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Stolpersteine
© Hans Braxmeier/ pixabay.com
Zukunft braucht Erinnerung. Rund sechs Millionen Menschen verloren im Holocaust ihr Leben, viele in den Vernichtungslagern, andere bei Zwangsarbeit, auf Todesmärschen durch Hunger und Entbehrung. Seit 1992 weist der Kölner Künstler Gunter Demnig mit seinem Projekt der Stolpersteine auf die Mitbürger und Mitbürgerinnen, die Opfer der nationalsozialistischen Rassenideologie wurden, hin. Fast 70.000 Steine erinnern in 1265 deutschen Kommunen und in 24 Staaten Europas an den Holocaust, aktuell 148 Stolpersteine gibt es auch in Offenbach. Nach dem 25. März 2019 werden es 167 sein, weitere 2 kommen 2020 nach Fertigstellung der Bauarbeiten auf dem Areal des Arbeitsamtes in der Domstraße hinzu. „Aber auch diese 169 sind nur exemplarisch“, erklärt Barbara Leissing von der Geschichtswerkstatt: „Denn natürlich müsste es noch etliche weitere mehr geben.“ Immerhin hatte die jüdische Gemeinde in Offenbach vor dem Zweiten Weltkrieg noch über 900 Mitglieder gezählt. Etwa die Hälfte von ihnen konnte noch rechtzeitig fliehen, mindestens 400 von ihnen wurden deportiert. Die meisten starben in einem der deutschen Vernichtungslager.

Seit 2006 erinnern auf Initiative der Geschichtswerkstatt Stolpersteine auch in Offenbach an das Schicksal jüdischer Menschen, von Roma und Sinti, von politischen Nazigegnern, Opfern der "Euthanasie" und Anderer. Die 1993 gegründete Gruppe widmet sich der Offenbacher Geschichte über politische Meinungen und Fraktionen hinweg. Verbindend ist der Wunsch, dass auch die lokale Geschichte in der Erinnerung bleibt und damit neuen nationalistischen, antisemitischen und rassistischen Tendenzen entgegen gewirkt werden kann. „Der Weg zu einem Stolperstein ist aufwändig, zumal alle spendenfinanziert sind“, berichtet Leissing. 120 Euro kostet die Herstellung und Verlegung eines Steines. Allerdings sei der letzte Aufruf, vielleicht aufgrund der veränderten gesellschaftlichen Lage mit einem wieder erstarkenden Antisemitismus auf eine wirklich große Resonanz gestoßen, „viele Spender sagten, dass sie ein Statement gegen Geschichtsvergessenheit setzen möchten.“

Am Montag, 25. März, werden nun Stolpersteine vor acht Häusern in Offenbach und Bürgel verlegt. Demnig beginnt um 9 Uhr vor dem Haus in der Mainstraße 37 mit den Stolpersteinen für den bis 1933 amtierenden SPD-Bürgermeister Dr. Heinrich Aull, dessen Frau sowie seine beiden Töchter. Die Stolpersteine in der Niedergasse 41 in Bürgel erinnern an die Romnija Theresa Kessler und ihre Tochter Rosa, die im Alter von 5 Jahren in Auschwitz ermordet wurde.

Personen und Schicksale werden im Rahmen der Gedenkveranstaltung um 18 Uhr im Haus der Stadtgeschichte nochmals genauer vorgestellt, bei der auch Sohn und Enkel der 95jährigen Joan Lorch Staple aus den USA anwesend sein werden, die 1938 mit ihrer Familie emigrieren konnte.

Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke eröffnet die Veranstaltung. Er sagt: „Mit den Stolpersteinen wird die Erinnerung an die Menschen, die Opfer des NS-Regimes wurden, wachgehalten. Die 10 x 10 Zentimeter großen beziehungsweise kleinen Steine mahnen zur Wachsamkeit, sie zeigen, wie aus Nachbarn Opfer und Täter wurden.“

Informationen:

www.offenbach.de/stolpersteine

Offenbach am Main, 20. März 2019