Sprungmarken
Suche
Suche

Familienleben in Offenbach
© Jessica Schäfer
Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) realisierte im Deutschen Pavillon auf der 15. Internationalen Architekturausstellung 2016 vom 28.5. bis 27.11.2016 – La Biennale di Venezia die Ausstellung Making Heimat. Germany, Arrival Country.
Plakat
© DAM
Exemplarisch wurde auch die Stadt Offenbach auf der Biennale in Venedig vorgestellt: Das DAM hat Offenbach ausgewählt, um in thesenhafter Form die Bedingungen einer guten „Arrival City“ zu formulieren und zu diskutieren. „Die gegenwärtige Flüchtlingslage ist Teil einer großen, weltweiten Migrationsbewegung. Sie führt vom Land in die Städte“, erklärt das Team vom DAM. „Offenbach hat in den vergangenen Monaten gezeigt, wie Integration gelebt werden kann“, erklärt Oberbürgermeister Horst Schneider, der am Sonntag, 29. Mai, auf dem Podium einer Matinée mit anderen Experten über die Flüchtlingslage und den regionalen Blick auf globale Herausforderungen diskutierte.

OFFENBACH IST FAST OKAY

Offenbach ist die internationalste Stadt Deutschlands. Offenbach ist kein Getto - Offenbach ist anders. Offenbach ist Ankunftsstadt – aber auch Abreisestadt.

Beispiel: Offenbach- Mathildenviertel (Innenstadt)

Offenbach hat eine lange Tradition der Immigration. Funktional ist die Stadt ein „Ankunftsbezirk“ im Zentrum von Frankfurt/Rhein-Main, einer globalen Metropolregion mit einem hohen Immigrationsanteil und einer sehr vielfältigen und internationalen Bevölkerung.

In der Bevölkerung sind einhundertzweiundfünfzig Nationen vertreten. Die Nationalitäten der ehemaligen Gastarbeiter stellen immer noch die größten Einzelgruppen, hauptsächlich Türken, Italiener und Griechen.

In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren sind dann andere Gruppen aus den neuen EU-Mitgliedstaaten in Ost und Südosteuropa, aber auch aus Asien, Nordafrika und anderen Teilen der Welt hinzugekommen. Bei den „älteren“ Gruppen der Zuwanderer aus den südeuropäischen Ländern und der Türkei findet sich ein wachsender Teil von Menschen, meistens aus der zweiten und dritten Generation, die Bildungskarrieren machen. Es gibt unter ihnen einen stark steigenden Anteil von Gymnasiasten, sowie auch Universitätsstudenten.

Auch die Lebenssituationen in den Stadtquartieren können hemmende oder fördernde Faktoren für die Integration sein. Wir schauen uns zum Beispiel an, ob Menschen unterschiedlicher Nationalität und Herkunft in den Nachbarschaften nebeneinanderher oder wirklich zusammen leben. Sprechen die Menschen miteinander? Unterstützen sie sich? Vertreten sie ihre Interessen gemeinsam? All das ist Ausdruck gelingender Integration. Wir schaffen dafür Rahmenbedingungen, zum Beispiel durch Begegnungsstätten in den Quartieren, soziale Arbeit, gemeinsame Aktionen und Quartiersmanagement.

Homogene ethnische Milieus können „nach oben“ ziehen, wenn dort zum Beispiel Bildungserfolg hoch bewertet wird und ein Faktor bei der Gewinnung von Anerkennung und Status in der eigenen Gruppe ist,wie etwa bei vielen Migranten aus Asien. Homogene Milieus können aber auch behindern, wenn sie zur Abschottung führen oder Bildungs- und Aufstiegsambitionen bremsen, weil man die Entfremdung von der eigenen Gruppe befürchtet.

Text: Matthias Schulze-Böing im Interview mit Kai Vöckler, Making Heimat 2016

Quelle: http://www.dam-online.de/uploads/160310_MakingHeimat_Pressemappe_DE.pdf