Sprungmarken
Suche
Suche

Formular zum Ausfüllen
© Krissie / Pixabay
Gastronomen, Grafiker, Frisöre, Künstler, Taxifahrer und Veranstaltungstechniker: Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus betreffen alle Berufe und Branchen, Selbstständige, Auszubildende, Angestellte, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Geschäfte, Theater und Galerien sind geschlossen, Veranstaltungen bis auf Weiteres abgesagt, es braucht weder Plakate noch Catering.

„Menschen, die bis vor wenigen Wochen noch ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten, stehen plötzlich vor der Frage, wie sie ihre Miete oder ihre Mitarbeiter zahlen und ihren Kühlschrank füllen“, weiß Sozialdezernentin Sabine Groß. Für viele, wie beispielsweise Solo-Selbständige, stellt es eine ungewöhnliche Situation dar, nun Sozialleistungen wie die Grundsicherung beantragen zu müssen. „Aber wir können“, so Groß, „in Offenbach nur im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten arbeiten und so lange es dazu keine anderen Regelungen gibt, ist es die Aufgabe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Mainarbeit und der Agentur für Arbeit diese Leistungen schnell und reibungslos zu gewähren“.

Das Sozialgesetzbuch II und/oder andere inzwischen aufgelegte Förderprogrammen ermöglichen es, die Menschen zu unterstützen, deren Geschäftsmodell oder Erwerbsarbeit während der Corona-Pandemie nicht oder nicht mehr wie zuvor Einkommen sichern. Zusätzlich versucht die Bundesregierung auch jene Menschen mit dem Instrument der Kurzarbeit und Vereinfachungen im Arbeitslosengeld I aufzufangen, die massive finanzielle Auswirkungen zu befürchten hätten.

Über die Möglichkeiten informieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MainArbeit und der Agentur für Arbeit online und telefonisch. Denn das Gebäude der MainArbeit in der Berliner Straße ist, ebenso wie das der Agentur für Arbeit in der Domstraße auch, seit Mitte März für den Publikumsverkehr geschlossen. Beide arbeiten traditionell Hand in Hand, in der gegenwärtigen Krise sogar noch intensiver, um gemeinsam die neuen Herausforderungen zu bewältigen.

MainArbeit berät auf dem Weg zur Grundsicherung

Die MainArbeit ist zuständig für Arbeitsvermittlung und Grundsicherung, das heißt für Leistungen für Miete und Unterhalt, also die existenziellsten Belastungen. Das personell kurzfristig aufgestockte telefonische Servicecenter bekam mit der Corona-Krise viel zu tun. Die Zahl der Anrufe hat sich, wie Geschäftsführer Matthias Schulze-Böing berichtet, in Wochenfrist mehr als verdoppelt, so lag der Spitzenwert in der 14. Kalenderwoche Anfang April bei fast 1.200 Anrufen pro Woche. Inzwischen hat sich das Anrufvolumen aber wieder etwas reduziert und liegt nun bei ungefähr 700 pro Woche. Rund 90 Prozent der Anrufe können sofort bedient werden. „Das ist für telefonische Servicecenter auch branchenübergreifend ein sehr guter Wert,“ kommentiert Schulze-Böing. Für Selbstständige wurde zudem eine eigene Hotline eingerichtet, um deren besonderer Situation besser gerecht zu werden.

Über 200-mal pro Woche wurden im April Antragsunterlagen Anrufern versandt. Durch umfassende Informationen in der telefonischen Beratung sowie auf ihrer Homepage (www.mainarbeit-offenbach.de), versucht die MainArbeit die Anfragenden möglichst frühzeitig über Leistungsansprüche und die Regeln für die Antragstellung zu informieren.

„Es gibt oft unklare Vorstellungen, was die Grundsicherung im Rahmen des bestehenden Rechts leisten kann. Wir versuchen deshalb klarzumachen, was wir als Jobcenter leisten können und so falschen Erwartungen entgegenzuwirken. Für viele ist zum Beispiel überraschend, dass wir nicht nur ihre eigene Einkommenssituation, sondern auch die ihres Ehe- oder Lebenspartners in die Prüfung einbeziehen“, berichtet Schulze-Böing.

Leistungen im vereinfachten Sozialleistungsbezug betragen aktuell 432 Euro im Monat. Damit diese bewilligt werden, müssen die Antragssteller ihre Einkommens- und Vermögenswerte offenlegen. Allerdings ist die Toleranz wegen der Corona-Krise bei Miete und Einkommen eine andere. So sind die sonst geltenden Mietobergrenzen für Neuantragsteller bis September ausgesetzt.
Etwa 150 Anträge auf Leistungen der Grundsicherung seien seit Beginn der Krise pro Woche eingegangen. Die Bearbeitung der Anträge werde so schnell wie möglich erledigt. „Wichtig ist aber, dass dem Antrag alle notwendigen Unterlagen und Informationen beigefügt sind. Wenn alles vorliegt, erstellen wir sehr schnell einen Bescheid,“ ergänzt Susanne Pfau, Bereichsleiterin in der MainArbeit. Mit einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von 3,2 Tagen nach vollständiger Einreichung aller Unterlagen sei die MainArbeit auch in dieser Hinsicht sehr gut aufgestellt. 

„Die MainArbeit war im Vergleich zu anderen Behörden auch schon vor der Krise relativ stark digitalisiert“, lobt Sozialstadträtin Groß. „Die elektronische Aktenführung besteht schon seit fünf Jahren. Das hat zum Beispiel die Umstellung auf die Arbeit im Home-Office für ungefähr die Hälfte aller Mitarbeiter der MainArbeit wesentlich erleichtert.“
Auch das im April 2019 in Betrieb genommene elektronische Kundenportal habe sich, wie Schulze-Böing berichtet, in der Krise als goldrichtige Investition erwiesen. Über das Portal kann die gesamte Kommunikation zwischen Jobcenter und Kunden digital abgewickelt werden. Knapp 2.500 aktive Nutzerinnen und Nutzer gibt es bereits. Pro Woche werden über das Portal über 13.000 Dokumente elektronisch an Kunden zugestellt. Rund 8.300 Dokumente laden Kunden pro Woche im Portal hoch. Offenbach nimmt hier eine Vorreiterrolle unter den Jobcentern ein.

Agentur für Arbeit setzt auf Ende der Einschränkungen

Ähnlich die Situation bei der Agentur für Arbeit: Bundesweit wurden seit Beginn der Corona-Krise 40-mal mehr Anzeigen auf Kurzarbeitergeld gestellt wie zu den Spitzen 2008/09, als die globale Finanzkrise, fast überall auf der Welt zu einem deutlich abgeschwächten Wirtschaftswachstum oder zur Rezession führte, berichtet Thomas Iser, Leiter der Offenbacher Arbeitsagentur: „Im April hatten wir im Offenbacher Agenturbezirk 3.762 Betriebe, die Kurzarbeit angezeigt haben. Die Stimmung der Wirtschaft ist natürlich von Sorge geprägt. Wie heftig die Auswirkungen sein werden, hängt vor allem von der Dauer und der Intensität der Schutzmaßnahmen ab.“

Von einer schnellen Normalisierung der Situation und damit der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage Einzelner ist derzeit nicht auszugehen. „Dass manche bisher einträglichen Geschäftsmodelle jetzt an ihre Grenzen stoßen ist zum Teil Folge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie“, ergänzt Sozialdezernentin Groß: "Wir versuchen, die sozialen Härten abzufangen und hoffen alle auf ein Ende der Einschränkungen. Mein Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Mainarbeit und der Agentur für Arbeit für ihren enormen Einsatz."

4. Mai 2020