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Mitarbeiter Kunstprojekt
Martin Pfeifle: VikyNiky und Mitwirkende in der Kunstschlosserei Huiskens in Düsseldorf © Martin Pfeifle
Das Denkmalprojekt "Europa!!!" startet am 25. Mai mit "VikyNiky" pünktlich zu den Kunstansichten und ist noch bis Ende September auf dem Alten Friedhof zu sehen.
Logo Europa!!!
© Anny Öztürk

Europa!!! ist ein Denkmalprojekt, das zur Europawahl 2019 mit der Skulptur VikyNiky des deutschen Künstlers Martin Pfeifle in der Stadt Offenbach ein erstes Mal stattfindet. Die Ruine eines zerstörten Kriegerdenkmals, in Form eines auf einen Friedhof de-platzierten Sockels, dient als symbolträchtiger Ausgangspunkt für ein Projekt, das sich dem Thema der Vereinigung und Einheit von Europa widmet.

Sockel auf dem Alten Friedhof
Sockel auf dem Alten Friedhof © Jessica Schäfer

Der Sockel

Auf dem Alten Friedhof befindet sich das Fragment einer Denkmalanlage, die ursprünglich auf dem heutigen Aliceplatz errichtet wurde, gewidmet den im Krieg gegen Frankreich 1870/71 Gefallenen eines freiwilligen Sanitätskorps. Innerhalb eines von Blumen gesäumten Wasserbeckens erhob sich auf steinernem Unterbau mit Inschriften die metallene Figur einer geflügelten Siegesgöttin in Gestalt der römischen Victoria. 1958 stand das Denkmal dem städtischen Straßen- und Parkplatzbau im Weg und so wurden - nach Abriss der Brunnenanlage - Sockel und Statue auf den Alten Friedhof verbannt. Dort schlug noch im selben Jahr ein Blitz in einen Baum ein, Victoria wurde beschädigt, und schließlich beim Abbau zerstört. Im Stadtarchiv befinden sich seitdem ihre Fragmente. Diese konnten 2018 fast vollständig in der das Projekt Europa!!! vorbereitenden Ausstellung Gloria Victoria, im Projektraum Marterie in Offenbach gezeigt werden. Auf dem Alten Friedhof jedoch blieb ein verwaister Sockel zurück, der seitdem Gefahr läuft, für einen überdimensionierten Grabstein gehalten zu werden.

Skizze Martin Pfeifle
© Skizze Martin Pfeifle
Ursprünglich war die geflügelte Victoria mit Lorbeerkranz in der rechten, einem Palmenzweig in der linken Hand, im Moment ihrer Landung auf einem kleinen, auf den Sockel getürmten Haufen von Kriegsschrott zu sehen. Damit nahm sie als Motiv die antike Nikestatue, die Paionios von Mende, 420 v. Chr. für den Hain von Olympia schuf, zum Vorbild. Nike jedoch stand auf einer 12-teiligen, etwa 9 Meter hohen Säule ohne Schrott. Während andere Kriegerdenkmäler des 19. Jhd. in Form von Siegessäulen diese formale Einheit bewahrten, wurde bei Victoria darauf verzichtet. 
Künstler Martin Pfeifle
Künstler Martin Pfeifle © Martin Pfeifle

Der Künstler Martin Pfeifle

Mit VikyNiky bringt Martin Pfeifle nun endlich die so lang entbehrte Säule auch nach Offenbach. Er legt sie, historisch korrekt, in 12 Teilen im Rasen neben dem Sockel aus, so, dass ein Kreis mit Öffnung entsteht. Die aus Stahl geformten Säulenteile eignen sich nicht nur als Anschauungsgegenstände, sondern auch dazu, als Sitzelemente genutzt zu werden. Mit ihrem Titel betont die Arbeit explizit die Abwesenheit beider Damen, Victoria und Nike und damit den bedeutsamen Umstand, dass dieses Denkmal gänzlich ohne Krieg, Sieg und Göttlichkeiten auskommt.

Der Säulenkreis

In Olympia diente die Säule der Erhöhung der Nike und damit der Überhöhung eines Athener Machtanspruches. In Offenbach gestaltet Pfeifle sie als tiefer gelegten Säulenkreis zu einem Forum, einem Ort, der zu Kommunikation und Debatte einlädt.

Das Denkmal, dessen Ruine Pfeifles Skulptur zum Dialog- oder Sparingpartner nimmt, war dem Sieg deutscher Staaten über Frankreich gewidmet, der wiederum zum Anlass für die Reichsgründung, die Schaffung eines deutschen Nationalstaates genommen wurde. Dass die lang ersehnte deutsche Einheit unter militärischen Vorzeichen begann, war bekanntlich kein gutes Omen für Deutschland, für Europa, für die Welt. Nach dem zweiten Weltkrieg jedoch hat die europäische Einigung den Verheerungen, zu denen Engstirnigkeiten und Aggressionen der verschiedenen Nationalismen führten, ein für die Geschichte des Kontinents einzigartiges Friedensprojekt entgegen setzen können.

Angesichts der Tatsache, dass auch heute wieder nationalistisches Gedankengut und Separatismus Raum in Europa finden, ist Martin Pfeifles Säulenkreis VikyNiky am Kriegerdenkmal ein sinnträchtiges Bild für eine überaus notwendige Debatte, wenn nicht gar der Ort, dieses Bild mit Leben zu füllen.

Der Säulenkreis
Martin Pfeifle: VikyNiky © Martin Pfeifle

Ein Zeichen für die Demokratie und ein lebendiges Europa

Europa!!! nimmt mit VikyNiky seinen Anfang. Geplant ist, in den folgenden Jahren weitere nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler einzuladen, um im Namen Europas und der Demokratie auf den Offenbacher Sockel zu reagieren und somit ein Zeichen für Demokratie und ein lebendiges Europa zu setzen. Angedacht ist, dass diese Kunstwerke, begleitet von Repliken des Offenbacher Sockels zukünftig auch in ganz Europa auf Reise gehen sollen.

Denkmäler reisen eher selten. Und wie im Fall des Offenbacher Kriegerdenkmals anschaulich wird, können schon einfache Ortswechsel äußerst problematisch werden. Europa!!! jedoch, das lässt Martin Pfeifles Beitrag eindrucksvoll erahnen, hat das Zeug, ganz neue Maßstäbe zu setzen.

Eröffnung am 25. Mai um 11 Uhr

Eröffnet wird das Kunstprojekt am Kunstansichten-Samstag um 11 Uhr auf dem Alten Friedhof in Offenbach. Noch bis Ende September wird es dort zu sehen sein.

Das durch das Kulturmanagement der Stadt Offenbach initiierte Projekt findet in Kooperation mit dem Geschäftsfeld Stadtservice der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe und dem Verein Treffpunkt Friedhof Offenbach e.V. statt und wird von Rafael von Uslar kuratiert.

Ort und Öffnungszeiten

Alter Friedhof
Friedhofstraße 21 
63075 Offenbach

Öffnungszeiten des Friedhofs: Montag bis Sonntag von 8 bis 17 Uhr