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Mann im Bus
© vlada_maestro/Shutterstock

Mit dem Ziel, die Alltagsbewegung von älteren Menschen zu fördern und dabei die seniorengerechte Gestaltung des Stadtgebiets Offenbach in den Blick zu nehmen, erfolgte eine Umfrage im Kontext des Projekts „Bewegt älter werden in Offenbach“. Bürgerinnen und Bürger über 60 Jahre wurden befragt und zur Beteiligung an einer Fotoaktion aufgerufen.

Die Bedarfs- und Bedürfniserhebung ergab, dass Treffpunkte im öffentlichen Raum, Begegnungen, Sitzmöglichkeiten und öffentliche Toiletten wichtige Punkte für die Befragten sind, um außerhalb ihrer Wohnung mobil zu bleiben. Die Ergebnisse stellen eine Entscheidungsgrundlage für die im nächsten Schritt gemeinsame bedarfsorientierte Planung von bewegungsförderlichen Maßnahmen dar. „Über hundert Seniorinnen und Senioren nahmen an der Umfrage teil. Das zeugt von einem regen Interesse, trotz und gerade in einer Zeit der Einschränkungen durch die Pandemie. Für die Politik und Verwaltung unserer Stadt sind die Ergebnisse wertvoll. Denn sie zeigen uns direkt, wie die Offenbacherinnen und Offenbacher über 60 Jahre zu ihrer Stadt stehen“, bilanziert Sozialdezernentin Sabine Groß und bedankt sich bei den Machern und Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Aus der Ist-Analyse ergeben sich folgende Ergebnisse:

Erreichbarkeit zu Fuß

Laut der Befragten besteht im Stadtgebiet Offenbach bereits eine gute Infrastruktur (Einzelhandel, ÖPNV, Grünanlagen). Insbesondere öffentliche Verkehrsmittel sind innerhalb weniger Minuten für die Seniorinnen und Senioren zugänglich. Geschäfte, öffentliche Einrichtungen und Verkehrsmittel sind fußläufig zu erreichen. Dies spiegelt eine gute Ausgangslage für die Alltagsbewegung wider. Lediglich die lokalen Einrichtungen wie Post, Bank, Sport- und Freizeiteinrichtungen können durchschnittlich in einer Viertelstunde oder in einem längeren Zeitraum erreicht werden.

Verkehrssicherheit

Die Umfrage zeigt, dass die allgemeine Verkehrssicherheit für Radfahrende und Fußgängerinnen und Fußgänger eine wichtige Rolle spielt. Die Verkehrssicherheit für Radfahrende ist besonders den 60 bis 69-Jährigen „sehr/eher wichtig“. Bei Betrachtung der Verkehrssicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger nimmt die Wichtigkeit erst im Alter zu. 43% der 60 bis 69- Jährigen empfanden die Erhöhung der Verkehrssicherheit als „ausreichend vorhanden“. Wohingegen 65% der Befragten über 80 Jahre eine Erhöhung der Verkehrssicherheit für „sehr/eher wichtig“ hielten. Dies wurde durch eine Fotoaktion verdeutlicht. Die zugesandten Bilder zeigten zugeparkte Gehwege oder nicht vorhandene Gehwege. Eine Vielzahl von Stolperfallen, Löchern und Vertiefungen im Bürgersteig, die nur sehr schwer oder gar nicht mit Rollator und Rollstuhl passierbar sind, bemängeln die Befragten. Es wird deutlich, dass die Instandhaltung der öffentlichen Rad- und Fußwege und der Grünflächen für die Befragten sehr wichtig ist.

Wichtige Voraussetzungen für die Bewegung draußen

Als besonders relevant für die Fortbewegung im eigenen Stadtgebiet sehen die Seniorinnen und Senioren die Verfügbarkeit von öffentlichen Toiletten. So geben 66% der Befragten an, dass sie sich „neue öffentliche Toiletten“ im Stadtgebiet Offenbach wünschen, um draußen aktiv sein zu können. Weitere Anmerkungen aus der Befragung sind fehlende Treffpunkte und Sitzmöglichkeiten im Mathildenviertel, im Wetterpark und am Bürgeler Reichstag, welche Begegnungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger schaffen könnten. Besonders im Alter nimmt die Wichtigkeit von Sitzmöglichkeiten zu. So geben 71% der über 80- Jährigen an, dass sie neue Sitzmöglichkeiten als „sehr/eher wichtig“ sehen. Zudem müssen Parks und Grünflachen, wie der Wetterpark oder der Bürgeler Reichstag, erhalten und gepflegt werden. Sie werden als besonders wertvoll für die Offenbacherinnen und Offenbacher angesehen. Neben den bewegungsförderlichen Rahmbedingungen wünschen sich 48% der Befragten mehr Bewegungsangebote für Menschen ab 60 Jahren. Bestehende Angebote, wie zum Beispiel der Bewegungsparcours in Tempelsee, werden mehrfach gelobt und in weiteren Stadtteilen gewünscht.

Hintergrund und Vorgehen

Das Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt Offenbach am Main und der HAGE e.V.– Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. - befragte im Zeitraum von Januar bis Februar 2021 Bürger und Bürgerinnen über 60 Jahre.

Für die Umfrage wurden 300 zufällig ausgewählte Offenbacher und Offenbacherinnen über 60 Jahre angeschrieben und um eine persönliche Einschätzung zur Bewegungsfreundlichkeit ihres Wohnviertels gebeten. Die Umfrage erfolgte anhand eines standardisierten Fragebogens. Er beinhaltete Fragen, wie zum Beispiel zu Arten von Wohnhäusern in der Nachbarschaft, Entfernung zu lokalen Einrichtungen, Infrastruktur der Fuß- und Radwege in der Wohnumgebung, Attraktivität des Wohnviertels und die eigene körperliche Aktivität. Die Teilnehmer konnten den Fragebogen postalisch zurücksenden. Insgesamt nahmen über 100 Offenbacher und Offenbacherinnen über 60 Jahre teil (Rücklaufquote von 34%). Dabei zeigte sich die Umfrage hinsichtlich der Geschlechter- und Altersverteilung sowie der Verteilung auf die unterschiedlichen Stadtteile in Offenbach als repräsentativ.

Neben der Bürgerbefragung fand im Zusammenhang des Projekts eine Fotoaktion von Februar bis März 2021 statt. Ziel der Aktion war es, dass die Senioren und Seniorinnen ihre Eindrücke des Wohnviertels und der Wohnumgebung mit dem Handy oder Fotoapparat festhalten. Sie konnten zum Beispiel ihre Lieblingsorte zeigen, die das Quartier attraktiv und lebenswert machen oder auch Wege oder Plätze, die nicht so schön sind und verändert werden sollten. Der Aufruf zur Mitmachaktion erfolgte über Begegnungsstätten wie Seniorentreffs, Freiwilligenzentren und das Mehrgenerationenhaus. Insgesamt nahmen 30 Bürgerinnen und Bürger das Angebot wahr und sendeten ihre Fotos per E-Mail zu. In persönlichen Gesprächen wurden die Bilder nochmals erläutert.

Bei Fragen zum Projekt und zur Fotoaktion können Interessierte sich gerne an Felix Weber, felix.weberhagede wenden oder die Geschäftsstelle der HAGE e.V. unter der Rufnummer +49 (0)69 713 76 78-0 erreichen.

Das Modellprojekt wird gefördert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit.

21. Juni 2021