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Alleinerziehende auf Jobsuche stehen häufig vor doppelten Hürden: Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung, geringere zeitliche Flexibilität und oftmals keinen Ersatz, wenn ein Kind krank wird. Gerade in der Corona-Krise wirken sich diese strukturellen Nachteile besonders deutlich aus. Den – weit überwiegend weiblichen – Alleinerziehenden, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) beziehen, gilt das besondere Augenmerk der hessischen Kommunalen Jobcenter.

„Die erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Mainarbeit sehen immer wieder, dass nicht die fehlende schulische oder berufliche Qualifikation der Aufnahme einer Arbeit entgegensteht“, erläutert Sozialdezernentin Sabine Groß.

Die Statistik zeigt: Alleinerziehende Arbeitslose haben im Vergleich zu den anderen SGB II-Leistungsbeziehenden überproportional gute Schul- und Ausbildungsabschlüsse. Und wenn das nicht der Fall sein sollte, gehen die hessischen Kommunalen Jobcenter mit maßgeschneiderten Beratungs- und Qualifizierungsangeboten auf die besonderen Bedürfnisse der Leistungsbeziehendenden ein.

In der MainArbeit, dem kommunalen Jobcenter der Stadt Offenbach, gibt es deshalb seit vielen Jahren ein Beratungs- und Arbeitsvermittlungsteam, das sich auf die Unterstützung der Alleinerziehenden spezialisiert hat.

Die Teammitglieder wissen aus langjähriger Erfahrung, dass es bei Teilen der Arbeitgeber immer noch Vorbehalte gibt, hinsichtlich der Verfügbarkeit und des Ausfallrisikos von Alleinerziehenden. Die Jobcenter sehen eine ihrer wesentlichen Aufgaben darin, mit positiven Beispielen ein Umdenken herbeizuführen. Auch die Digitalisierung bietet vielfältige Chancen für flexibles und mobiles Arbeiten in vielen Berufsfeldern. Alleinerziehende Jobsuchende sind eine wertvolle Fachkräfte-Reserve, die der Arbeitsmarkt bislang nur unzureichend abruft.

Die Beraterinnen und Berater nutzen dabei ihre langjährig gewachsenen Kontakte zu Arbeitgebern, die bereits gute Erfahrungen mit den meist sehr motivierten Müttern gemacht haben. In Offenbach sind 95 Prozent der Alleinerziehenden weiblich. Eine zentrale Voraussetzung für den (Wieder)-Einstieg in das Erwerbsleben oder eine Qualifizierungsmaßnahme ist die passende Kinderbetreuung. Die organisiert eine Fachstelle, die Teil des Teams ist.

273 Alleinerziehende haben im Jahr 2020 trotz der Corona-Pandemie eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aufgenommen. Das ist eine beachtliche Integrationsquote von rund 20 Prozent. „Wir stellen immer wieder fest, wie offen und interessiert die alleinerziehenden Frauen sind, Neues auszuprobieren und Neues zu lernen und wie engagiert sie im Beruf sind, trotz der Doppelbelastung“, erklärt Benjamin Hofmann, kommissarischer Teamleiter. „Sollten Arbeitgeber oder die Mütter nach der Arbeitsaufnahme Gesprächsbedarf haben, stehen wir gerne beratend zur Seite. Dies ist aber bisher sehr selten der Fall gewesen“, so Hofmann.

Gemeinsam mit den Alleinerziehenden entwickelt die MainArbeit individuelle Wege zum Erreichen des persönlichen Ziels, sei es das Nachholen eines Schulabschlusses, die Teilnahme an einer Weiterbildung oder auch direkt die Aufnahme einer Arbeit. „Wichtig ist uns dabei, die finanzielle Situation der Frauen nachhaltig zu verbessern: zum Beispiel, indem die Alleinerziehenden eine mehrjährige Ausbildung absolvieren, die eventuell auch in Teilzeit durchgeführt werden kann“, erläutert Bereichsleiterin Charlotte Buri.

Ein Beispiel, das für viele steht, die mit großem Durchhaltevermögen ihr langfristig gestecktes Ziel erreicht haben, ist Luise Maier (Name geändert). Eine eigene schwierige Kindheit, ohne Schulabschluss, mit vier Kindern und getrennt vom Ehemann, das war die Situation zu Beginn der Beratung im Jobcenter, in der sich nach und nach ihr Wunsch und ihr Potenzial, Erzieherin zu werden, herauskristallisierte. Luise Maier holte zuerst den Hauptschulabschluss, dann den Realschulabschluss nach und begann ihre Ausbildung als Erzieherin, die sie erfolgreich abschloss. Mittlerweile arbeitet sie seit zwei Jahren in einer Kita und benötigt keine finanziellen Hilfen vom Jobcenter mehr. Luise Maiers Fazit: „Auch wenn es ein langer Weg für mich war, mein Einsatz hat sich gelohnt. Ich bin so glücklich, in meinem Wunschberuf arbeiten zu können.“

Ein weiteres positives Beispiel für eine gelungene Integration ist Marie Winter (Name geändert). Sie hatte als zweifache Mutter mit persönlichen Problemen und fehlender beruflicher Perspektive wenig Hoffnung auf eine Integration in den Arbeitsmarkt, als sie an der in der MainArbeit installierten „Gruppe zum Selbstmanagement“ teilnahm. „Hier werden individuelle Probleme der Teilnehmer/innen durch die Gruppe aufgearbeitet und individuelle Lösungen im Einzelcoaching gefunden“, berichtet die Gruppenleiterin, Zahra Ghaeni. Marie Winter konnte im August 2020 eine Teilzeit-Beschäftigung als integrative Schulbetreuerin an einer Schule antreten. Sie ist für ein Kind mit besonderem Förderbedarf zuständig und betreut dieses während des Schulbetriebes. Parallel bereitet sie sich auf den Hauptschulabschluss vor, um sich weitere berufliche Möglichkeiten aufzubauen.

Sozialdezernentin Groß freut sich über diese und die vielen weiteren gelungenen Integrationen in den Arbeitsmarkt: Mit den städtischen Investitionen in den kontinuierlichen Ausbau der Kinderbetreuung ermöglichen wir eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere für Frauen und Alleinerziehende, die auch den Arbeitgebern zu Gute kommt.“

Interessierte Arbeitgeber können sich jederzeit an das Team der Alleinerziehenden (E-Mail: mainarbeit-vermittlung-58offenbachde) oder den Arbeitgeberservice der MainArbeit wenden (E-Mail: Mainarbeit-Arbeitgeberoffenbachde) und die Arbeitgeber Hotline: 0800 101-8100.

Kontakt für die Presse:

Charlotte Buri,  Rufnummer 069 8065 8250

Offenbach am Main, 16. März 2021