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Hidden View Buch
v.l.n.r.: Christina C. Henrich-Kalveram, Geschäftsführerin Henrich Druck + Medien, Kulturdezernent Dr. Felix Schwenke, Britt Baumann vom Amt für Kulturmanagement und Anjali Pujari, Stadtarchiv © Amt für Kultur- und Sportmanagement
Der Veröffentlichungstermin war mit Bedacht gewählt: Schließlich standen beim bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ am 10. September Bauwerke im Fokus, die im Laufe der Zeit einen Bedeutungsverlust erfahren haben oder sonst nicht öffentlich zugänglich sind. Der Kunst- und Geschichtsband „Hidden View“ geht noch einen Schritt weiter und verschränkt gestern und heute, die Publikation lässt Geschichte vor Ort lebendig werden. Dem 164 Seiten starken Werk voraus ging die gleichnamige Ausstellung im Spätsommer vergangenen Jahres, in der 12 internationale Künstler auf Einladung des Amtes für Kultur- und Sportmanagement mit in-situ-Arbeiten Teilaspekte der Offenbacher Geschichte mit Installationen, Skulpturen und Performances sichtbar machten. Jetzt hat Kuratorin Britt Baumann gemeinsam mit dem Journalisten Markus Terharn und weiteren Autoren sechs Projekte ausgewählt, mit einem theoretischen Teil und zusätzlichen Bildern über die Ausstellungsdokumentation hinaus erweitert.
Die Stadtarchivarin zeigt eine alte Ansicht des Dreieichparks
Anjali Pujari, Archivarin im Haus der Stadtgeschichte, zeigt eine alte Ansicht der Ausstellungshalle, die seinerzeit im Dreieichpark stand © Stadt Offenbach
„Steine zum Sprechen bringen“ hat Anton Jakob Weinberger seinen Text über die alte Synagogenwand überschrieben, an der die meisten Passanten achtlos vorbeieilen. Die rote Sandsteinwand in der Hintergasse ist die restaurierte Ostwand der Zeiten, 1729/30 erbauten Offenbacher Synagoge. Aber auch andere Autoren und Orte kommen zu Wort: Markus Terharn erzählt die Geschichte des OFC-Stadions auf dem Bieberer Berg, dessen Fläche früher vom Militär genutzt wurde, Rafael von Uslar untersucht in seinem Essay die Bedeutung und Funktionsweise des Denkmals exemplarisch am Viktoriadenkmal, das früher auf dem Aliceplatz stand und Sabine-Lydia Schmidt ist der Farbe Türkis im Stadtbild nachgegangen und hat dabei ein topologisches Netzwerk bestimmter Farbcodes im Stadtbild ausgemacht. Dazu passte die Installation, die Luka Finneisen für die Ausstellung in der Senke des Grenzgrabens schuf, ein Geäst aus türkis-blauen Fäden, das mit einem gleichfarbigen Bassin korrespondierte. „Ein Verweis auch auf die vielen kleinen Fluss- und Bachläufe, die das Offenbacher Stadtgebiet früher durchzogen haben“, erläutert Baumann: „Wasser hatte eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung der Stadt, in der sich beispielsweise sonst nicht so viele Ledermanufakturen und Gerbereien angesiedelt hätten.“
Installation von Fabrizio Prevedello auf dem Alten Friedhof
Installation von Fabrizio Prevedello auf dem Alten Friedhof © Stadt Offenbach

Ebenfalls in Vergessenheit geraten ist die ursprüngliche Nutzung der Fläche in der Schäferstraße als Richtplatz. Die Künstlerin Jan Müller hat sich der Geschichte des Platzes im vergangenen Jahr genähert und dabei aus Fundstücken auch kleine Talismane hergestellt, die den Aberglauben, das Dinge vom Richtplatz Glück bringen, aufgreifen. Anlässlich der Veröffentlichung werden am Sonntag Talismane und auch eine zehn verschiedene Motive umfassenden Fotoedition bei der Präsentation im Dreieichpark angeboten. Die ursprünglich für die Hessische-Landes-Gewerbeschau-Ausstellung 1879 eingerichtete Parkanlage ist heute nur noch ein Bruchteil vorhanden. Auch davon berichtet „Hidden View“ und lässt unter anderem die amorphe Skulptur mit der Bildhauer Gereon Krebber dem Werkstoff Beton 2016 eine neue Form gab, nochmals auferstehen.

graufarbiges Element im Park
Skulptur von Gereon Krebber im Dreieichpark © Stadt Offenbach