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Migrantenunterricht in der vhs
© David Straßburger
„50 Jahre Migration in Offenbach“. Der Ausländerbeirat würdigte es mit einem Festakt im Stadtverordnetensaal des Rathauses: Oberbürgermeister Horst Schneider erinnerte dabei an frühere Einwanderungen, etwa die Ansiedlung der Hugenotten um 1700, sah die gegenwärtige Stadt jedoch vornehmlich geprägt von den Zuwanderern der letzten 50 Jahre. Noch immer indes, sagte er, bedürfe es der Mitarbeit aller Beteiligten, um aus dem Nebeneinander ein Zusammenleben zu gestalten.

Es war eine Forderung, die sich auch an die Neubürger richtete. Wie ein roter Faden zog sie sich durch die gesamte Veranstaltung. „Wir alle sind verantwortlich für diese Stadt,“ mahnte in seiner Begrüßungsansprache der Ausländerbeirats-Vorsitzende Abdelkader Rafoud. Er blickte auf die freiheitlichen Bewegungen jenseits des Mittelmeers und befand: „Freiheit und Demokratie, um die dort noch gerungen wird, genießen wir bereits hier in Offenbach!“

In der 50-Jahre-Datierung erkennt der aus Marokko stammende Rafoud so etwas wie eine Goldene Hochzeit der Neu-Ofenbacher mit den Eingesessenen. Wer dabei die Braut sei, mochte er nicht entscheiden. Aber er fand: „Wie in jeder Ehe erkennen wir ein Geben und Nehmen.“

Den roten Faden der beidseitigen Verantwortung griff dann auch Yilmaz Karahasan auf, ein ehemaliges Vorstandsmitglied der IG Metall. Von Bürgern mit Migrationshintergrund erwartet er „mehr Beteiligung am sozialen, kulturellen und politischen Leben in Deutschland“. Jedes Mitglied der Gesellschaft habe das Recht, aber auch die Pflicht, sich mit gesamtgesellschaftlichen Fragen auseinander zu setzen.

Im Gegenzug richtete er an die deutsche Politik das Verlangen, bei kommunalen und Europawahlen auch jenen Einwohnern das Wahlrecht zu gewähren, die nicht der EU zugeordnet sind. Einhergehen sollte das aus seiner Sicht mit einer großzügigeren Gestaltung des Staatsbürgerrechts: „Dabei ist die Doppel- und Mehrstaatlichkeit zu akzeptieren.“ Die deutschen Städte könnten dazu beitragen, indem sie sich im Sinn einer solidarischen Stadtgesellschaft stärker in die bundesweite Diskussion dieser Fragen einbringen.

Seinen Forderungen hatte Karahasan eine Analyse vorangestellt, die sowohl die politische, soziale und administrative, als auch die mentale Entwicklung im Verhältnis zwischen Mehrheit und Migranten tief lotend untersuchte. Die brutalen Anschläge der letzten Jahrzehnte blieben dabei nicht ausgespart: „Nach kurzer Zeit gingen die Lichterketten aus, und die Kette der Gewalt riss nicht ab“..

Dabei brachte der Referent in Erinnerung, dass schon Mitte der 60er Jahre und später verstärkt von „Welle, Flut und Schwemme“ gesprochen wurde: „Als stünde Deutschland kurz vor einer Naturkatastrophe, die das Leben Aller bedroht.“ Karahasan wendet sich dagegen, dass die Zuwanderer als „Gäste, Ausländer oder gar als Fremde“ bezeichnet werden: „Sie sind schon längst zu Inländerinnen und Inländern gewordene Einwanderer. Viele sogar schon zu Inländern in der vierten Generation“.

Die Gäste im Saal sahen griechische Tänze. Sie hörten türkische Lautenklänge von Adil Demirtas. Zum Programm der Veranstaltung gehörte zudem eine Talkrunde, in der Stadtrat Dr. Enno Knobel Offenbacher erzählen ließ, die schon vor rund 60 Jahren einwanderten, je einer aus Italien, Jugoslawien, Griechenland und der Türkei. Alle betonten, dass sie sich als Offenbacher verstehen. Lothar R. Braun