genommen werden. Aber I951 stand die Messehalle 2. 1953 war die Halle 3 fertig. 1956 erhielt der Querbau der Halle 1 zwei zusätzliche Geschosse. Dem folgte allerdings zunächst einmal eine Erholungspause. Halle 4 entstand erst 1980.

Die Hallen haben viele Väter. Ein unter ihnen herausragender ist zu Lebzeiten zur Legende geworden. Das ist der Lederwarenfabrikant Jean Weipert, den man den „Marschall Vorwärts" nannte, weil er das Geschehen vorantrieb wie einst der Marschall Blücher seine Soldaten. Den Bauarbeitern saß er im Nacken mit lockendem Freibier und mit schmeichelnden oder barschen Worten, in jedem Fall mit mitreißendem Zuspruch. Mit Weipert mussten sie rechnen. Bei ihm konnte nie einer bummeln.

Weipert war Hersteller und Aussteller, wie alle übrigen Gesellschafter, mit Ausnahme von Stadt, Kreis und IHK. Mehrheitlich gehörte die Messe denen, die dort ausstellten und eine Plattform für ihre Interessen schaffen wollten.

Zum Jubiläumsjahr 2000 standen einige Umstrukturierungen an, wie die Sprecherin der Messe Ursula A. Diehl damals erläuterte. Die Messe sollte in eine GmbH umgetauft werden. Die vergangenen fünf Jahren zuvor seien vor allem von den Bauaktivitäten geprägt gewesen. Insgesamt 20 Millionen Mark habe sich die Messe den Umbau der Hallen koten lassen. 'Ficke: ,,Dies war ein Kraftakt sondergleichen. Unsere Leistung war, dass der Messe-Betrieb trotz der Arbeiten am Laufen gehalten wurde." Jetzt stehe das Konzept „Messe 2000" im Mittelpunkt, das mit der Neueinteilung der Hallen bereits bei der vergangenen Lederwarenmesse eine erfolgreiche Premiere gefeiert habe.

Von Lothar R. Braun und Achim Lederle

Veröffentlicht in der Offenbach Post

Messealltag 1949
Messealltag 1949 © Stadtarchiv Offenbach
Messe im Stadttheater
Messe im Stadttheater © Stadtarchiv Offenbach