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Karminski in seiner Sammlung
© TIM PEUKERT
Michael Karminsky sammelt nonkonformistische Kunst aus der Sowjetunion. Für das Jahresthema der Kulturregion Frankfurt Rhein Main „Geist der Freiheit – Freiheit des Geistes“ macht er am Donnerstag, den 21. Februar um 17 Uhr, sowie am 11. April ebenfalls 17 Uhr,  seine Privatsammlung der Öffentlichkeit zugänglich. Gemeinsam mit Sabine L. Schmidt vom Amt für Kulturmanagement führt er durch die mehr als 600 Werke umfassende Privatsammlung in seinem Loft im Offenbacher Nordend und die spannende Zeit der „zweiten“ russischen Avantgarde.

Der heute 57-jährige kam vor etwa 30 Jahren nach Deutschland, die meiste Zeit verbrachte er in Offenbach. Ursprünglich stammt er aus der Ukraine. Als junger Mann in der Sowjetunion erfuhr er durch das westliche Radio von Künstlern, die sich gegen den Sozialistischen Realismus auflehnten und ihrer  Regimekritik in versteckten Ateliers und Untergrundgalerien Ausdruck verliehen.

Karminsky war von dieser Gegenbewegung fasziniert, sie lässt ihn bis heute nicht los. Die russischen Nonkonformisten lebten und arbeiteten unter dem Radar des kommunistischen Regimes. In Russland sprach man von ihnen wie von einer Insel, einem unabhängigen Land, das nach seinen eigenen Gesetzen, unter seiner eigenen Fahne, lebte.
Zu ihnen gehörte unter anderen Karminskys heute in Paris lebender enger Freund Oskar Rabin, von dem er ebenfalls zahlreiche Werke besitzt. Legendär ist die „Bulldozer-Ausstellung“ der Nonkonformisten, in einem Moskauer Park im Herbst 1974. Den Namen erhielt sie durch den brutalen Polizeieinsatz, der die Ausstellung der Avantgardekünstler unter Einsatz von Planierwalzen buchstäblich dem Erdboden gleichmachte. Einen weiteren Zeitzeugen lernte Karminsky später in Offenbach kennen: Den Maler Eduard Gorokhovsky. Er wurde sein Freund und Mentor, führte ihn in die Kunstwelt ein und lehrte ihm die Sprache der Bilder.

Karminsky kaufte von nun an Kunst, die eigentlich ins Guggenheim-Museum nach Bilbao sollte sowie Objekte, deren Pendants zur Sammlung der Tate Modern in London gehören. Das Kölner Museum Ludwig oder der Martin-Gropius-Bau in Berlin leihen seine Schätze für ihre Ausstellungen. In der Sammlung aus Malerei und Skulpturen reiht sich Kabakov neben Nemuchin und Bulatow, auch das ein oder andere Werk zeitgenössischer Künstler wie beispielsweise von Igor Pestov ist dabei. Präsentiert an Backsteinwänden und selbstverständlich in Petersburger Hängung.

Kulturreferentin Sabine L. Schmidt lebte während ihres Kunststudiums in Moskau und arbeitete dort u.a. für die ГЦСИ Galerie. 2015 veröffentlichte sie ein Buch über das fotografische Werk von Alexander Rodtschenko im Faunten Verlag.

Die erste Führung in diesem Jahr ist am Donnerstag, 21. Februar um 17 Uhr und dauert ca. 90 Min. Danach laden beide zur Gesprächsrunde. Der Eintritt ist frei. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, daher wird um Anmeldung an kulturoffenbachde  bis zum 18. Februar gebeten.

 

Einblick in die Privatsammlung.
© TIM PEUKERT