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Lithosteine im Büsingpark
© Stadt Offenbach
Senefelder fasste die von ihm entwickelten Möglichkeiten der Lithographie (griech. "Lith" = Stein) wie folgt zusammen: Herstellung von Schriften, Musiknoten, Landkarten, Tabellen, Zirkularien (Rundschreiben), sowie die Wiedergabe von schwarz-weißen und farbigen Bildern, Holzschnitten, Handzeichnungen, Kupferstichen.
1799 erteilte Kurfürst Maximilian Joseph das langersehnte Privilegium exclusivum auf die Dauer von 15 Jahren für das Kurfürstentum Bayern. Bei einer Strafe von 100 Dukaten und Konfiskation (Beschlagnahmung) aller Vorräte und Werkzeuge war es verboten, Senefelder und Gleißner Konkurrenz zu machen. Das Privileg bezog sich auf alles, was man auf Stein drucken kann, sowohl schwarz als in Farben. 1801 erhielt er dieses Privileg auch für Großbritannien und Österreich. Nachricht (aus der "Kurfürstlich gnädigst privilegirte Müncher-Zeitung", 26. Sept. 1799)

Se.[ine] kurfürstl.[iche] Durchlaucht haben sich den 3. Sept.[ember] d.[es] J.[ahres] huldreichst bewogen gefunden, uns endesunterzeichneten auf unsere neu erfundene, bisher noch ganz unbekannte Art auf Stein zu druken, das Privilegium exclusivum tax- und siegelfrei auf fünfzehn nacheinander folgende Jahre dahin gnädigst zu ertheilen, daß wir alles, was man auf Stein druken kann, zu druken, und damit sowohl schwarz als koloriert in Höchstdero Kurlanden Verkehr zu treiben berechtigt seyn sollen, wie wir es zu unserm bessern Fortkommen für dienlich erachten, so zwar, daß Niemand bei Strafe von 100 Dukaten eine ähnliche Drukerei errichten, und unsere Kunst nachmachen dürfen. - Mit dem tiefsten Gefühle des Dankes für diese höchste Gnade machen wir dieses hiermit Jedermann zu dem Ende bekannt, um sich mit Bestellungen hierüber an uns wenden zu können. Wir werden durch unseren Fleiß und unsere Accuratesse das Vertrauen des Publikum in jedem Falle zu verdienen suchen. Unsere Wohnung ist im Schmädlischen Hause in der Residenzgasse.
München, den 23. Sept.[ember] 1799 Franz Gleißner, Hofmusikus
Alois Sennefelder

Die Erfindung wurde erstmals ab 1799 in der Offenbacher "Notenfabrique" von Anton Andre kommerziell mit großem Erfolg genutzt. 1801 übersiedelte Senefelder von Offenbach nach Wien. Am 18.01.1803 erhielt er ein Privileg für Österreich, befristet auf 10 Jahre. Nach arbeitsreichen aber im Ergebnis erfolglosen Jahren kehrte er nach München zurück und richtete 1807 mit Gleißner und anderen Teilhabern eine eigene Steindruckerei für Notendrucke und Kunstblätter ein.

Von größter Bedeutung war die aktive Mithilfe des damaligen Direktors der Centralgalerie München (heute Pinakothek) Johann Christian von Mannlich, der die berühmt gewordene Reproduktionsgraphik "Les Oeuvres Lithographique" herausgab.

Für Senefelder arbeiteten die beiden Lithographen Johann Nepomuk Strixner und Ferdinand Piloty. In seinem Schüler Franz Weishaupt hatte er den fähigsten Drucker. Gewinnbringenden Nutzen konnte er selbst aber aus seiner Erfindung nicht ziehen.

Senefelder trat im Range eines "Königlichen Inspectors der Lithographie" in den bayerischen Staatsdienst. Zwischen 1819 und 1824 hielt er sich überwiegend in Paris auf. Er kümmerte sich dort um die Herausgabe seines Lehrbuches in französischer Sprache und arbeitete an der Verbesserung seines Steinersatzes. Mit Treuttel & Würtz gründete er in Paris die Lithographische Anstalt Senefelder & Comp. 1824 kehrte Senefelder endgültig nach München zurück. Auch in den letzten Jahren seines Lebens war er unaufhörlich um die technische Verbesserung seiner Erfindungen bemüht.

Am 26.02.183 starb Alois Senefelder in München.

Mitte der dreißiger Jahre entstanden in Mühlhausen/Elsaß und in London bereits hochqualifizierte Farblithographien. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die farbigen Steindrucke französischer Künstler weltberühmt. Was mit dem Notendruck begonnen hatte, war zum künstlerischem Medium demokratischer Gesinnung geworden. In der Lithographie, vor allem in den Blättern von Honoré Daumier, äußerte sich Kritik an sozialen und politischen Mißständen. Die lithographierte Karikatur erreichte durch die Massenauflagen der Tagespresse und in Bilderbogen alle Schichten der Bevölkerung.

Senefelder sagte in seinem Lehrbuch: "Ich wünsche, daß sich (die Lithographie) bald auf der ganzen Erde verbreitet, der Menschheit durch viele vortreffliche Erzeugnisse vielfältigen Nutzen bringen und zu ihrer größern Veredlung gereichen, niemals aber zu einem bösen Zwecke mißbraucht werden möge. Dieß gebe der Allmächtige! Dann sey gesegnet die Stunde, in der ich sie erfand!"

Der Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Der Steindruck bildet die verfahrensmäßige Grundlage des modernen Offsetdruckes. Offsetmaschinen werden in Offenbach hergestellt. Offenbach ist durch die 1971 gegründete Internationale Senefelder-Stiftung erneut weltweit in das Interessenfeld der Lithographen gerückt.